Bühne

Sommerspiele Melk: "Musik erzählt" am 10.7.2019, Arena Melk

Eva Riebler

„Musik erzählt“
Fly me to the moon

Musikrevue von Rita Sereinig & Alexander Hauer
Künstlerische Leitung: Alexander Hauer
Regie, Choreografie: Rita Sereinig
Musik. Leitung, Arrangements: Gerald Huber-Weiderbauer, Michael Strauss
Band der Einsamen Herzen mit Substitutes
Premiere, Uraufführung 1o.7.2019, 20.15 Uhr Arena Melk

 

Der Flug zum Mond mit Landung, Mondspaziergang und Heimkehr ist seit 50 Jahren Geschichte. Diese Musikrevue erzählt frei und fantastisch dieses historische Ereignis.

Lustig und launig, fetzig und modern werden nicht nur Schlager wie Mr. Sunshine und Mister Mond, Raumschiff Enterprise, Talking tot he Moon, Heroes oder Take the long Way home usw. von den 1962-ern aufwärts, sondern auch Matthias Claudius Der Mond ist aufgegangen von 1779 oder die Mondscheinsonate Ludwig Beethovens von 1801 bemüht, vielseitige Stimmung einzufangen. Meist geht es ja traschig zu und so sind romantische Ohrwürmer eine willkommene Atempause, die auch mal das Liebesleben der Protagonisten würdigen kann. Besonders einfallsreich sind in der zweiten Spielhälfte die verführerischen Mondgestalten, die mit ihren bösen Krokodil-Klauen oder verführerischen Liebesgaukeleien das Bleiben der Astronauten bewerkstelligen wollten.

Jedenfalls ein tolles, flottes Spiel der Superlative, das mit dieser Inszenierung als ein weiterer würdiger Stein im etablierten Brett der Sommerspiele Melk funkelt!

Noch zu sehen bis 14.8.2019, Karten/Animationsveranstaltungen/Babylon usw.  unter offic@wachaukulturmelk.at

Gr. Festspielhaus St. p. 7.6.2019: Ab (intra), Sydney Dance Company & Rafael Bonachela

Eva Riebler

Gr. Festspielhaus St. P. 7.6.2019
Sydney Dance Company &  Rafael Bonachela: Ab (intra)

Bonachela stammt aus Barcelona und arbeitet stets als Tänzer und Choreograf und schuf Werke für Dance Companies in Cuba, Rotterdam oder Sydney. Mit der Dance Company Sydney ist er seit 2008 verbunden und brachte ebendort 2018  sein Großwerk „Ab (intra)“ zur Uraufführung.

Es ist ein grandioses, meist ruhiges Werk, das die ästhetischen Männerkörper in das Rampenlicht bringt. Sinnlichkeit und gegenseitige Aufmerksamkeit ist Trumpf.

Die 17 Tänzerinnen und Tänzer konzentrieren sich in Bewegungsabläufen für alle, miteinander und gegeneinander oder stimmen sich in zahlreichen Duetten aufeinander ab.

Das Publikum versinkt auch ob der relativ gleichbleibenden E-, Streicher- und Pauken-Musik von Peters Vasks, interpretiert von Nick Wales fast in Trance und beobachtet die athletischen Bewegungen und Körper. Die extremen Verschlingungen der TänzerInnen sind bewunderns- und staunenswert.

Ein großartiger Schlusspunkt der heurigen Saison!

Bereits am 5.  und am 19. Oktober startet die Ballett-Saison im Festspielhaus St. P. mit Les Balletts de Monte-Carlo und der Compagnie Käfig… Mann/Frau kann sich freuen!

Sommerspiele Melk: Uraufführung 19.6.2019, "BABYLON und die Sprachverwirrung"

Eva Riebler

„Der König will Unsterblichkeit“

BABYLON und die Sprachverwirrung
Schauspiel von Feridun Zaimoglu & Güner Senkel
Künstlerische Leitung/Regie: Alexander Hauer
Premiere, Uraufführung 19.6.2019, 20 Uhr Arena Melk

 

Das Thema des überheblichen Herrschers, der bösen Träume und Vorhersagungen sowie der allgemeinen Sprachverwirrung ist ein biblisches. Emmerkar, der siegreiche König der Babylonier, will mehr als der größte König und trotzdem sterblich zu sein. Er will mithilfe des besten Baumeisters, den er soeben aus besiegten Völkern erkoren hat, sich ein überdauerndes Wahrzeichen setzen: den höchsten Turm, der bis an den Rand des Himmels reicht und der ihn zu den Göttern bringen soll.

Schon in der Offenbarung zieht Überheblichkeit, Unsittlichkeit und Götzendienst den Zorn Gottes und somit die Zerstörung nach sich.

In diesem Schauspiel von Zaimoglu ist es nicht der Gott des AT, der straft, sondern eine Vielzahl an Göttern und Göttinnen bringen imposant den Herrscher des Zweistromlandes zu Fall. Zaimoglu hat somit eine historisch heidnische Komponente eingefügt und durch die Verschonung/Nicht-Tötung des überheblichen Herrschers statt Vergeltung Milde walten lassen. Er geht zurück auf die Erkenntnis, dass das christliche AT auf älteren Vorbildern und Geschichten beruht, nämlich auf denen aus der Zeit Nebukadnezar I. (1100 v. Chr.) und Nebukadnezar II. (600 v.Chr.) und damals spielten in der babylonischen Religion eine Vielzahl an Göttern wichtige Rollen und Marduk war tatsächlich der damalige Hauptgott.

Im Programmheft der Sommerspiele Melk wird dies auf sorgfältige Weise ausführlich berichtet und Alexander Hauer formuliert jeweils prägnant die Gegenwartsbezüge. – was wirklich nicht selbstverständlich ist, daher ein großes Dankeschön!

Die schauspielerischen Leistungen unter der Regie von Alexander Hauer sind wie immer in der Wachauarena hervorragend, sowie Kostüme und Licht plus Sound spannend und hervorragend!

Das Spiel zum alten Thema Babylon wirkt dadurch inspirierend und vielleicht lehrreich! Sätze aus dem Volk wie: „Das Alte stirbt niemals, es erwacht, es beißt uns tot!“ oder Sätze der Götter: „Kein Gott duldet, dass er sich zum König erklärt!“, „Der Mensch lebt durch unsere Gnade. Die Menschen dienen gern – Sie lieben uns. Es reicht, dass sie uns gehorchen. Die Knechte bleiben am Leben. Brich ihren Willen und lass sie willig bleiben! … Und: „Um eine Herrschaft, die sich nur auf Waffen stützt, um die ist es schlecht bestellt!“

Archaisch und modern! Grandioses Schauspiel & herrliche Inszenierung!

Noch zu sehen bis 3.8.2019

Landestheater St.P.: 18.5.2019, "Kinder des Olymp"

Eva Riebler

Was ist wichtiger als die LIEBE?

„Kinder des Olymp“  von Jacques Prévert (Film 1943/44)
07. Bürgertheater, Landestheater St.Pölten
18.5.2019 Gr. Haus, Premiere 16 Uhr

Leitung/Inszenierung/Fassung - Nehle Dick, Dramaturgie - Julia Engelmayer, Musik - Sebastian Gabler, Kostüme - Irene Schiller, Regie - Gabrielle Erd, Astrid Krizanic-Fallmann, Karin Schweinzer u. 40 andere…
SchauspielerInnen: 50 BürgerInnen St. Pöltens zwischen 9 und 77 Jahren.

 

Inmitten des II. WK hatten ein Regisseur, ein Schauspieler und ein Drehbuchautor das Bedürfnis einen Film über die unerfüllte Liebe des Pantomimen Jean-Gaspard Deburau zu entwickeln. Die Wirrnisse des Krieges waren kontraproduktiv, aber durch Übernahme durch eine andere Produktionsfirma, verfälschte Namensgebungen des jüdischen Komponisten und des jüdischen Filmarchitekten usw. gelang dem Regisseur Marcel Carné die Fertigstellung 1944 in Nizza just zur Zeit der Landung der Amerikaner in der Normandie. Dies mag verdeutlichen, dass in diesem Film-/Bühnenstoff keinerlei Politik vorkommen kann. Es ist die LIEBE und nur die LIEBE, auch die zum Theater, die Handlungsgegenstand ist.

Das „Hereinspaziert!“ der beiden grandiosen Confranciers ermöglicht sogleich die Vorstellung im Theaterviertel, vielmehr auf der Bühne des Theaters Funambules zu sein.

Die Schauspielerischen Leistungen aller sind überaus bewunderungswürdig! Einzelne Auflistungen sind nicht zielführend, da jeder/jede in der Rolle aufgeht. Die Rollen werden nicht „gespielt“, sondern die Bürger und Bürgerinnen entwickeln und suchen ihre ihnen zu Charakter und Ausdruck passenden Rollen und SIND die Figur/die Rolle! Die Vielseitigkeit und der Einfallreichtum der Dramaturgin Nehle Dick, z.B. bei dem Einfügen der 5 rot gekleideten kommentierenden Frauen, die Aufteilung der Rolle des Pantomimen auf DREI auch vom Alter völlig unterschiedlichen Schauspieler oder die Aufteilung der Rolle der weiblichen Protagonistin Garance auf drei Bürgerinnen und die Verdoppelung der Ehefrau des Pantomimen auf ein doppeltes Lottchen – ist wirklich schöpferisch und spannend!

Eine tolle Produktion, ideenreich, abwechslungsreich und bewundernswert!

Gratulation!

Noch zu sehen am 28.5., 4.6. und 15.6. 2019 um 19.30 im Landestheater St.P., großes Haus

Landestheater St.P.: 4.5.2019, Premiere: Ödipus/Antigone: „Es ist nicht alles Gold, was glänzt“

Eva Riebler

4.5.2019 Premiere Landestheater St.P. Gr. Haus

„Es ist nicht alles Gold, was glänzt“
Ödipus/Antigone
von Sophokles

Ödipus/Die Alten – Michael Scherff, Priester/Diener7Hämon – Tim Breyvogel. Kreon – Bettina Kerl, Tiresias/Jokaste/Wächter/Bote – Silja Bächli, Chor/Bote/Ismene – Tilman Rose, Magd/Antigone – Hanna Binder.

Klavier/Piano - Johanna Borchert auf einem FEURICH-Flügel; gesponsert von der KLAVIER-Galerie

Gold glänzen die kettenhemdartigen Kostüme im eher dunklen Bühnenraum. Auf der Drehscheibe haben alle Protagonisten, optisch sorgsam platziert, Stellung bezogen und das Aufdeckungsspiel beginnt. Wer ist Ödipus, welche Verbrechen sind ihm anzulasten und wie straft er sich selbst – so kurz wäre der erste Teil abzuhandeln. Er gerät jedoch mit über 1 ½ Stunden auch für die Klassik erprobten Zuschauer zu lang. Die klassischen Texte erfordern durch ihre Syntax und Semantik die ganze Aufmerksamkeit. Die klassische Variante des Bühnenspiels ohne Spektakel und Pathos, ohne Wechsel der Kostüme oder des Bühnenbildes ist einerseits wohltuend und dem Ernst des Inhalts geschuldet, andererseits einlullend stereotyp und lässt auch keine Zeit/keinen Raum für den Gegenwartsbezug (Fremder, Heimkehrer, Inzest, Einsicht-Buße …). Da hätte Alia Luque seine Inszenierung stark kürzen und raffen müssen und das Risiko des Verlustes der klassischen Authentizität eingehen müssen.

Der 2.Teil: Antigone lässt mehr den Bezug zwischen Missbrauch der Macht durch Kreon und den Werten wie Freiheit, kulturellen/religiösen Tradition (die traditionellen Bestattung des Bruders Polyneikes durch Antigone) oder Wille der Bürger (Demokratisches Bewusstsein) zu. In der Antigone kommt nun  im Gegensatz zum Ödipus dem Wissen um die Schuld eine größere Bedeutung/Schwere zu.

Die Schauspieler leisten Großartiges, verwandeln sich trotz der universalen Kleidung in andere Figuren und entkommen der aufgesetzten Sterilität oder Stereotypie der Rollen ohne Klamauk oder Pathos. Die Liebe zum Detail, zur sparsamen Gestik und verhaltenen Mimik ist bewundernswert!

Beherrschend, stimmungsangebend ist Klavier und Gesang von Johanna Borchert. Ihre herausragenden Impressions-Jazz-Harmonien begleiten und verbinden. Ihr Ideen- und Inspirationsreichtum mit ihrer großen Palette der Klänge und Töne verwandeln die Szene in großes griechisches Theater und entheben die Schauspieler des Heroischen! Bewundernswert! Hörenswert!

Noch zu sehen und zu hören bis 5.6.2019