Vernichtung: Valerie Springer. Rez.: Ingrid Reichel

Ingrid Reichel
AUFKLÄRUNG GEGEN DEN WELTHUNGER

 

VERNICHTUNG
Valerie Springer

Roman
Horn/ Wien: Berger Verlag, 2011. 216 S.
ISBN 978-3-85028-482-0

Nach ihrem letzten Roman Auflösung, der sich um das Heydrich Attentat drehte, führt uns die in Niederösterreich lebende Autorin Valerie Springer mit ihrem neuesten Werk Vernichtung in höchst brisante Gegenwartspolitik.

Großkonzerne wie Monsanto, die mit ihren genmanipulierten Hybridpflanzen zur Welternährung beitragen, spalten die Geister wegen der Patentrechte. Da man wegen der welternährungstechnisch notwendigen Genmanipulation, die Folgen einer eventuellen Vermischung der Pflanzenarten nicht ausmachen kann, haben solche Konzerne aus Sicherheitsgründen die Hybridpflanze eingeführt. Dies jedoch hat verheerende wirtschaftspolitische Konsequenzen für alle Bauern dieser Welt: Da sie alljährlich ihr Saatgut kaufen müssen, haben sie sich in Abhängigkeit dieser Großkonzerne gebracht.

Der karrierebewusste Investmentagent Cornelius Meyer ist ein Yuppie wie aus dem Bilderbuch. Geld, Frauen und Drogen bestimmen sein Leben, bis er der natürlichen Elina begegnet, die ihm die Augen öffnet. Nach ihrem Verschwinden beginnt Meyer die Zusammenhänge seiner Investmentfirma erst zu begreifen und beginnt einen individuellen Kampf im Stil eines Lone Rangers gegen den Globalisierungsimperialismus und den Maximierungsprofit.

Springer beschreibt in diesem Roman einen wenig glaubwürdigen Protagonisten, da sich Naivität, Skrupellosigkeit und Heldentum in einer Person kaum vereinbaren lassen. Auch bleibt der Wunsch zur Weltrettung eine rein oberflächliche Haltung.

Springer widmete ihr Buch der Alternativ-Nobelpreisträgerin Vandana Shiva, die mit biologischer Agrarkultur gegen die Hungersnot in Indien ankämpfen will. Dennoch bekommt der Roman ab der Hälfte eine unerwartete Wendung voller Action, die einem das Buch nicht mehr aus der Hand nehmen lässt.

etcetera 45/ Oktober 2011/ LitArena 5