Marco Kerler: Schreibgekritzel. Rez.: Cornelia Stahl

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Cornelia Stahl
Von Wahrnehmungsstörungen und Nachtschwärmereskapaden

Marco Kerler:
Schreibgekritzel
Göppingen: Manuela Kinzel
Verlag. 2015.
78 Seiten.
ISBN: 978-3-95544-033-6

Schon 2007 machte Marco Kerler mit seinem Lyrikband „Damn Poetry“ auf seine Dichtkunst aufmerksam. Es folgten „Chapbook“ 2010 und „Schreibgekritzel“ 2015. In seiner derben, nicht immer blumigen Sprache bringt Kerler Sozial- und Gesellschaftskritik zum Ausdruck, die nach Veränderung schreit. Dabei legt er den Finger nicht direkt in die Wunden, sondern verwendet subtilen schwarzen Humor. Die Karikierung des modernen Menschen im digitalen Zeitalter, der scheinbar ausgeliefert googelnd durch die Welt surft, dabei eigene und fremde Gedanken, von Werbeblöcken überflutet, nicht mehr zu unterscheiden vermag, steht im Fokus des aktuellen Lyrikbandes Schreibgekritzel. Teilweise lesen sich die Gedichte als Fortführung seines Debüts „Damn Poetry”, doch viel prägnanter und ausgereifter. Die Kunst der Reduktion beherrscht Kerler wie kaum ein anderer der Literaturszene. Subversiv und humorvoll kommen die Verse daher, spiegeln unverkennbar Zeitgeist und Popkultur wieder: „Wir stricken/immer die gleichen Muster/ Maschen/ lass ich gern fallen”. Die Inspiration schöpft der aus Ulm stammende Autor aus dem Alltag, bedient sich teilweise realer und zeitweise auch fiktiver Figuren, strickt draus mit neuen Maschen Textkompositionen, die keinem Rahmen entsprechen und die nicht nur bei jungen Menschen Gehör finden. Mit seiner Rockband „MarcoBeatZ“ vertont Marco Kerler eigene Texte, schreibt fürs Theater und Hörspiele. 2011 erhielt er beim Förderpreis für junge Ulmer Künstlerinnen in der Sparte Literatur die Anerkennung der Stadt Ulm. 2015 wurde sein Hörspiel „Goldhähnchen” für den 6. Jenaer Hörspielwettbewerb nominiert. Im Oktober 2015 las der Autor auf der Buchmesse MQ im Museumsquartier Wien aus seinem aktuellen Gedichtband.