Ausstellungseröffnung Österr. Papiermachermuseum. Rez.: Eva Riebler

Eva Riebler
Die Form ist die Welt

 

 

Ausstellungseröffnung
Österr. Papiermachermuseum
Laakirchen/Steyrermühl
21.7.13, 11 Uhr

Anlässlich der Ausstellung mit dem Titel „Just Paper“ in Zusammenarbeit mit der Galerie Ulrike Hrobsky, Grünangergasse 1010 Wien, zeigt das Papiermachermuseum Papierobjekte der Künstler Silvia Schreiber und Reinhard Wöllmer.

Carl Aigner, Direktor der Landesmuseen NÖ, würdigte die Künstler und analysierte ihre Arbeitsweisen, Sehensweisen und stellte sie, vor allem die Arbeiten Silvia Schreibers, in den historischen Kontext. Die Berliner/Münchner Künstlerin  zeigt dreidimensionale Arbeiten aus Japanpapier, als lebensgroße Ganzkörperplastiken, federleicht im Raum schwebend in einheitlicher Farbgebung und Kopfplastiken von Joseph Beuys bis Hunnenkönig Attila oder welche, die nach lebenden Bekannten modelliert waren.

Der Luftzug in den ehrwürdigen, alten Gewölben der Papierfabrik ordnen die Figuren im Raum und lassen diese Besitz von diesem nehmen. Die Vergänglichkeit und Hineingeworfen-Sein in Raum und Leben werden spürbar. Sie interessierte sich für den Rennaissancemaler Hohlbein d. Ä. und gestaltet seit Jahren nach dessen Gemälden Köpfe aus Papiermache und stellt sie den Gemälden gegenüber. In ihren Köpfen kommt stehts der individuelle Ausdruck hervor und zwigt die Seele des Individuums. Ihre letzte große Ausstellung diesbezüglich war 2012 „Body and Soul“ Galerie Wichtendohl Berlin.

Der zweite Künstler, Reinhard Wöllmer, wird ebenfalls von der Galerie Hrobsky Wien offeriert und beschäftigt sich mit der runden Form aus Papier. Die Objekte lassen im Inneren weitere runde Öffnungen sehen und sind teilweise mit Farbpigmenten einheitlich oder nur auf der Seite oder der Rückseite in leuchtend grellen Farben eingefärbt. Die Objekte scheinen von der Rückseite beleuchtet zu sein, sind jedoch licht- und farbgebend ohne Fremdeinwirkung irgendeiner Beleuchtungsquelle. Reinhard Wöllmer schafft sich diese Form oft mit dem Hammer. Diese Art, die Papiere aufzuweichen und mit dem Hammer zu glätten, war ebenfalls sinnvoll, als er vor Jahren im jugoslawischen Kriegsgebiet unterwegs war, nicht fotografieren durfte, und so die Zeitungstexte in Papiermasche auflöste und als Erinnerungsobjekte und Zeitdokumente mitnehmen konnte.

Großen Wert legt der Künstler auf die individuellen Segmente und die schlichte geometrische Form, die zu Licht, Raum und Farbe in Wechselbeziehung gesetzt werden.

In seinen Kreis-Formen sieht Carl Aigner die Affinität zur Welt. Die runde Form ist allumfassend, die Form ist die Welt.

Fazit: Eine bewegte und bewegende Ausstellung

Im erfolgreich revitalisierten, historischen Ambiente der Papierfabrik, die von 1868 bis 1988 Zellstoff und Papier erzeugte, ist diese Ausstellung bis 20.9.13 Di – So 10 – 16 Uhr zu sehen. 

Fotos: © Galerie Hrobsky, Anna Schreiber

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