Festspielhaus St. Pölten: Neujahrtskonzert, 01.01.2018. Rez.: Eva Riebler-Übleis

Eva Riebler

Festspielhaus St. Pölten
Neujahrskonzert 1.1.2018

Mit dem Tonkünstler-Orchester NÖ
Dirigent: Alfred Eschwé
Sopran: Caroline Melzer

Alfred Eschwé liebt die Österreichische Musik von Strauß (zahlreiche CD-Aufnahmen) bis Mozart 2009 Tokio, Zauberflöte), und dirigierte von Turin, Catania, Triest, Neapel bis Hamburg, Berlin … und bereits 1998 das Silvesterkonzert mit den Tonkünstlern.

Beliebt ist er mit seinen launigen Entrees zu den Stücken, was zum Neujahrskonzert besonders passt!

Er hat wie stets die Programmabfolge selbst gewählt und auch mal selbst, wie bei „der Schwan“ aus „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saens, die Orchesterfassung geschrieben.

Mit Walzerklängen, Galoppritten und Liedern aus Operetten und Opern („Freischütz“) vertreibt er bis zu der Schnellpolka „Ohne Sorgen“ und der zweiten traditionellen Zugabe des Radetzky-Marsches die Sorgen und lässt Hochstimmung aufkommen.

Opulent, stimmungsvoll und großartig!

 
Landestheater NÖ: Uraufführung, Nov. 2017: „Times are changing“ Von Holle Münster (Prinzip Gonzo). Rez.: Johannes Schmid

Johannes Schmid

Uraufführung:Landestheater Niederösterreich, Theaterwerkstatt, Nov. 2017
„Times are changing“ von Holle Münster (Prinzip Gonzo)
Ein Klassenzimmerstück über das Leben und die Musik von Bob Dylan
Mit Tobias Artner
Inszenierung: Holle Münster (Prinzip Gonzo)
Dramaturgie: Julia Engelmayer
Regieassistenz: Annina Weiss
Dauer: 50 Minuten

„Times are changing“ ist eine knappe, aber äußerst pointierte und zugleich liebevolle Hommage an den Dichter und Musiker Bob Dylan, der für sein Werk vergangenes Jahr mit dem Literaturnobelpreis geehrte wurde. In chronologischer Abfolge werden von verschiedenen Perspektiven aus bedeutende Lebensstationen der Popikone ins Licht gerückt und große Songs zum Besten gegeben. Der Zuseher wird gleich von Anfang an in den Bann dieser Darstellung gezogen. Denn Tobias Artner versteht es durch sein temperamentvolles Spiel vorzüglich, die biografischen Ausführungen zu einer eindringlichen Botschaft für den Theaterbesucher zu machen, der von Anfang an den Eindruck erhält, einem großen Kulturphänomen näher gekommen zu sein und von diesem mehr begriffen zu haben. Artner ist überdies selbst ein ausgezeichneter Musiker, der einige der bekanntesten Songs so eindringlich anstimmt, dass das vor allem jugendliche Publikum sich zu Beifallstürmen hinreißen ließ. Eine perfekte Aufführung und ein perfektes Stück für das Klassenzimmertheater.

 
Landestheater NÖ: Uraufführung, 24.11.2017: Die Marquise von O. Auf der Suche nach dem 2Ach. Rez.: Eva Riebler-Übleis

Eva Riebler
Kleist hätte sich nicht töten müssen …

Die Marquise von O.

Auf der Suche nach dem 2Ach“
Mit Texten von Heinrich Kleist und Katharina Knap
Uraufführung, Landestheater NÖ 24.11.2017

Eine dickköpfige junge Frau spielt eine dickköpfige junge Frau – oder – Kleist hätte sich nicht, noch keine 35 Jahr alt, umbringen müssen, hätte er Katharina Knap gekannt!

Er war fünf Jahre im Potsdamer Garderegiment und nach der Teilnahme am Rheinfeldzug 1797 bereits Leutnant geworden, studierte Philosophie, Physik, Mathematik und Staatswissenschaft in Frankfurt, lebte bei Wieland und kannte Goethe, Schiller und Tieck und war trotz seines reichen Lebens unaussprechlich traurig über die Beziehungen der Menschen untereinander. Vor allem seine Frauenbeziehungen erfüllten ihn mit Ungenügsamkeit und Leid.

Hatte es damals bereits Katharina Knap gegeben, hätte er sich wohl verstanden gefühlt und die Intensität der Beschäftigung mit seiner Person und seinen Gedanken, wären Linderung und Freude für seine wunde Seele gewesen.

Katharina Knapp, geb. 1982 in Wien (beste Nachwuchsschauspielerin 2014 der Zeitschrift „Theater heute“) stürzte sich in das Unterfangen „Wie gestalte ich alleine einen Theaterabend mit Kleist“. Männliche Regisseure (Olivér Illés) konnte sie da nicht brauchen, denn sie dachte und handelte von Anfang an emanzipiert und ungewöhnlich wie die Marquise von O.

Alleine wollte sie gestalten und das tat sie auch. Sie erfand ihre Melodien und Texte auf der Gitarre und suchte sich Aussagen Kleists aus dem reichen Fundus zusammen.

So wurde aus einer kurzen Novelle ein gestaltungsreiches Kennenlernen von Stück und Autor!

Sie bot maximalen Einsatz und maximale Offenheit! Das Fenster in ihr Gefühlsleben, zu ihren Zweifeln, Bedenken und Regungen stand völlig offen.

Der Einsatz hat sich gelohnt – Sie selbst war die dramaturgische Leistung!

Für die Umsetzung dieses Werkes gebührt ihr wirklich echtes – nicht theatralisches – Lob!!

 
Großer Schwurgerichtssaal des Landesgerichts St. Pölten: „Name: Sophie Scholl“ von Rike Reiniger. Rez.: Annemarie Wundsam-Nixdorf

Annemarie Wundsam-Nixdorf

Großer Schwurgerichtssaal des Landesgerichts St. Pölten
18. Oktober 2017 (zu sehen bis 20.9)
„Name: Sophie Scholl“ von Rike Reiniger (im Auftrag von werk89)

Eine werk89 Produktion mit dem Landesgericht St. Pölten in Kooperation mit dem Festspielhaus St. Pölten

Regie: Melika Ramic, Darstellerin: Suse Lichtenberger, Dramaturgie: Theresa Unger, Komposition, Musik: Imre Lichtenberger Bozoki, Ausstattung: Agnes Burghardt, Sounddesign, musikalische Betreuung: Daniel Kern,  Produktionsleitung, Kommunikation: Simon Hajos, Idee, Konzept: Anna Müller-Funk, Agnes Burghardt

Ein Theaterstück über Zivilcourage. Eine Geschichte wird in die Gegenwart geholt.

Wir Zuseher kommen durch die Personenkontrolle ins Gerichtsgebäude und gehen zu einem Prozess im Schwurgerichtssaal. Im Vorraum warten wir auf die Verhandlung. Die Stimmung schwankt von heiter bis betrübt. Plötzlich der Aufruf der Zeugin Sophie Scholl. Wir begleiten sie in den Gerichtssaal. Von der Schauspielerin Suse Lichtenberger wird uns das Leben der Widerstandskämpferin der „Weißen Rose“ Sophie Scholl ins Gedächtnis gerufen. In der Doppelrolle ist heute die geladene Zeugin eine Namensvetterin und Jusstudentin kurz vor dem Abschluss und soll ihre Aussage tätigen. Sie kann Schweigen und eine Sekretärin und Mutter wird verurteilt werden; sie kann sagen, was sie weiß, und ihre Karriere könnte Schaden nehmen.

Die beiden verschiedenen Welten werden gekonnt durch Orts- und Lichtwechsel sowie Hintergrundstimmen in Szene gesetzt. Sie erinnert sich an die Widerstandskämpferin, die als Mitglied beim „Bund Deutscher Mädchen (BDM)“ engagiert und begeistert war, aber nach der Frage, warum manche FreundInnen nicht mehr da sind, entscheidet sie sich für den Widerstand. Auf der Universität in München werden sie und ihre Mitstreiter verraten und zum Tode verurteilt.

Unsere Jusstudentin Sophie Scholl fragt sich, ob sie aussagen soll – einen aufrechten Gang möchte sie sich bewahren und den Frieden mit sich selbst.

Auch heute könnte von uns eine Aussage notwendig sein, die uns zwar nicht das Leben kostet, aber wichtig für das Leben anderer sein könnte. Das Stück „Name: Sophie Scholl“ gibt eine Richtung vor: Ein Aufrechter Mensch zu sein, der sich selbst in den Spiegel sehen kann und Zivilcourage zeigt, um mit sich selbst und anderen in Frieden leben zu können.

 

 
Landestheater NÖ, Premiere 30.9.2017: "Romeo und Julia" von William Shakespeare. Rez.: Eva Riebler-Übleis

Eva Riebler-Übleis
Kein Augenfutter!

Landestheater  NÖ, Premiere 30.9.2017

"Romeo und Julia" von William Shakespeare
Inszenierung von Sebastian Schug
Bühne: Christian Kiel, Kostüme: Nicole Zielke, Musik: Johannes Winde, Licht: Günter Zaworka, Dramaturgie: Kai Krösche.

Mit Tim Breyvogel - Romeo, Seyneb Saleh - Julia, Thomas Bammer - Bruder Lorenzo / Capulet, Elzemarieke de Vos - Mercutio, Stanislaus Dick - Benvolio, Emanuel Fellmer - Tybalt, Martina Spitzer - Lady Capulet / Bruder John, Josephine Bloeb - Graf Paris, Johanna Tomek - Amme / Apotheker, Helmut Wiesinger - Peter / Prinz.

Wer oder was blickt einem da an? Nicht der Shakespeare als Kostümschinken, sondern seine Zeilen verwebt mit neuem Sprachgestus und rasantem Treiben. Statt männlich chauvinistischem Ehrencodex nun tatkräftige Frauen, eine (Elzemarieke de Vos) als Kompagnon Romeo, als Mercutio, in Hosenrollen kotzend, spukend und machomäßig/unanständig agierend. Die andere (Josephine Bloéb) als heiratswütiger Graf Paris mit bleichem Gesicht und nichtssagendem Ausdruck – als schwaches Pendant zu Mercutio. Auch die hervorragend gespielte Amme (Johanna Tomek) nimmt eine Hosenrolle, die des Apothekers und sogar Lady Capulet, die sich ihrem Ehegatten in allem unterwirft, bekommt als zweite Rolle eine männliche, die des Bruder John.

D.h. viele starke F rauen blicken einem an, nicht zuletzt die Hauptfigur Julia selber, die nach anfänglichem sinnes- und Liebesrausch ganz schnell ihre mädchenhafte Geziertheit und Unsicherheit verliert und schnurstraks den tätigen Teil der Ehewilligen übernimmt und soviel Engagement zeigt, dass es ja tödlich enden muss.

Romeo wird ja hier gezeigt als dümmlicher Verliebter, zuerst in Liebe zu Rosalind entbrennend und dann der schöneren Julia zugeneigt. Was heißt geneigt – mit Flügel und Krallen in Besitz nehmend – nicht seiner Verpflichtung und Ehre der Geburt als Capulet eingedenk! Tim Breyvogel als Romeo bringt wunderbar diesen schwärmerisch, verliebten Typus, der dann im Liebesrausch seine kriegerische Ertüchtigung und Pflicht zur Kampfbereitschaft vergisst. (Leider vergisst er auch oft die Endsilben laut und deutlich genug zu artikulieren). Somit bringt er seinem Freund Mercutio indirekt den Tod. Ist er es doch, der ihn vor dem angreifenden Feind, vor Tybalt (Emanuel Fellmer), wegzieht, statt diesen sogleich, und nicht erst nach dem Mord an Mercutio rächend zu bekämpfen. Da sieht man wieder den Geist des historischen Stückes: Die Verbundenheit zum Freund ist dann doch stärker als die zur Braut! Hier stellt er endlich seinen Mann und tötet den Widersacher Tybalt, den Cousin seiner geliebten Julia.

Warum in der Inszenierung von Sebastian Schug, (der auch in der Saison 2015/16 den Sommernachtstraum sehr traschig inszenierte), Romeo so ein Schwächling und betonter Schwärmer sein muss, erschließt sich vielleicht aus dem Aufbau in Kontrasten und Gegensatzpaaren.

Das kämpferische Mittelalter findet nicht nur statt, es ist lautstark, brutal und mit einer grauslichen Unmenge an Blut (spritzend bis in die erste Zuschauerreihe) verbunden! So ausdrucksstark endet der erste Teil, dass der Zuschauer ermattet auch einen blutigen Kuss der zwei Erstochenen in Kauf nimmt, um endlich in die Pause gehen zu können.

Die Liebe als Versöhnung zwischen den beiden Parteien/Geschlechtern Veronas findet nicht statt und trotz der gutgemeinten Vermittlerrolle des Franziskaners Lorenzo/Thomas Bammer (hervorragend!) und der Amme/Johanna Tomek (einzigartig!) besiegelt der Tod die Liebe zwischen zwei streitenden Parteien.

Die Liebe kann nichts kitten, so sehr sie auch flackert und flirrt.

Die gepriesene Schönheit Julias spielt als Augenfutter keine Rolle, außer der zum Verderben!

Die Gruft ist der Endpunkt von Handlung und Schauplatz.

Chritian Kiehl gestaltete eine modern durchwirkte Bühne. Das Himmelbett der Liebe machte er zum Totenbett beider Liebenden. Günter Zaworka als Lichtregisseur tauchte alles ins passende, weiche Licht des finsteren Mittelalters.

Wer will nach soviel martialischem Geheul und Blut schon ein Happy-End? Die erstklassige, einmal jazzige und dann milde, stimmungsmachende Musik von Johannes Wind bleibt als das Positive im Raum. Zwischen Leonhard Cohen und Pop, hervorragend unterstützt vor allem von den Schauspielerinnen in Hosenrollen, bleibt das gesamte Stück angenehm im Gehör! Mag auch der Tod des Liebepaares so tragisch sein, viel wohlfühlender als nach dem ersten Teil kann das Publikum die Stätte nach fast drei Stunden laut klatschend verlassen!

Weitere Aufführungen am 7. und 14. Oktober, 2. und 17. November, 31. Dezember, 10. und 31. Jänner; Gastspiel an der Bühne Baden am 19. und 20. Dezember. Dauer: 2 Stunden 50 Minuten, eine Pause. Karten: 02742/908080600, http://www.landestheater.net

 
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