1. St. Pöltner Fledermausnacht. Bericht: Ingrid Reichel

Ingrid Reichel
KULTURELLE INITIATIVE ZUM ARTENSCHUTZ

 
 

1. ST. PÖLTNER FLEDERMAUSNACHT
Stadtmuseum St. Pölten, Museumshof
02.09.2011, ab 18 Uhr

Laut einer Fledermauserhebung der Forschungsgemeinschaft für regionale Faunistik und angewandten Naturschutz (LANIUS) aus dem Jahr 2010 gibt es 28 verschiedene Fledermausarten in Österreich. Davon befinden sich alleine 14-15 Arten in St. Pölten. Artenschutzprojekte sollen den Naturlebensraum der Fledermäuse sichern.

DI Ingrid Leutgeb-Born, die 2010 den Vorsitz des seit 1974 existierenden Umweltschutzkomitees in der Landeshauptstadt St. Pölten übernommen hat, initiierte die Fledermausnacht, um der Bevölkerung die kleinen Flugsäugetiere ans Herz zu legen. Ein vielseitiges Programm motivierte zahlreiche Kinder und Erwachsene zum Museumsbesuch, denn von Dachboden des Museums schwärmen ab Einbruch der Dunkelheit Weißrandfledermäuse direkt in den Museumshof.

Doch die Fledermausnacht begann noch bei Sonnenschein, kindgerecht um 18 Uhr und bereitete für die Jüngsten unter den Besuchern die letzte lange, laue Sommernacht vor dem Schulbeginn.

 
Elisabeth Gradinger, Brigitta Broeske, Maria Budweiser
Foto: Ingrid Reichel
 

Leutgeb-Born gab den Auftrag für ein Kinderbuch, welches den Artenschutz und Lebensraum der Fledermäuse zum Thema hatte. Die Frankenfelser Autorin Brigitta Broeske lieferte für dieses Konzept die Erzählung „Albinchen. Eine kleine Fledermaus geht auf Reisen“ und begeistere das junge und jung gebliebene Publikum beim Vorlesen der Abenteuer der kleinen Fledermaus Albinchen, die sich aus Neugierde aus der heimatlichen Nixhöhle weg von ihren Eltern in ein entferntes Privatquartier verirrte. Illustriert wurde das Buch von der St. Pöltner Künstlerin Maria Budweiser. Nach der Lesung flatterten die ersten Fledermäuse wie auf Kommando in den Hof. Ein weiteres Highlight des Rahmenprogramms lieferten die Keramiken der St. Pöltnerin Elisabeth Gradinger. Neben ihren bemerkenswert ansprechenden Raku-Objekten kreierte sie speziell für die Fledermausnacht Fledermäuse für den Garten oder den Blumenstock.

 

Weiters sorgte eine Kinderbastelstube für die Betreuung der Kinder.

Letzter Programmpunkt war ein Vortrag des Leiters der NÖ Koordinationsstelle für Fledermausschutz und –forschung in Österreich (KFFÖ), Ulrich Hüttmeir. Er arbeitet und beobachtet seit 15 Jahren die fliegenden Nachtsäugetiere. In Österreich leben keine Blutsauger und obwohl diese harmlosen Vampire bekannt als Tollwutüberträger sind, ist bis jetzt kein einziger Fall in Österreich aufgetaucht. Dennoch sei Vorsicht geboten, mahnt Hüttmeir, Panik sei jedoch nicht angebracht. Mit einem Arbeitshandschuh bestückt kann man risikolos in Häuser verirrte Fledermäuse retten.

Hüttmeir erläuterte eloquent die drei Hauptmethoden zum Fledermausfang zur Artenfeststellung: Batcorder, Netzfang und Überwachung der Fledermausquartiere, die sich in St. Pölten ua. in der Bundes-Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik in der Theodor-Körner Straße, an einer Eisenbahnunterführung und im Hammerpark befinden. Die gefangenen Tiere werden über ihre Zahnmerkmale bestimmt, vermessen und schließlich wieder freigelassen. In Niederösterreich gebe es noch viel zu tun, denn das größte Bundesland Österreichs sei bezüglich der Fledermausarten noch nicht gut erforscht.

Weitere Infos unter:
www.fledermausschutz.at
www.lanius.at

 

 
 

Fledermäuse und Keramiken erhältlich im Museumsshop: Stadtmuseum St. Pölten, Prandtauerstr. 2, 3100 St. Pölten
oder bei Elisabeth Gradinger: Tel. 0699 114 222 31

 

 

 

 

ALBINCHEN. Eine kleine Fledermaus geht auf Reisen
Brigitta Broeske

Illustrationen: Maria Budweiser
Hrsg. Ingrid Leutgeb-Born - Umweltamt St. Pölten

 

 

 

 

LitGes, September 2011