75/Paradies/Berichte: Fastenbesinnung der Künstler 2019

Kunst und Kirche sind in der europäischen Kulturgeschichte seit Jahrhunderten auf das Engste verknüpft. Dabei entwickelte sich ein intensiver Dialog, der Gesellschaft und Kunst immer wieder in herausfordernder Weise dialogisch verbindet. Dies geschieht mit dem Bewusstsein, dass Kunst in vieler Hinsicht spirituelle Dimensionen besitzt, was etwa Msgr. Otto Mauer nach 1945 in nachdrücklicher Weise dargelegt hat. Insbesondere mit der Entstehung abstrakter Kunstformen in der europäischen Moderne ist das künstlerische Werk nicht nur ein Ort, um religiöse Botschaften zu vermitteln, sondern ist selbst ein Ort des Spirituellen geworden (etwa im Hinblick auf den Terminus Meditation).
Seit über einem Jahrzehnt findet im Bischöflichen Sommerrefektorium der Diözese St. Pölten jeweils zur Fastenzeit Ausstellungen statt, die sich im Rahmen der Gegenwartskunst mit bestimmten religiösen Themen auseinandersetzen und immer wieder aufs Neue den Dialog zwischen Kunst, Gesellschaft und Kirche reflektieren und zur Debatte stellen.
Ein besonderes Anliegen bildet dabei auch die Einbeziehung von Schulen insbesondere in St. Pölten und Umkreis. Die im vergangenen Jahr begonnenen klassenweisen Malaktionen stellen die Basis dafür dar. Daraus resultiert die Möglichkeit der Begegnung mit Künstlerinnen und Künstlern, womit die Schulen selbst nicht nur als Orte der Bildung, sondern auch der Kultur verstanden sein wollen: Kreativität, insbesondere künstlerische ist und bleibt ein unabdingbares „Zukunftskapital“ für die Gesellschaft!

Zum Thema "Himmlisch":

Es gibt fast keine religiöse Kultur, in der das Himmlische als Ort der Unendlichkeit nicht präsent ist. Eine besondere Rolle spielt das Himmlische in den monotheistischen Religionen insbesondere in der christlichen. Die Ausstellung spürt in verschiedener Hinsicht dem Phänomen himmlisch sowohl in religiöser als auch säkularer Hinsicht nach. Die Sehnsucht nach dem Himmlischen ist unabdingbarer Teil unserer Anthropologischen Existenz. Keine Epoche, keine Gesellschaft, für die die Frage nach dem Himmlischen (Paradiesischen) nicht ihr existentielles Selbstverständnis bestimmt. 
„So unheilvoll, unvollkommen und friedlos wir unsere Erde auch erfahren mögen, sie gibt uns doch immer wieder auch einen Vorgeschmack auf den Himmel: ein Musikstück, eine Speise, ein Getränk, eine Landschaft und vieles andere, manchmal spüren wir eine schützende Macht, die uns trägt. Dies alles nährt unsere Sehnsucht nach himmlischem Glück und Harmonie.
Die Dichterin Nelly Sachs meint zu dieser Sehnsucht Folgendes: Eine Erfüllung kann es demnach in diesem Leben nie ganz geben, wir bleiben immer auf der Suche, immer auf dem Weg und erreichen (noch) nicht das Ziel.“ (H. Mauritius Lenz CanReg.)
Anhand der Werke von Veronika Dirnhofer, Daniel Gran, Martin Knoller, Markus Lüpertz, Florian Nährer, Eva Riebler, Eva Schlegel, Kremser Schmidt, Marusa Sustar, Paul Troger, werden mit der von Dr. Gerfried Sitar und Mag. Carl Aigner kuratierten Ausstellung spannende Facetten des Phänomens „Himmlisch“ vermittelt.

Eckdaten:
Fastenbesinnung: Donnerstag, 7. März 2019, 18:30 Uhr, im Dom St. Pölten mit  H. Mauritius Lenz CanReg., Orgelimprovisationen von Michael Koller
Vernissage: Donnerstag, 7. März 2019, 19:30 Uhr, im Sommerrefektorium der Diözese St. P.  mit Diözesanbischof Alois Schwarz, Gerfried Sitar (Kunst, Kultur), Carl Aigner (Museum NÖ, M. Koller (Musik), Anita Hofmann (Tanz).
Ausstellungsdauer: 7. bis 31. März 2019
Finissage: Sonntag, 31. März 2019, 11 Uhr
Öffnungszeiten: sonntags 9.00 - 3.00 Uhr, ansonsten auf Anfrage. Katalog mit den Abbildungen aller präsentierten Werke der bildenden Künstler. 

DIRNHOFER Veronika, KNOLLER Martin, KREMSER SCHMID, LÜPERTZ Markus, NÄHRER Florian, RIEBLER Eva, SCHLEGEL Eva, SUSTAR Marusa  

Info: C. Aigner, Kath. AkademikerInnenverb., kav.stpoelten@kirche.at

Eva Schlegel: „See the invisible“ zeigt eine Fahrt durch das Universum, einen Flug durch nahe und sehr entfernte Galaxien. Der Film ist eine Kollaboration von Eva Schlegel, Barbara Imhof  (Weltraumarchitektin) und Damjan Minovski (Architekt) und basiert auf dem Programms des russischen Mathematikers Vladimir Romanyuk.
„See the invisible“ wurde 2016 anlässlich der Ausstellung „Wie alles begann: von Galaxien, Quarks und Kollisionen“ im Naturhistorischen Museum uraufgeführt.
Es ist eine begehbare Rauminstallation, die das sonst Unsichtbare visuell mittels schwebender Projektfläche erfahrbar macht.  In den Weltraum zu schauen bedeutet, von unserer Gegenwart in die Vergangenheit zu blicken und dabei vielleicht Hinweise auf die Zukunft der Veränderungen im All zu erhalten. Neben diesen drei Zeitebenen,  befinden wir uns zudem in einem sich immer weiter ausdehnenden Rausm, dessen extreme Dimension unsere Vorstellungsfähigkeit von Maßstäben sprengt. Daten über Bewegungen von Planeten, Monden, Asteroiden und Nebel sind nur über Bildformen erkennbar, die von Wissenschafterinnen und Wissenschaftern interpretiert werden müssen. (http://en.spaceengine.org), "Nebel im Kosmos