Wieso der Mückenschwarm dein Augenlicht umtanzt: Klaus Ebner. Rez.: Ingrid Reichel

Ingrid Reichel
KEIN ZÖGERN, NUR KNÖCHELTIEFES STAUNEN

 

WIESO DER MÜCKENSCHWARM DEIN AUGENLICHT UMTANZT
Klaus Ebner

St. Wolfgang: Edition Art Science, 2011. 114 S.
Lyrik der Gegenwart, Bd. 11
ISBN 978-3-902157-88-1

Der 1964 geborene Wiener Klaus Ebner nennt sich bescheiden Autor und Übersetzer. Ebner schreibt Prosa, Essays und Lyrik. Dabei ist er ein Sprachliebhaber im wahrsten Sinne des Wortes. Mit besonderer Hingabe widmet er sich der katalanischen Sprache, die er auch lyrisch umsetzt.

Ebner beschäftigt sich ebenfalls mit der Geschichte und dem Lebensstil Andorras, wo Katalanisch Amtssprache ist. Dies macht Ebner zu einem Experten romanischer und deutscher Philologie. In diesem zierlichen Büchlein verwebt er in deutscher Sprache mitunter die Liebe zum Katalanischen.

Keine dieser hier gedruckten Lyriken hat einen Titel. Vielmehr unterteilt er sie in sechs Kapitel: Zungengroß, Pupillenschwarz, Moosverwachsen, Atemgleich, Verkäfert und Wimpernbehangen.

Die Titel alleine zeigen Ebners poetische Kreativität, seine Lyrik die Tiefe seiner Gedanken. Zugegeben, es sind keine ‚Gedichterl’, die man schnell auswendig lernen kann, um damit Dulcineas Herz ungestüm zu erobern. Vielmehr handelt es sich hier um abendfüllende Poesie zum gegenseitigen Rezitieren oder für sich zum Lesen, ohne sich je einsam zu fühlen. Gefühle ohne jeglichen Kitsch, ja die gibt es, und sie gehen einem so nahe, dass sogar jemand unpoetischen wie mich die Liebe zur Dichtkunst glatt erfasst.

Nur ein gekürztes Beispiel […] wenn ich dann/ verschwiegen meinen Kuss dir gab/ verlief ein Leuchten über dein Gesicht/ so flüchtig/ dass die Scham mein Antlitz/ färbte (aus Pupillenschwaz: S. 25). Dieses schmucke Lyrikbändchen, welches ohne jeglichen Schnickschnack auskommt, sammelt Ebners zarteste Lyrik. Doch es

geht nicht nur um Gefühle der Liebe, viele beinhalten auch einen feinen (Eigen-)Humor: im Land der Tänzer/ sind die Worte bloß konträr/ auf meiner Zunge liegen Kröten/ die/ verschluckt/ nach Atem ringen (aus Atemgleich: S. 79).

etcetera 45/ Oktober 2011/ LitArena 5