Mitten am Rand: Friedrich Hahn. Rez.: Eva Riebler

Eva Riebler
Zwischen dem Zwischen und Zwischen

 

Mitten am Rand
Friedrich Hahn

Roman
Innsbruck: Edition Laurin, 2011. 170 S.
ISBN 978-3-902811-18-9

Jetzt weiß ich es genau: Der Mann, vor allem wenn Künstler, wird von der Frau gemacht!

Aber zurück zum Inhalt des Romans: Ein Maler, Mit-Dreißiger, wird nicht nur von seiner langjährigen Lebensgefährtin verlassen, sondern auch der Steuerhinterziehung beim Verkauf seiner Bilder bezichtigt. Er verliert seine Wohnstätte, da diese versteigert werden muss. Alles was ihm bleibt, ist sein Wohnmobil, mit dem er von Frau zu Frau tingelt, um es und sich irgendwo unterzustellen.

Da er scheinbar attraktiv und sexuell aktiv ist, kann er bei der holden Weiblichkeit punkten und eine Dame der Presse und Hamburger Kunstszene adoptiert ihn kurzerhand und spielt Glücksengerl. Sie bereitet ihm mit Akribie und viel Pressearbeit Publicity und ein großes Coming out und als Dank besinnt er sich auf sein kleines Rust am Neusiedlersee und die große weite Welt wird wieder kleiner. Man/n wird wohl noch in Ruhe scheitern dürfen! Den Traum von der weiten Welt hat der Protagonist Gregor gar nie geträumt. Nie wollte er seine Seele den Seitenblicke-Leuten verkaufen! Die Schau- und Schaufenster-Malerei bedingt zu sehr ein Hoppeln nah und nach dem Mainstream, auch wenn es augenscheinlich gegen diesen angelegt ist.

Soll der Name Gregor an Gregor Samsa aus der Verwandlung Franz Kafkas erinnern? Jedenfalls hätte Kafka die Hauptfigur nicht besser zwischen Traum und Wirklichkeit ansiedeln können. Aber wir wären bei Kafka als Autor auf viel weniger Humor mit Herz und latente Gedankengänge gestoßen, hätten uns nicht so amüsieren können. Friedrich Hahn spiegelt uns die Person Gregors in seiner Umorientierungsphase und lässt statt unauskömmlicher Bedingtheit, Traurigkeit oder Fadesse Ironie aufkommen. Wer nur zurück blickt, ist selber Schuld. Das Leben ist kein harter Knochen, bei Hahn auch sprachlich nicht. Fazit: nach seinem Roman „Von allen Enden an“ ein weiteres gelungenes, skurril- feinsinniges Werk!

Gratulation.

LitGes, etcetera Nr. 48/ Mai 2012/ Traum