Losgesagt: Dagmar Fischer. Rez.: Klaus Ebner

Klaus Ebner
Abschied poetisch

 

Losgesagt
Dagmar Fischer

Lyrik
Wien-St. Wolfgang: Edition Art Science, 2012. 170 S.
ISBN 978-3-902864-01-7

In ihrem neuen Lyrikband Losgesagt sammelt die Wiener Autorin Dagmar Fischer Gedichte, die während der vergangenen vier Jahre erschienen sind, aber auch eine Auswahl aus den ersten drei Büchern. Manche der Texte sind experimentell und zeigen dabei viel Wortwitz. So etwa in Reality Show, wo es heißt: »die Welt geht unter/wir schauen/und schauen/und schauen/(...)/und schauen/weg«. Andere greifen auf unterschiedliche Lebenserfahrungen zurück, die mal kritisch, mal etwas nostalgisch, mal sarkastisch sind, in jedem Fall aber emotional aufgeladen.

Ein sehr lyrisches und zugleich nachdenklich stimmendes Gedicht findet sich unter dem Titel Sie: »sie knöpfte/die Erde zu/nagelte/den Schnee an die Wand/rahmte/die Meere ein/kämmte/die Wüste glatt//und wunderte sich/dass sie keine Luft bekam«. Häufiger sind jedoch die realistischen Texte, die meistens einen sehr ernsten Hintergrund haben. Dabei geht es auch um zwischenmenschliche Beziehungen, die eher nüchtern abgehandelt werden. Vereinzelt wird die dazu verwendete Sprache sogar derb: »durch den Schwanz/eines fremden Mannes/deinen Schwanz/endlich vergessen«. Diese letzte Strophe des Gedichtes Schritt für Schritt handelt zwar von einer langwierigen inneren Loslösung, doch sie wirkt auch abstoßend, vielleicht, weil die Person, die hier spricht, eine vergangene Beziehung endlich abstoßen möchte und sich daran stößt, dass dieser Prozess so lange dauert. Auf die Spitze getrieben wird diese Thematik in Das Experiment, wo es etwa »wieder ex/lauter ex/nur noch Exen« heißt und die Autorin das Wortspiel bis zum abschließenden »aus und vorbei/prost! ex« treibt.

Dagmar Fischer bei einer Lesung zu hören, ist ein absolut empfehlenswertes Erlebnis. Es ist keineswegs so, dass sie ihre Texte bloß liest, nein, das Publikum kommt in den Genuss einer regelrechten Performance. Denn Performance und Lyrik gehören für die Autorin zusammen, und durch ihren Vortrag erhalten die Gedichte eine weitere, wichtige Dimension.

LitGes, Mai 2012