Sommerspiele Melk: Uraufführung 19.6.2019, "BABYLON und die Sprachverwirrung"

Eva Riebler

„Der König will Unsterblichkeit“

BABYLON und die Sprachverwirrung
Schauspiel von Feridun Zaimoglu & Güner Senkel
Künstlerische Leitung/Regie: Alexander Hauer
Premiere, Uraufführung 19.6.2019, 20 Uhr Arena Melk

 

Das Thema des überheblichen Herrschers, der bösen Träume und Vorhersagungen sowie der allgemeinen Sprachverwirrung ist ein biblisches. Emmerkar, der siegreiche König der Babylonier, will mehr als der größte König und trotzdem sterblich zu sein. Er will mithilfe des besten Baumeisters, den er soeben aus besiegten Völkern erkoren hat, sich ein überdauerndes Wahrzeichen setzen: den höchsten Turm, der bis an den Rand des Himmels reicht und der ihn zu den Göttern bringen soll.

Schon in der Offenbarung zieht Überheblichkeit, Unsittlichkeit und Götzendienst den Zorn Gottes und somit die Zerstörung nach sich.

In diesem Schauspiel von Zaimoglu ist es nicht der Gott des AT, der straft, sondern eine Vielzahl an Göttern und Göttinnen bringen imposant den Herrscher des Zweistromlandes zu Fall. Zaimoglu hat somit eine historisch heidnische Komponente eingefügt und durch die Verschonung/Nicht-Tötung des überheblichen Herrschers statt Vergeltung Milde walten lassen. Er geht zurück auf die Erkenntnis, dass das christliche AT auf älteren Vorbildern und Geschichten beruht, nämlich auf denen aus der Zeit Nebukadnezar I. (1100 v. Chr.) und Nebukadnezar II. (600 v.Chr.) und damals spielten in der babylonischen Religion eine Vielzahl an Göttern wichtige Rollen und Marduk war tatsächlich der damalige Hauptgott.

Im Programmheft der Sommerspiele Melk wird dies auf sorgfältige Weise ausführlich berichtet und Alexander Hauer formuliert jeweils prägnant die Gegenwartsbezüge. – was wirklich nicht selbstverständlich ist, daher ein großes Dankeschön!

Die schauspielerischen Leistungen unter der Regie von Alexander Hauer sind wie immer in der Wachauarena hervorragend, sowie Kostüme und Licht plus Sound spannend und hervorragend!

Das Spiel zum alten Thema Babylon wirkt dadurch inspirierend und vielleicht lehrreich! Sätze aus dem Volk wie: „Das Alte stirbt niemals, es erwacht, es beißt uns tot!“ oder Sätze der Götter: „Kein Gott duldet, dass er sich zum König erklärt!“, „Der Mensch lebt durch unsere Gnade. Die Menschen dienen gern – Sie lieben uns. Es reicht, dass sie uns gehorchen. Die Knechte bleiben am Leben. Brich ihren Willen und lass sie willig bleiben! … Und: „Um eine Herrschaft, die sich nur auf Waffen stützt, um die ist es schlecht bestellt!“

Archaisch und modern! Grandioses Schauspiel & herrliche Inszenierung!

Noch zu sehen bis 3.8.2019

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