72/Vulkan/Lyrik. Roswitha Klaushofer: Was sie zum Glühen bringt

Sie stehen
am Wegrand
krallen sich fest
aneinander
heben sich ab vom
Schneeblumenblühen
sprechen von
verbogenem Leben
von Lust
Das Weiß
in der Landschaft
bringt sie zum Glühen

 

Nimm
die Russgabel
weg vom Feuer
wirf sie
zurück ins Feld
Hitze breitet
sich aus
windet sich
um unseren Leib
bringt zum Flackern
was seit Jahren
im Nebel hing

 

Lichterloh
Als dich
der Nebel trug
kam das Kratzen
in meinem Hals
suchend bin ich
gelaufen durch
Schneestürme
verschneite Straßen
Plötzlich du
neben mir
An deiner Jacke
der Geruch von Schnee

 

Mein Mund
spricht leis
verkündet katzenfaul
“ein Tanz“
Schon sprech ich
laut und bin verzahnt
mit Lavaglut und
einem Mann
Die Hitze springt
von Bein zu Bein
Lava strömt
im Rhythmus
durch den Leib
obwohl Kälte unter
Sohlen schwingt

 

Im Rot
saugen
wir uns satt
decken die
Herzfalte zu
spannen Drähte
über glühende Kohlen
knüpfen das
hitzige Garn
legen es
in die Glut

 

Reib
nassen Lehm
um meine Waden
blase die Glut
vom Knie
teile das Rot
und gib mir
vom Zungenbrot
Gib zu
mein Sturm
hat dich hierher
verschlagen