Ehrung für Obfrau und Ehrenobmann der Litges durch die Stadt St. Pölten Okt./Nov. 2020

EHRUNG   für die   LITGES

Die Landeshauptstadt St.Pölten ehrt die Obfrau der Literarischen Gesellschaft und Herausgeberin der Zeitschrift Etcetera Frau Magistra Eva Riebler-Übleis sowie den Ehrenobmann der LitGes Herrn Univ.Prof. Wolfgang Mayer König

 

In den zwei aufeinander folgenden Sitzungen des St.Pöltner Gemeinderates vom 19. Oktober und 23. November 2020 wurden die jeweils einstimmigen Beschlüsse gefasst, Frau Mag. Riebler-Übleis das Ehrenzeichen der Stadt St. Pölten und Herrn Univ.Prof. Mayer König den Jakob-Prandtauer-Preis zuzuerkennen.

Beiden Gemeinderatsbeschlüssen waren ebenfalls einstimmig gefasste, entsprechende Empfehlungen unabhängiger Fachjurien vorausgegangen.

Damit wurde auch die Geltung und der hohe Stellenwert der Literarischen Gesellschaft und des Etcetera im Besonderen, wie Kunst und Literatur im Allgemeinen, für die Landeshauptstadt hervorgehoben.

Die Antragstellerin im Gemeinderat vom 19.10.2020 Frau Stadträtin Mag. Ingrid Heihs führte aus, dass Frau Mag. Riebler-Übleis in Steyr in Oberösterreich geboren wurde, in Linz maturierte,  an der Universität Salzburg Geografie und Germanistik studierte, an der Handelsakademie von St.Pölten lehrte, und dort zehn Jahre lang das Kunstprojekt HAK-ART betreute. Als Obfrau der Literarischen Gesellschaft St.Pölten gibt sie seit 2003 die überregional bekannte Zeitschrift „etcetera-Literatur und so weiter“ heraus. Sie ist Mitglied im Österreichischen Schriftstellerverband und auch im PEN-INTERNATIONAL. Seit 1977 ist sie auch als bildende Künstlerin tätig. Sie arbeitet in Acryl wie in diversen grafischen Techniken und präsentiert ihre Arbeiten seither auch in zahlreichen Ausstellungen im In-und Ausland. So in Einzelausstellungen etwa in den Partnerstädten St. Pöltens, wie im gotischen alten Rathaus im tschechischen Brünn, so wie im US-amerikanischen Altoona. Für dieses Jahr waren schon Ausstellungen im japanischen Kurashiki und im chinesischen Wuhan angedacht, die jedoch in Folge der Corona-Pandemie nicht stattfinden konnten. Hervorzuheben seien auch die umfassende Einzelausstellung im Rathaus St. Pölten und eine andere im heurigen Jahr im St.Pöltner Stadtmuseum. Im Rahmen der Aktion „Hippolyts Töchter“ gestaltete Mag. Riebler ein Schaufenster im St. Pöltner Herrenhof mit Malerei und Werken aus Ton, Ytong und Holz. Frau Mag. Riebler lenkt seit achtzehn Jahren die Geschicke der Literarischen Gesellschaft, plant und gestaltet das Vereinsleben samt Schreibwerkstätten, Jour fixe, Osterspaziergängen, Tagebuchtagen, Moderationen und Pressearbeit. Alles ehrenamtlich. Sie war es auch, die den langjährig im Etcetera publizierenden, und der Gesellschaft mit Rat und Tat zur Verfügung stehenden Literaten Univ. Prof. Mayer König dem Vorstand und der Mitgliederversammlung 2006 zum Ehrenobmann vorschlug, wo er einstimmig dazu gewählt wurde.

 

Am 3.11.2020 fasste eine unabhängige Fachjury den einstimmigen Beschluss, den Literaten Univ. Prof. Wolfgang Mayer König, der bislang insgesamt 46 Prosa-, Lyrik- und Essaybände verfasst hat, die in 14 Sprachen erschienen sind, aufgrund seiner Verdienste um die Literatur im Allgemeinen und als Ehrenobmann der LitGes St.Pölten dem Gemeinderat für den Jakob-Prandtauer-Preis 2020 vorzuschlagen.

Schließlich faßte der Gemeinderat in seiner Sitzung vom 23.11.2020 den einstimmigen Beschluss, Univ.Prof. Wolfgang Mayer König den Jakob-Prandtauer-Preis für Wissenschaft und Kunst 2020 zuzuerkennen.

Als Berichterstatterin gab Frau Stadtrat Mag. Renate Gamsjäger Einblicke in ein Leben, das 74 Lenze zählt, das äußerst bewegt-, erfolgreich- und sehr beeindruckend verlief, und das für uns eine Erinnerung und auch ein Vorbild sein kann. Wolfgang Mayer König trat eigentlich erstmals in den wilden 68er Jahren auf die Bühne der Weltöffentlichkeit. Als 22 Jähriger gründete er nämlich das Universitätsforum „Literarische Situation“, das waren Seminare in Ergänzung zum Lehrbetrieb. Also man sieht schon, die Studenten waren damals nicht ganz mit dem zufrieden, was geboten wurde. Diese Vorlesungen hatten jedoch jeweils bis zu 800 Hörer an der Universität Wien, und die Leute, die sich dort vorstellten und dort vortrugen, lesen sich wie das Who is Who der Literatur des 20. Jahrhunderts: Elias Canetti, Erich Fried, Martin Walser, Günther Eich, Karl Krolow, aber auch unveröffentlichte Autoren, damals völlig neu und unbekannt, wie Elfriede Jelinek, Wolfgang Bauer, Gerd Jonke oder Heidi Pataki wurden damals vorgestellt und erhielten eine große Bühne. 1978 gründete er dann die Literaturzeitschrift LOG mit Lev Detela, die er bis heute betreibt, und wo im Lauf der Jahre weit über 1500 Autoren aus 128 Nationen ein Forum fanden, also eine internationale Zeitschrift. Für seine Lehrtätigkeit eines Hauptfaches an der Kunstuniversität Linz erhielt er 1986 den Berufstitel „Universitätsprofessor“. Er wurde Mitglied der Akademien der Wissenschaften und Künste: Cosentina in Cosenza, Ordentliches Mitglied der Accademia Tiberina in Rom, der Burckhardt Akademie St. Gallen, des Österreichischen PEN-Zentrums und eben Ehrenobmann der Literarischen Gesellschaft St. Pölten. Sein Schaffen wurde von Hilde Spiel in Kindlers Literaturgeschichte der Gegenwart sehr treffend beschrieben: „ Es existierte in der Tat kein einflußreiches neues Avantgarde-Periodikum. Dagegen hatte um diese Zeit der junge Lyriker und Student Wolfgang Mayer König an der Alma Mater Rudolfina in Wien, im weiteren Verlauf auch an den Universitäten Salzburg, Graz, Linz und Innsbruck das bis dahin mäßige Interesse an der Gegenwartsdichtung aktiviert, er hielt gesellschaftspolitische, sprachwissenschaftliche, poetisch-linguistische und allgemein-literarische Vorträge und Seminare ab, verschaffte unveröffentlichten Texten Gehör, und konnte zuweilen 800 Zuhörer auf akademischem Boden im Namen der Literatur versammeln. Allenthalben aber gab es jetzt in Österreich Tagungen, Gesprächsrunden und Symposien, vor allem in Kärnten und in der Steiermark, aber auch jenseits der Grenzen in Laibach, Görz und anderwärts“. Also er schaffte es also immer wieder einen Focus auf die Literatur zu lenken. Gleichzeitig begann auch sein demokratiepolitisches Engagement indem er als unabhängiger Bildungs- und Kulturreferent in den Hauptausschuss der ÖH an der Uni Wien und bald in den Zentralausschuss als gesamtösterreichischer Bildungs- und Kulturreferent dieser Körperschaft gewählt und bestellt wurde. 1971 holte ihn Bruno Kreisky in das Kabinett des Bundeskanzleramtes und betraute ihn mit Angelegenheiten des kooperativen Bundesstaates. Er war, man höre, 1972 der Verfasser des Zivildienst-Bundesgesetzes, ein damals, ich kann mich noch gut daran erinnern, sehr revolutionäres, heiß umkämpftes Gesetz. 1972 bis 1974 war er Generalsekretär der Internationalen Indochina Hilfe mit Sitz in Wien, und wurde vom Bundeskanzler eingesetzt als Koordinator des Österreichischen Beitrags zum humanitären Wiederaufbau in Vietnam. In dieser Funktion als Generalsekretär entstand auch die Zusammenarbeit mit dem Internationalen Roten Kreuz in Genf. Er gestaltete sodann im Rahmen eines Kongresses, der „Die Zukunft von Wissenschaft und Technik“ hieß,  mit anderen gemeinsam ein Modell, das darlegte, wie die Kooperation von industrieller- und universitärer Forschung funktionieren kann. Eine sehr schwierige Situation war sicher im Jahr 1975. Er war nämlich vom Bundeskanzler damit betraut, Verhandlungen mit den Terroristen, welche die  Geiseln bei der OPEC-Tagung in Wien genommen hatten, zu führen. Es ist ihm schließlich gelungen, diese furchtbare Situation, die uns alle in Angst und Schrecken versetzte, durch seine Verhandlungen einem vernünftigen Ende zuzuführen. 1978 wechselte er dann in die Industrie und wurde Direktor und Gesamtprokurist der Baugruppe PORR. 1983 wurde er durch Wahl seitens des Aufsichtsrates in den Vorstand der PORR berufen, wo er bis 1992 tätig war. 1992 wurde er ständiger Delegierter und Repräsentant bei den Vereinten Nationen. Der „Sprachbaumeister“ wie ihn Karl Krolow, der damalige Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung nannte, erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen. So 1973 den Theodor Körner Preis für Literatur, das Offizierskreuz des Verdienstordens der Arabischen Republik Ägypten für kulturelle Verdienste, 1981 das Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich, 1987 den Ordre des Arts et des Lettres der Republik Frankreich, 2006 das Große Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse,  2006 das Große Ehrenzeichen des Landes Steiermark und 2012 das Goldene Ehrenzeichen der Bundeshauptstadt Wien.

Ein sehr großes und bewegtes Leben. Wir haben hier einen sehr würdigen und verdienten Jakob-Prandtauer-Preisträger. Wir sollten uns alle über diesen großen Mann der Republik freuen. Dieser Preis ist mehr als verdient, und ich gratuliere auch herzlich zum Entscheid der Jury, Wolfgang Mayer König diesen Preis heuer zu verleihen.