Alles, was lange währt, ist leise: Ilse Kilic, Fritz Widhalm. Rez.: Eva Riebler

Eva Riebler
DIE 79er JAHRE IN DER RÜCKSCHAU

 

Alles, was lange währt, ist leise
Ilse Kilic, Fritz Widhalm
Des Verwicklungsromanes siebenter Teil
Wien: edition ch, 2011, 110 S.
ISBN 978-3-901015-50-2

Nach dem 6. Band der Verwicklungen „Zeilen entlang der Zeit“ 2009, in dem der 51-jährige Naz und seine geliebte, noch nicht 50 Jahre alte Jana sich ihrer Vergangenheit samt damaligem Zeitgeschehen erinnern, entstand jetzt die Fortschreibung der Geschehnisse. Der Protagonist Naz, alias Fritz, erinnerte sich mehr oder minder wehmütig an die Zeit, als ihn als frischen Jüngling noch Weiblein wie Männlein heiß begehrten und die Protagonistin Jan, alias Ilse, stand damals wie heute an seiner Seite und dachte, erinnerte und redete mit, drein und drauf los.

Beide müssen jobben, um Geld und Lebensunterhalt zu verdienen. Sie wurde kurzzeitig Taxilenkerin und Naz hatte ihr geholfen als Holzträger, als Wohnungsgestalter oder Erntearbeiter am Maisfeld oder wurde kurzzeitig Paketträger bei der Post. Es durchziehen die politischgesellschaftlichen Veränderungen der 79er-Geschehnisse das ganze Werk. Zwischen dem Damals und dem Heute wird stets hin und her geblendet und es liegen viele Freundschaften, Erfahrungen in und mit Wohngemeinschaften, und mit und nach kleineren Besäufnissen und vor allem mit Kulturevents dazwischen. Eingeflochten sind psychologische oder philosophische Erfahrungen mit dem Frau-Sein, mit der feministischen Freundinnenschaft oder dem Besuch im Stammwirtshaus, am Flohmarkt, im U4 oder einem anderen Kulturbeisl. Von Kapitel 411 aus dem sonnigen Griechenland im Jahre 1979 bis 470c, „jetzt hält der naz seinen mund“ zieht sich dieser Band, natürlich wie immer in Kleinschrift, von der Vergangenheit zur Gegenwart, mit und ohne Speed, Bier oder Geduld, und umgekehrt.

Die 79er und 80er Jahre und ihre Erkenntnisse werden ohne jegliche Besserwisserei oder pädagogischpolitisch wertvollen Einfärbungen aus der Paarbeziehung heraus, aus vier Augen sozusagen, betrachtet. Vor allem die Sprache als gesprochene und gedachte Sprache ist symptomatisch für das locker aufgebaute Werk, das mit guten Comics - natürlich viel zu wenigen! durchsetzt ist.

etcetera 44/ drüben/ Juni 2011