Dort und anderswo: Klaus Ebner. Rez.: Ingrid Reichel

Ingrid Reichel
Reiseliteratur wozu?

 

Dort und anderswo
Klaus Ebner

Essays
Wels: Mitter Verlag, 2011. 188 S.
ISBN 978-3-9502828-9-4

Belesen und eloquent erzählt der 1964 in Wien geborenen Autor und Übersetzer Klaus Ebner von seinen Reisen nach Tschechien, Amerika, Italien … Ebner ist durch sein Studium der deutschen und romanischen Philologie ein bewandter Sprachkenner und seine Leidenschaft gilt dem Katalanischen, eine Sprachminderheit, die man noch im französischen und spanischen Raum vorfindet. Ebner verweist besonders auf jene Literaten, die durch ihre Werke und Wirken das Vergessen dieser Kultur verhindern und erzählt von ihren Schwierigkeiten, sei es im Verlagswesen und Buchmarkt Fuß zu fassen oder Förderungen zu erhalten.

Auch Besonderheiten wie den Goig und seine heutige Verwendung fehlen nicht (S. 109). Ebner schildert auch Alltagssituationen, zieht Sprachvergleiche und analysiert Stellenwerte. So rehabilitiert er z.B. den als Tourismusfalle verschrieenen Badeort Caorle, der im Vergleich zu Venedig die ältere Lagunenstadt ist (S. 99). Mit der Geschichte des weißen Ritters (Tirant lo Blanch) aus dem 15. Jhdrt. lässt er die Wunschtraumwelt um das verlorene Byzanz und den offenen Konflikt zwischen Christentum und Islam aufflackern. Ein Ort, der nirgendwo ist, alleine im virtuellen Raum existiert, ist das Internet. Hier hebt Ebner das grenzüberschreitende Wikipedia-Enzyklopädie-Projekt hervor, welches es geschafft hat, Menschen verschiedener Kulturen für ein gemeinsames Vorhaben zu begeistern.
Mittlerweile gibt es Wikipedia in über 270 Sprachen (S. 10). Dagegen sieht man das Problem der Ortstafelstreits in Kärnten (S. 80) in seiner wahren Lächerlichkeit erstrahlen.
Ebner verweist auf die Durchsetzungspflicht des Artikel 7 unserer Verfassung (S. 83), der den Autor alleine durch seine Notwendigkeit zum Kopfschütteln bringt.

Der Leser ist also mit einem intelligenten Reiseführer ausgestattet und hat nun den dringenden Wunsch, dem Autor dort und anderswo nachzureisen. Bei Ebners Reiseliteratur wird eine Redewendung zur Gewissheit: Ebner ist ein wandelndes Buch!

LitGes, etcetera 50/ Wozu Literatur?/November 2012.