Maria Seisenbacher: Ruhig sitzen mit festen Schuhen. Rez.: Cornelia Stahl

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Cornelia Stahl
Für Fremdheit Worte finden.

Maria Seisenbacher:
Ruhig sitzen mit festen Schuhen
Wien: Edition Atelier. 2015.
80 Seiten.
ISBN: 978-3-903005-09-9

Für Fremdheit Worte finden, so definierte Maria Seisenbacher in einem Interview die Auseinandersetzung mit der Krankheit Alzheimer, die im Fokus ihres neuen Gedichtbandes steht. Ein Befremden und Angst kann diese Krankheit bei Angehörigen auslösen, sagt Seisenbacher, die mit ihr im engen Familienkreis in Berührung kommt. Literarisch verarbeitete sie die Begegnung und Auseinandersetzung mit Alzheimer in der ihr vertrauten Lyrik. Vier Jahre hat sie an diesem Gedichtband gearbeitet, sich mit Buddhismus und japanischen Traditionen auseinandergesetzt. Nicht von ungefähr erinnern manche Gedichte an Haikus. Worte finden für leere Räume, so beschrieb sie die Arbeit an diesem Lyrikband. Auch wenn sich Alzheimer jeglicher Ordnung entzieht, Wörter und Begriffe neu kombiniert, hat Maria Seisenbacher eigene Zuordnung vorgenommen. In drei Kapitel unterteilt sie ihr Buch. Sich einlassen auf die Veränderungen, die die Krankheit Alzheimer mit sich bringt, war die Voraussetzung für das Entstehen des Gedichtbandes, resümierte Seisenbacher rückblickend. Berührende Gedichte sind entstanden, die nicht leicht konsumierbar sind und sich eventuell erst beim zweiten Mal Lesen erschließen. Auch hier gilt für den Leser: sich Zeit nehmen und einlassen, auf jede geschriebene Zeile, oder sich von jemandem vorlesen lassen. In den meditativ anmutenden Verszeilen schwingen Weisheit und Mystik Japans mit, die durchaus mit dem auf dem Cover abgebildeten Ginkoblatt korrespondieren und eine Einheit bilden. Die Wiener Autorin Maria Seisenbacher erhielt zahlreiche Preise und Stipendien, 2014 das Wartholz- Literaturstipendium des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur. Für Ihren aktuellen Gedichtband erhielt sie 2015 eine Buchprämie vom Bundeskanzleramt Österreich.