Unterwegs: Ilse Tielsch. Rez.: E. Riebler

Eva Riebler
REISEN BILDET

 

 
UNTERWEGS
Reisenotizen und andere Aufschreibungen
Ilse Tielsch
St. Pölten: Literaturedition NÖ, 2009, 368 S.
ISBN 978-3-902717-00-9

 

Ilse Tielsch hat ein Faible für Vergangenheit. Ihre mehrfach übersetzte Roman-Trilogie „Die Ahnenpyramide“ machte sie international bekannt.

Sie wurde in Südmähren geboren und es gelang ihr 1945 mit einem der letzten Züge die Flucht nach Oberösterreich. Daher hat sie ein besonderes Gespür für Schicksale vertriebener oder Heimatloser. Ihre Reisenotizen beginnen 1985 in Posen an der Warthe, wo sie damals ihre Flucht plante, um eine neue Heimat zu finden. Die Geflüchteten blieben jedoch zwischen zwei Sesseln, es erging ihnen wie ihren Eltern zur Zeit des II. Weltkrieges. Waren sie vorher die Deutschen gewesen, sind sie nun im deutschen Reich die ungeliebten Polen. Kehrten sie zurück, wurden sie als Nazis beschimpft.

Ilse Tielsch bereichert ihre Aufzeichnungen mit historischen Details und führt ihre Lese-Reisen nach Ägypten 1987, Brasilien 1989, Amerika 1995, Bukarest, Rumänien 1996, Russland 1998 und Schottland 1980 an. Hier sieht sie aus der Ferne die Queen mit Kopftuch und vermischt ihre Impressionen mit Details aus der lieblichen, grünen Landschaft.

Sie wandelt auf den Spuren Adalberts Stifters in Oberplan, Gerhard Hauptmanns in Hiddensee oder Joseph von Eichendorffs in Grusbach/ Hrusovany. In Pschezlaf/ Lundenburg wandelt sie im Palmenhaus, das Pate für das in Schönbrunn stand. Sie lässt Einheimische und Zugsbekanntschaften zu Wort kommen und zitiert einen Herrn, der ihr auf einer Reise im Speisewagen gegenüber saß: „Reisen Sie so oft und so weit Sie nur können! Reisen bildet, es öffnet die Augen und das Herz.“ Dies könnte das Motto dieses Buches sein. Sehr persönliche Erinnerungen und Reisenotizen, die wieder aufgerollt und mit historischen Details passend erweitert werden, bilden die Grundlage. Landschaften und Orte, an denen man für Ilse Tielsch Lesungen vorbereitete und wo selbst Autoren wie Hauptmann oder Stifter Literatur schrieben, entfachen in der Autorin einfach die Lust weiterzuschreiben und Gedanken in gebundener Form dem Vergessen entreißen zu wollen. Ein äußerst interessantes Werk, spannend, abwechslungsreich und vielseitig.

 

etcetera 38, November 2009

 
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