Spiegelfeld: Christian Zillner. Rez: E. Riebler

Eva Riebler
VERSATZ UND GESCHICHTSKLITTERUNG

 
SPIEGELFELD
Band 4
Christian Zillner
Wien: Dornröschen Verlag, 2007. S. 140.
ISBN 3-9502006-3-0

 

Bereits Gottsched wurde angegriffen mit Kleister und Schere seine literarischen Versatzstücke produziert zu haben. Aber in seinen Werken stand unter dem Copyright wenigstens nicht: „ Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form ohne schriftliche Genehmigung des Verlages und des Autors reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.“ Sind doch in den Werken Christia Zillners so allgemeines Gut wie das Nibelungenlied, Lieder, vor allem Minnelieder à la Ulrich von Lichtenstein, Rudolf von Ems oder Neidhart von Reuental verarbeitet, in kleinen Häppchen – versteht sich. Der Autor will mittels Originalzitaten und Versatzstücken, die aus dem Zusammenhang gerissen und ohne Quelle, Autor oder Jahr zusammengekleistert werden, eine historische Reprise hervorbringen. Die Abstammung und Herkunft des Hauses Spiegelfeld soll über die Jahrhunderte dokumentiert werden. Im Vorwort wird Aldrian Matz als Hauptfigur bezeichnet, die sich selber „von Spiegelvelt“ nennt. An seiner Seite erzählt ein fettleibiger Franziskanermönch von der Krönung des Mongolenfürst Chingis Cham und seinen Siegen über die Naymani und ihren Verbündeten, den Karakytai. Eingeflochten werden Querverweise zwischen der Tapferkeit der Mongolen und der der Nibelungier. Ein Mischmasch von quasi Mittellatein und Mittelhochdeutsch des 13. Jahrhunderts soll die Authentizität erbringen. Wer jedoch da Ursprünge der deutschen Sprache und der deutsch-österreichischen Gebräuche oder Lebensweisen sucht, ist hier nicht gut bedient. Gibt es doch das Nibelungenlied oder andere Zeitdokumente jederzeit im Handel käuflich zu erwerben und man ist nicht der Verballhornungen von Mittelhochdeutscher Sprache ausgesetzt und kann sich normalerweise darauf verlassen Fußnoten auch irgendwo nachschlagen zu können, was hier im Spiegelfeldroman völlig fehlt.

Als Kostprobe, damit der Sprachversatz anschaulich wird, S. 19: „Porrò, hab` es gesehen; und morgens sueden sie mehl in wasser, trinken zwê becher, dann nichts mehr bis ze abend, abends ein bisschen fleisch für jeden, im sommer vergorene stutenmilc, - Si trunken milc?- Und werden rûschig, ohne diu milc waere die wüste nicht ze erliden, trunkenheit traegt dem Tartar`ehre ein.“ Weiter geht’s diesmal in hochdeutscher Anmerkung „Lachen am Tisch“ und dann folgen lateinische Zeilen des Franziskanermönches.

Dass einmal „die“ und dann „diu“ für dieselbe Wortbedeutung steht, lässt jeden Leser staunen, falls er dieses Kauderwelsch bis Seite 19 verfolgte. Da nützt die wohlgemeinte Nachhilfe in der Geschichte Österlantes über die Entstehung von der Mark zum Interregnum und zum drohenden Verlust des Landes oder die Hochzeit Luitpoldis mit der Tochter des Kaisers von Konstantinopel auch wenig. Begonnen hat der erste Band Spiegelfeld mit den Geschehnissen „neun Tage im Mai 907“, der 2. Band heißt „Neun Stunden am 24. April 1048“, der dritte verspricht Spannung mit „Neun Minuten am 12. August 1099“ und auf die angekündigte Fortsetzung bis in unser Jahrhundert ist man nun eigentlich gar nicht mehr gespannt.
(Okt. 2007)

 
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