Ortsfestes Hoch - Tief: Alfred Warnes. Rez.: E. Riebler

Eva Riebler
VON INNEN HERAUS

ORTSFESTES HOCH - TIEF
Alfred Warnes
Offsetlithographien: Martin Anibas
Horn: Edition Thurnhof,  2007, 40 S.
ISBN 3-900-678-86-3

 

Alfred Warnes lässt sich als Präsident des ÖSV, des Österr. Schriftstellerverbandes, weder von der Organisation von bis zu 12 Leseveranstaltungen pro Jahr im Literaturhaus Wien, der zweimaligen Herausgabe eines umfassenden literarischen Organs des ÖSV noch der Flut an Literatur, die er zu bewältigen hat, als Literat zudecken. Ihm ist nun das PODIUM-Autorenportrait Nr. 26 gewidmet und gleichzeitig erscheint ein kostbarer Lyrikband, ausgestattet mit schnellen Ton in Ton Skizzen. Martin Anibas zeigt, dass starker Ausdruck durch kräftige Strichführung und lockere Handhabung des Kohle- oder Bleistiftes entsteht. Die Impulsität der Offsetlithos wird durch das Angeschnittensein der Darstellungen gesteigert und springt in die Lyrik hinein.

Die Gedichte von Alfred Warnes bedürfen zwar keiner Gefühls- oder Ausdruckssteigerung durch Bebilderung, jedoch einer Gedankenpause zwischen einem und dem nächsten, denn sie sind gehaltvoll. Existentielles wie Alltägliches wird angesprochen, Begebenheiten aus der Bibel, die Befindlichkeit des dichtenden Ichs, die Hochs und die Tiefs im Leben werden meist launig thematisiert und wie er selber sagt, findet man das „Glücksgefühl beim Erfassen des Wesens der Nachhaltigkeit und dessen, was auf den Punkt gebracht wird , sowie dessen, was unter dem Strich herauskommt, bisweilen jäh unterbrochen von hasserfüllten Flüchen und den Obsessions-Gedanken an durchhustete Nächte.“ S. 12. Kein schmachtendes, sentimentales Eingelulltsein ist das Ziel seiner Lyrik, sondern das Nebeneinander und Aufeinanderprallen von Wunschvorstellung und Realität. Prallgefüllt sind die Zeilen, S. 34: “Die den Blick in die Werkstätte freigeben auf Unordnung und Verbot. Die Dichter, die Oberferkel, die Geisterfahrer wider die Natur, zwischen warmer Seele und heiliger Krankheit treiben sie ihr Handwerk von Scheitern und Leid. Es wird alles gut. Nichts wird gut. In den schönen Wortfolgen gibt es keinen Schutz gegen die Verzweiflung von innen heraus.“

Fazit: Wir wünschen uns noch mehr solche „Verzweiflungstaten“ und vielleicht eine kleine Minibiographie beider Künstler im Anhang.