34/ Lyrik: Aus dem Hinterhalt, Cornelia Hülmbauer

 

 

 

 

 

 

Cornelia Hülmbauer
AUS DEM HINTERHALT

 

aus dem zauderbusch

spring

spring

mein gummiballpilot

 

zum zerbersten komisch

zum zerkugeln löchrig

deine tadaaas

lassen kätzchen hinterm ofen sterben

 

 

aus dem doppelboden

aus dem harlekin

komm

komm

mein wendemaskenträger

 

einen salzsee graben

ein gelächter hüten

meine sosooos

wiegen welpen in den schlaf

 

 

Biographie: Cornelia Hülmbauer

Geb. 1982 in Amstetten, Studium der Anglistik und der Kunstgeschichte. Derzeit Forschungstätigkeit an der Uni Wien. Diverse Publikationen zum Thema Englisch als Lingua Franca.

 
34/ Lyrik:Auftrag, Manfred Dragosits

Martin Dragosits
AUFTRAG

 

Als Geheimagent
mit dem beflissenen Auftrag
eine prominente Person
des öffentlichen Lebens
unauffällig zu ermorden
hatte ich folgenden Plan

 

Man organisiere
einen Haufen Paparazzi
mit aufdringlichen Teleobjektiven
welche besagte Person
bedrängen wie Hunde
bei der Fuchsjagd

 

Den Fahrer unserer Zielperson
mache man gefügig
mit Drogen und Alkohol
und beginne bei hoher Geschwindigkeit
ein wildes Rennen durch die Stadt
mit Fotografen als Statisten

 

An einer uneinsichtigen Stelle
ramme man das besagte Auto
mit einem unauffälligen Fahrzeug
und erzwinge so
den Tod unserer Person
ungesichert am Beifahrersitz

 

Originell
sagten meine Auftraggeber
Schwierig abzuwickeln
und selbst wenn es klappt
glauben irgendwelche Verschwörungstheoretiker
niemals an einen Unfall

 

Da machen wir es lieber
auf unsere Art
meinte meine Kontaktperson
gab mir Routinetätigkeiten
und zog mich sicherheitshalber
von der Sache ab

 

Bald darauf verließ ich
den Verein und wurde
Berater im Nahen Osten
Meinen Verbindungsmann
Jack Ruby sah ich
erst im Fernsehen wieder

 

 

Biographie: Martin Dragosits

Geb. 1965 in Wien, arbeitet als Projektleiter in der Informatik eines Finanzdienstleisters. Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien, zuletzt erschien der Lyrik-Band "Der Teufel hat den Blues verkauft" (Arovell Verlag, 2007).

 
34/ Lyrik:Schwesterneifer, Manfred Pricha

Manfred Pricha
SCHWESTERNEIFER

 

und nach dem unfall
steht sie fassungslos da
ohne sein gedächtnis
im richtigen krankenzimmer
mit der fremden frau
die seine hand hält
als ehefrau wider willen
langjährige begleiterin
eines vermeintlichen doppellebens
der unbekannten person
ein katastrophaler irrtum
des über die maßen bandagierten
beider anziehung verdeckt
die eifersucht der anderen
der richtige im falschen
augenblick der tragödie

 

 

Biographie: Manfred Pricha

Geb. 1954 in Altötting (D), Studium der Wirtschafts- und Geschichtswissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum. Autor, Wissenschaftlicher Dokumentar und Historiker, lebt und arbeitet in Bochum, schreibt Lyrik und Prosa.

 
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