Jazz unter Dach und Fach; Rez.: Eva Riebler

Von 21. bis 23. August ging statt im Barock-Hof des Stadtmuseums im neuen St. Pöltener Frei.raum, Herzogenburgerstr. 12, das Festival "Jazz im Hof" regen- und kältesicher über die Bühne. Die gute Auswahl und die Organisation hatte wie seit Anbeginn Caroline Berchateau.

21. August, 19.30 Uhr
Where sparks start to fly
Ensemble GROOVE

Harry Sokal , Tenorsax
Raphael Wressnig, Hammond B3 Orgel
Alex Deutsch, Drums

22. August, 1. Teil, 19.30 Uhr
Transylvanian Grooves
Nicolas Simion & Band

Nicolas Simion - Saxophon
Andreas Mayerhofer -€“ Klavier
Christian Wendt - Kontrabass
Wolfgang Kendl - Schlagzeug

2. Teil, 21.15 Uhr
Silk and Salt
Louis Sclavis Quartet

Louis Sclavis - clarinet
Benjamin Moussay - piano, fender rhodes
Gilles Coronado - guitar
Keyvan Chemirani - percussion

23. August
1. Teil: 19.30 Uhr

Rising Star
Michaela Wandl, Gesang

Michael HrƒÃ¡by, Klavier
Karl Sayer, Bass
Klaus Zalud, Schlagzeug

2. Teil: 21.15 Uhr
African Vibes
Sigi Finkel - sax, flute
Mamadou Diabat - balafon, percussion
Juan Garcia-Herreros - bass
Abdulaye Dembele - balafon, percussion

Jeder Abend war gelungen und für Jazz-Liebhaber ein MUSS!
Das Ensemble Groove hatte den impulsiven Alex Deutsch aus Graz statt Lukas Knöfler wie im Vorjahr beim Jazz-Festival Saalfelden im Trio! Gratulation - ein gro߃Ÿer Gewinn!
Am zweiten Abend war Andreas Mayerhofer aus Krems am Klavier und vertrat Österreich unter den rumänischen Transylvanian Grooves, die mit wirklich starken Kinderliedern, Tanzliedern und Jazz-Folklore vom Feinsten loslegten.
Besonders zum Kauf reizte die Vorwegnahme des CD-Verkaufbeginns (offiziell erst 25.8.) von Silk and Salt. Ein gelungenes Album mit 9 Melodien, von denen vor allem "Dance for horses", "Des feux lointains" sowie "Cort ge" begeisterte. Der Perser Keyvan Chemirani hinterließ wie Benjamin Moussay am Klavier mit seiner Fingerfertigkeit an den Drums einen unvergesslichen Eindruck! Dieser Abend war fü viele Besucher der Höhepunkt!
Am dritten Abend war der Jungstar = Rising Star mehr als entbehrlich. Die Instrumentalisten mussten die Vokalistin tatsächlich stützen (rising) und durch die Takte vorsichtig geleiten, begleiten und tragen. Michael Hrabi am Klavier und Karl Sayer am Bass hätten mit einem begnadeten Drumer oder einem Trommler wie der einheimische Werner Sandhacker ein ekstatisches Ensemble ergeben! Viel lieber hätte das Publikum auch den tollen African Vibes eine längere Zeitspanne zugehört, getanzt und Werner Sandhacker als Publikums-Star am Balafon beklatscht!
Eine tolle Veranstaltug! Ehrliche Gratulation und das Publikum erhofft sich unterm Jahr noch weitere Konzerte dieser hochkaräigen Jazz-Schiene im Frei.Raum!

 
Blätterwirbel: Agnes Heginger & Karlheinz Essl. Rez.: Ingrid Reichel

Ingrid Reichel
Die Crème de la Crème der Liebe

 
Fotos: © Daniel Hinterramskogler  

Blätterwirbel 2012
Out of the Blue: Free improvisations for voice and electronics
Agnes Heginger & Karlheinz Essl jr.

Stadtmuseum St. Pölten
21.10.12, 11 Uhr
Dauer: 1 Stunde

Spannungsgeladen erwartete nicht nur das St. Pöltner Publikum, sondern auch Initiator Peter Kaiser die Musik-Matinee im St. Pöltner Stadtmuseum im Rahmen des Literaturfestivals Blätterwirbel, denn die Sängerin Agnes Heginger und der Elektronik-Komponist Karlheinz Essl jr. gaben freie musikalische Improvisationen von österreichischer Lyrik zum Besten.

Agnes Heginger wurde 1973 in Klagenfurt geboren, ist aber in Wien aufgewachsen. Sie ist nicht nur Sängerin sondern auch Gesangspädagogin und Gesangsdozentin an der Jazzabteilung der Anton-Bruckner-Privatuniversität in Linz.

Karlheinz Essl jr., der älteste Sohn des bau-Max Unternehmers und Kunstsammlerpaares Agnes und Karheinz Essl sen., wurde 1960 in Wien geboren. Er ist in erster Linie Komponist, aber auch Elektronik-Performer sowie Kompositionsprofessor für elektro-akustische und experimentelle Musik an der Musikuniversität Wien. Sein Interesse an spartenübergreifenden Projekten brachten ihn nicht nur mit bildenden mit Künstlern wie Jonathan Meese und Hermann Nitsch zusammen, sondern auch mit Autoren.

Zum Literaturfestival Blätterwirbel 2012 gab es daher nur das Feinste der österreichischen Lyrik. Schwerpunkt war der gesellschaftskritische österreichische Autor Peter Turrini (geb. 1944 im Lavanttal, Kärnten). Mit namenlosen Gedichten wie den Achtzeiler Wenn du mich anrufst …

Wenn du mich anrufst
läutet das Telefon.
Die Lampe läutet.
Der Ofen läutet.
Das Zimmer läutet.
Die Aussicht vor meinem Fenster läutet.

Es läuten die Glocken der Befreiung
vom Warten.

Frankfurt am Main, Im Namen der Liebe, 2005
Audio production: 2006, M.Mechner / Literaturwerkstatt Berlin

konnten Heginger und Essl skurrile Raumvorstellungen und nicht definierbaren Verzerrungen vermitteln.
Turrinis "Liebe, Liebe …" bekam einen rockigen, poppigen Drall, der in nahezu Orgiastisches mündete. Von kreischigen, tierischen Lauten ging Hegering zu zivilisierten arienhaften Tönen über.
Aber auch Hertha Kräftners "Beschwörung eines Engels", Ingeborg Bachmanns "Unterricht in der Liebe", H.C. Artmanns "Mein Herz" des im Jahre 2000 verstorbenen österreichischen Poeten:

mein herz ist das lächelnde kleid eines nie erratenen gedankens
mein herz ist die stumme frage eines bogens aus elfenbein
mein herz ist der frische schnee auf der spur junger vögel
mein herz ist die abendstille geste einer atmenden hand
mein herz liegt in glänzend weissen kästchen aus mosselin
mein herz trägt einen seltsamen tierkreis aus zartestem gold
mein herz schlägt fröhlich im losen regnen der mittwintersterne

sowie Rainer Maria Rilkes "Liebes-Lied" wurden erfolgreich vokal und instrumental aus dem Stegreif ausgeführt.

Wie soll ich meine Seele halten, daß
sie nicht an deine rührt? Wie soll ich sie
hinheben über dich zu anderen Dingen?
Ach gerne möcht ich sie bei irgendwas
Verlorenem im Dunkel unterbringen
an einer fremden stillen Stelle, die
nicht weiterschwingt, wenn deine Tiefen schwingen.
Doch alles, was uns anrührt, dich und mich,
nimmt uns zusammen wie ein Bogenstrich,
der aus zwei Saiten eine Stimme zieht.
Auf welches Instrument sind wir gespannt?
Und welcher Geiger hat uns in der Hand?
O süßes Lied.

Das St. Pöltner Publikum war dementsprechend begeistert. Eine Matinee ohne schnulziges Gesabber über die Liebe, einfach toll!

 
Eröffnung Blätterwirbel 2012. Rez.: Ingrid Reichel

Ingrid Reichel
Ausgenüchtert

 

Eröffnung Blätterwirbel 2012
Eröffnungsrede: Klaus Nüchtern
Personale: Sabine Gruber

Landestheater NÖ, Großes Haus
13.10.12, 19 Uhr
Lesung mit: Gerti Drassl, Marion Reiser, Babette Arens
Klaus Nüchtern & Sabine Gruber im Gespräch
Dauer: 3 Stunden, inkl. 2 Pausen

Der 1961 in Linz geborene Klaus Nüchtern erhielt 2011 den Staatspreis für Literaturkritik und ist bekannt als Kulturredakteur und stv. Chefredakteur der Wiener Stadtzeitung Falter. Nach Sigrid Löffler ist er der zweite Literaturkritiker, der das St. Pöltner Literaturfestival Blätterwirbel eröffnete.
So widmete Nüchtern, wie auch schon voriges Jahr die Autorin Ruth Klüger, den Beginn seiner Rede der Digitalisierung des Lesevergnügens und wog Pro und Kontra ab. So stehen Haltbarkeit und Sicherheit einem permanenten und noch dazu kostenverursachenden Platzmangel gegenüber. Doch auch die virtuelle Welt koste Ressourcen, vor allem Strom, sinnierte Nüchtern schließlich weiter.
Das Buch zum e-Book verhalte sich so wie die Vinyl-Schallplatte zu den neuesten technischen Errungenschaften im Musiksektor. Die digitale Version werde zukünftig nur zum Gebrauch verwendet, das herkömmliche, greifbare Buch zur Ästhetik emporgehoben, so könnte man Nüchterns Räsonnement kurz und bündig zusammenfassen. Doch erfasse ihn die Melancholie, wenn er an die guten alten Cover des Suhrkamp Verlages denke, die im Vergleich zu den heutigen wohl nicht seinen Geschmack treffen.

100.000 Neuerscheinungen alleine am deutschen Buchmarkt gibt es jährlich. Eine Masse, die nicht zu bewältigen sei und die Schere zwischen Bestseller und dem Rest auseinanderklaffen ließe, dokumentierte Nüchtern. Waren einst für die erfolgreiche Vermarktung eines Buches noch die ersten sechs Monate entscheidend, so seien es heute nur mehr zwei, erinnerte Nüchtern an unsere schnelllebige Zeit. Das geringere Sortiment vergangener Tage hätte für wertvollere Produkte in den Buchregalen gesorgt. Nun sei zur Orientierung ein medialer Applausometer notwendig, um kostbare Zeit zu sparen, das Freizeitangebot Lesen effizient zu nutzen. Hier tritt der Kritiker in Kraft! Wir sehen also den Kritikergott im Dschungel die Milliarden und aber Milliarden aufgewirbelter Blätter für den Konsumenten aussortieren, ganz nach Aschenputtels System die Guten ins Töpfen, die Schlechten ins Kröpfchen. Der Kritikergott also als selbstverliebtes Turteltäubchen, der zum Wohle der Menschheit alles Schlechte hinunterschluckt, eine wahre Dienstleistung vollbringt und damit seinen sagenhaften Erfahrungsschatz dann als über jeden Verdacht erhabene Subjektivität ausrülpsen darf. Jaja, Bekanntheitsgrad erleichtert den Weg zum Parnass! Doch nein, dies sei keine selbstherrliche Willkür, verteidigte Nüchtern seinen Standpunkt, nein, es ist der Mut zur eigenen Meinung!
So redet sich der österreichische Literaturpapst in den Strudel seiner verwirrenden Kritikergefühle und schließt daraus ganz richtig, dass er entweder Teil der Lösung oder Teil des Problems ist. Nüchtern tröstet sich damit, dass es schließlich das mangelnde Selbstvertrauen des lesenden Konsumenten sei, das letzteren veranlasse, seine Urteilskraft an andere - nämlich Kritikern und Journalisten wie ihn selbst - zu delegieren.
Übrigens kam das Wort Objektivität und Wissen in Nüchterns Rede kein einziges Mal vor…

Es bleibt zu hoffen, dass der Leser Nüchterns nicht gerade revolutionären Tipp befolgt, ein Tipp, der ohnehin reflexartig geschieht, daher als gesunder Instinkt bezeichnet werden kann: Wenn Ihnen ein Buch nach den ersten (spätestens) 50 Seiten nicht zusagt, legen Sie es einfach weg … und ganz nebenbei, wer will sich schon quälen? Vor allem mit nichtssagenden Bestsellerlisten, die nicht einer ordentlichen Rezeption eines Werkes unterliegen, sondern einer schnellen Aburteilung, limitiert auf vielleicht - wenn überhaupt - lächerlichen 2000 Zeichen, damit sie ja in die Zeitungsspalte passen ... und dann wie Nüchtern selbst zugab, von Journalisten geschrieben, die voneinander abschauen. Die meisten Verlage klagen ohnehin, dass Journalisten bestenfalls Querlesen, oder sich gar zur Urteilsfindung nur an den Klappentext halten. Also: Vertrauen ist gut, Kontrolle bzw. eigenes Urteil besser!

Nach der "ernüchternden" Rede ging es nach einer kurzen Pause zu Sabine Grubers Personale über. Die 1963 in Meran (Südtirol/Italien) geborene deutschsprachige Schriftstellerin hat sich in den letzten Jahren durch ihre Lyrik, Essays, Hörspiele und Theaterstücke, vor allem aber durch ihre drei Romane im Buchmarkt ausgezeichnet: Aushäusige (1996), Die Zumutung (2003), Über Nacht (2007) und zuletzt Stillbach oder die Sehnsucht (2011). Die Schauspielerinnen Marion Reiser und Babett Arens des Landestheaterensembles sowie die Südtirolerin Gerti Drassl lasen aus verschiedenen Werken der Autorin. Es gab kurze Lyrik, Texte aus Anthologien, längere Auszüge aus ihren letzten drei Romanen sowie Ihre Reden zur Verleihung des Anton Wildgans-Preises der Österreichischen Industrie und des Walther von der Vogelweide-Förderpreises des Südtiroler Kulturinstituts, die sie beide 2007 erhalten hatte. Als weiterer Programmpunkt nach zwei Stunden und der zweiten Pause war Sabine Gruber im Gespräch mit Klaus Nüchtern angekündigt.

"Das Publikum zu unterfordern wäre das Schlimmste.", behauptete die neue Intendantin des Landestheaters NÖ Bettina Hering in einem Interview in der Zeitschrift morgen (5/12. S.14). Nach einer knappen Stunde Eröffnungsrede und einer anschließenden zweistündigen Lesung einer Autorin, die sich ausschließlich mit Themen wie Tod und Krankheitsbewältigung beschäftigt, kann man nicht über Unter- oder Überforderung diskutieren. Hier wurde das Publikum erschlagen und die Texte sprichwörtlich zu Grabe getragen. Die wenig akzentuierten Darbietungen der Schauspielerinnen entpuppten sich als schmucklose Grabbeigabe.

Die Veranstaltung fand direkt auf der nicht dekorierten schwarzgefärbten Bühne statt, das Publikum saß mit dem Rücken zum leeren Auditorium des Theaters, und verwandelte sich zusehends in ein Dormitorium. Fallweises unterdrücktes Gähnen in jeder Reihe, bis sich die Köpfe der Zuhörer merklich senkten, der eingeengte Blick zu den Vortragenden und die gedämpfte Lautstärke, die höchste Hörkonzentration erforderte, ließen das Publikum in einen erschöpften Schlaf gleiten. Zeitverzögerter Applaus nach dem zweiten Akt. Benötigte Frischluftzufuhr oder ein kühles Nass, möglichst mit viel Alkohol, ließ die Besucher nach draußen strömen. Wieviele von ihnen wohl zum Begräbnis zurückgefunden haben? Am Ende bewahrheiteten sich die Textausschnitte der Autorin, besonders Die Zumutung: Der Zuhörer wird zum Protagonisten und erlebt seine eigene Beerdigung. Tragisch! Um Klaus Nüchterns Tipp nochmals aufzugreifen und den Instinkt wiederzubeleben: Man soll gehen, bevor man stirbt …

Die Kritik fungiert schließlich als Seismograph, zeichnet die Schwingungen im Publikum auf, leitet sie an die Veranstalter weiter. Besonders nach einer einmaligen Aufführung, wie es an diesem Abend der Fall war, möge sie konstruktive Wirksamkeit erlangen.
Es sei daher besonders die unerträgliche Länge des Abends hervorzuheben, auf die nur im Kleingedruckten auf dem Plakat in der Vitrine und auf der Homepage des Landestheaters hingewiesen wurde, im Programm des Blätterwirbels selbst fehlte jeglicher Hinweis auf die Dauer der Veranstaltung. Ich erinnere mich im Jahre Schnee einer Theateraufführung im Studio Molière in Wien beigewohnt zu haben, wo bereits ein blinkendes Lichtband im Entree auf die vierstündige Länge des Stückes hinwies und zu Beginn der Aufführung ein Moderator eindringlich bat, das Stück NUR in der Pause zu verlassen. Und dann wäre noch die Kritik anzumerken, warum die Eröffnung des Blätterwirbels im Großen Haus eingepfercht auf der Bühne veranstalten, wenn sich doch hierfür die Theaterwerkstatt seit Jahren als idealer Raum ausgezeichnet hatte.
Es ist daher kein Zeichen von Provinzialität, wie es uns wichtige Medien des Landes weismachen wollen, wenn man in St. Pölten noch auf gute Manieren wertlegt und nicht wie in Wien mitten im Stück einfach aufsteht und geht oder gar wie in London dazwischenruft oder mit faulem Obst zu werfen beginnt, und das bitte schön schon seit Shakespeares Zeiten. Es ist nichts weiter als ein Zeichen von Anstand und Respekt, der Dame des Hauses noch eine weitere Chance zu geben.

 
Rheingau Musik Festival: Peter Ruzicka. Rez.: Eva Riebler

Eva Riebler
Wolken-los

 

Rheingau Musik Festival
Peter Ruzicka:
Clouds“ für großes Orchester,
Uraufführung der Auftragskomposition für das hr-Sinfonieorchester 2012
Robert Schumann: Klavierkonzert a-Moll op. 54
Gustav Mahler: Sinfonie Nr. 1 D-Dur "Der Titan"

Kurhaus Wiesbaden, Friedrich-von-Thiersch-Saal
23.08.12, 20 Uhr
hr-Sinfonieorchester
Leitung: Paavo Järvi
Klavier: Khatia Buniatishvili

Diese Uraufführung der neuesten Komposition Ruzickas, des langjährigen Intendanten der Salzburger Festspiele, dauerte 11 Minuten. Der Dirigent, der auch das anschließende Klavierkonzert a-Moll op. 54 von Robert Schuhmann und die Sinfonie Nr. 1 D-Dur „Der Titan“ von Gustav Mahler dirigierte, war Paavo Järvi, der seit 2006 erfolgreicher Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters ist. Die Komposition Ruzickas versinnbildlichte realistische Lautmalerei vor einem Regenguss, der sich zu einem Gewitter aufbaut. Die Klangdichte begann pianissimo und perlte nach einem kurzen Furioso wie Tropfen ab. Besonders zarte Triangelklänge erinnerten an den Favoriten Ruzickas, an Gustav Mahler; Pauken und Beckenklänge zeugten von lauernder Gefahr und ihr Verstummen brachte Erlösung und die Ruhe nach dem Sturm. Die Wolken hatten sich abgeregnet und aufgelöst und der Himmel gestaltete sich wolkenlos. Die Rückführung zur anfänglichen Zartheit der Klänge war gelungen. Die Luft unter dem blau-goldenen Plafond des historischen Prunksaals und die Gemüter der Zuhörer waren reingewaschen. Und zwar im Sinne Pablo Picassos, der einst meinte: „Die Kunst wäscht den Staub des Alltags von der Seele“. Der Sinnesrausch hätte vielleicht länger und intensiver sein können, da ein berühmtes und wirklich großes Orchester mit einem versierten Dirigenten zur Verfügung stand.

Der Dirigent Jäärvi und die enorm talentierte 25ig jährige Klaviervirtuosin Khatia Buniatishvili aus Georgien führten Robert Schuhmanns Klavierkonzert mit dem Hessischen Radiosinfonieorchester zu einem äußerst spannenden Klangerlebnis. Die Standing–Ovationen nötigten Buniatishvili Schuhmanns Träumereien als glanzvolle Zugabe ab. Mit Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 1 wurde ein weiterer  Höhepunkt des Abends vollendet. Dirigent und hr-Orchester versetzten das Publikum in höchste Spannung und schier unaussprechbare Begeisterung.

Ein Musikerlebnis ersten Ranges! Dem Rheingau Musik Festival sei für den Genuss auf höchster Ebene gedankt!

 
Festwochen Gmunden: Ernst Molden. Rez.: Eva Riebler

Eva Riebler
Wo ist der Hut?

 

Festwochen Gmunden
Konzert Ernst Molden: A so a scheena Dog

Karbach, Traunsee-Ostufer
29.07.12, 11 Uhr
Ernst Molden: Gitarre und Stimme

Vor allem Lieder aus seiner neuen CD und Platte: A So A Schena Dog, monkey 2012 bildeten das Programm seiner Matinee.
Fast ein schöner Tag, zumindest ohne Regen, aber auch ohne Hut.
Wir sind Ernst Molden ohne Hut nicht gewöhnt. Trotzdem sind seine Texte und sein Sound unverwechselbar. Wie immer macht er seine Lieder für sich selbst, doch kann er nicht stets mit ihnen alleine sein, daher kamen ungefähr 200 Menschen, die sich in die Karbach übersetzen ließen, in den Genuss seiner neuen Kreationen. Natürlich stand wieder sein Frau Pate für die Liebeslieder und der 19. Wiener Bezirk oder ein Wiener Caféhaus, diesmal war es das Café Ministerium hinter dem Café Brückl gelegen, waren Anlass für zwei, drei Texte. Er liebt noch immer Legenden (z.B. die von der weißen Frau und die vom Werna) und hat Bob Dylan als Vorbild, z.B. für das Lied „Lobau“, das bei Bob Dylan „Red River Shore“ betitelt war. Nach wie vor schöpft er aus der Natur, sei es die Lichtung im Wienerwald oder ein Bacherl im Waldviertel. Auch ein unheimliches nächtliches Geräusch während seines jährlichen Familien-Aufenthalts in Kreta war Anlass für ein Lied.

Nach 14 Liedern gab er die berühmte Zugabe für Jutta Skokan, außerdem einen Lovesong, und zwar den Schlusssong seiner neuen Platte, und sang „Jessica“, seine Version eines Jonny Cash-Liedes.
Die Karbachwildnis sei ab jetzt sein Lieblingsort, was ja nur natürlich ist, da die Natur ihm Lieder schenke. Im nächsten Jahr werden wir vielleicht das Echo von der Traunsteinwand in einem seiner Songs wieder finden. Jedenfalls sind wir zuversichtlich und freuen uns auf eine genauso beeindruckende neue Produktion zu den Salzkammergut-Festwochen 2013.

 
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