59/Gier/Interview: Roman Träxler

Roman Träxler
Künstlerportrait

INTERVIEW mit Heftkünstler Roman Träxler, geb. in Pottenbrunn, wohnhaft in Wien. Das Interview in Wien im 20. Bezirk führte Eva Riebler-Übleis. Besonders auffallend sind seine über 1m großen Schwarz-Weiß Portraits, gemalt in Acryl.

Foto: Eva Riebler-Übleis
Fotos: Eva Riebler-Übleis

Lieber Roman, Dein küstlerischer Werdegang begann in Pottenbrunn?
Ja, meine Mutter konnte fotorealistisch zeichnen und das beeindruckte und prägte mich früh. Es war ein klassischer Privatunterricht, allerdings so nebenbei, in der Küche. Das ganze Leben hat sich in der Küche abgespielt. Leider war der Zeichenunterricht in der Schule kein Zeichenunterricht für mich, eher so etwas wie eine Freistunde. Es gab nur Supplierungen! Einmal kam der Religionslehrer, einmal der Turnlehrer... Auch in der Hauptschule war es ähnlich katastrophal und ich hatte in Musik sogar eine Fünf. Normale Berufe interessierten mich wenig, eher welche, die mit Kunst zu tun hatten. Ich wollte Musik oder Modezeichnen machen. Ich absolvierte die Aufnahmeprüfung am Konservatorium Wien, studierte dort Jazz-Schlagzeug und dann klassisches Schlagwerk an der Hochschule bei Prof. Ocmec. Später kamen noch 2 Jahre an der SAE hinzu.

Musik und Malerei haben den Vorteil, Gefühle auszudrücken. Warum gabst du nach dem Musikstudium der Malerei den Vorzug, in der du ja Dilettant warst?
Die Realität verdrängte allmählich meine Träume. Ich musste erkennen, dass man hier nur sehr schwer seinen Lebensunterhalt mit der Musik verdienen kann. In Österreich gibt es nur E- oder U-Musik, beide Richtungen sind extrem kommerzialisiert, der Rest dazwischen wird einfach nicht wahrgenommen. Der Kollaps der Musikindustrie war schon während meines Studiums klar vorhersehbar. Daher war schon von langer Hand die Malerei vorbereitet, sozusagen der BPlan. Mit meinen Bildern ging ich 2012 an die Öffentlichkeit. Das Musikschaffen ließ ich ab diesem Zeitpunkt sein. Als einfacher Musikkonsument fühle ich mich nun sehr viel wohler, jetzt fällt der ganze Stress weg und ich kann die Musik richtig genießen!

Foto: Eva Riebler-Übleis
Fotos: Eva Riebler-Übleis
 

Warum malst Du so großformatige Portraits?
Es kommt meinem expressionistischen Malstil sehr entgegen und es wird auch von mir verlangt! Mein Lieblingsformat ist 120 x 160cm. Natürlich male ich auch kleinere Formate, ich brauche dann allerdings immer ein bis zwei Wochen, um mich auf dieses Format einzustellen und akzeptable Ergebnisse hinzukriegen.

Ist deine Kunst gesellschaftskritisch?
Ja, natürlich! Ich bin Künstler geworden, weil ich der klassischen Erwerbsgesellschaft sehr kritisch gegenüber stehe! So ist meine Berufswahl selbst als Kritik an der Gesellschaft zu sehen! Vor allem in meinen Papierzeichnungen begründe ich das und werde dabei noch sehr viel konkreter.

Sind objektive Kriterien in der Kunst generell möglich? Welche?
Meine Antwort ist Nein. Weil zu viele Akteure das Thema Kunst zu ihrem eigenen Vorteil interpretieren und die Grenzen zur Nicht-Kunst dadurch verwischt werden – nach dem Motto – Wer lauter schreit, hat Recht. Ich selbst bewerte Kunst sehr zynisch und altmodisch.

Spielst Du mit einem Thema, sind die Inhalte kodiert? 
Nein, ich greife ein Thema auf und spiele damit herum. Oft habe ich eine konkrete Vorstellung davon, wie eine Serie aussehen soll und was ich damit sagen möchte, andermal lasse ich es einfach mal laufen, um zu sehen, was dabei heraus kommt.

Dein Bezug zum Thema GIER?
Künstlerisch interessant, ich greife dieses Thema öfters auf. Menschlich ist GIER sehr unangenehm und ich lasse mich deshalb nicht lange von „Ihr” schikanieren, sonst wird es mir zu unangenehm.

Ziehst du den Betrachter mit ein?
Ja, ich selbst bin der Betrachter. Schlägt der profitable Kunstbetrieb über Deinem Kopf zusammen? Ich kann davon leben. Meine Galeristen verkaufen mich gut und wir sind zufrieden. Ein bisschen malen nach dem Allgemeingeschmack ist allerdings notwendig.

Dein Arbeitsziel für 2015?
Ich hab heuer drei Solo-Ausstellungen in Lichtenstein, Österreich und Portugal, die Produktion eines neuen Kataloges in mehreren Sprachen steht an, die Webseite gehört überarbeitet und einige Messen, die ich gut rüber bekommen will! Transporte gehören organisiert, Flüge, Hotels, Zollpapiere, Versicherungen etc. Alles ist unheimlich kosten- und zeitintensiv.

Ein gieriges Schlusswort, bitte!
Ich bin jetzt gierig auf ein Wiener Schnitzl!

Hmmm!
Hmmmmm!

Roman Träxler
Geb. am 27. Februar 1970 in Pottenbrunn, NÖ.,lebt und arbeitet in Wien. Studium an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst (bei Prof. Ocmec) in Wien und am Konservatorium der Stadt Wien (bei Prof. Grassmann). Lehrgang für Neue Medien an der SAE Wien.

Austellungen:
2012 Edition Werbach, Wien, „Everyday People”
2013 Galerie Mariahilferstrasse, Graz, „Schmerz”
2014 Galerie Mariahilferstrasse, Graz, „(N)akt” Edition Werbach, Wien, „Monaco Hebdo” Nuno Sacramento Arte Contemporânea, Aveiro, „Monaco Hebdo” Salpoente, Aveiro, „Monaco Hebdo” Museu Anadia, Anadia, „Vinho e Fado” Salpoente, Aveiro, „Vinho e Fado” Biblioteca Municipal, Albergaria-a-Velha, „Pintores Emergentes” Oxholm Gallery, Kopenhagen, „Paperworx” Stilwerk, Wien, „Syrian Breakfast” Art Felicitas Singer, Mauren, „Augen leuchten – Lippen flüstern”
2015 Art Felicitas, Mauren, „Monocromatics+” Galerie Mariahilferstrasse, Graz, „Monocromatics+” Nuno Sacramento Arte Contemporânea, Aveiro, „Monocromatics+”

Galerien/Vertretungen:
Edition Werbach – Wien - Österreich Galerie Mariahilferstrasse - Graz - Österreich Nuno Sacramento Arte Contemporânea – Aveiro - Portugal Oxholm Gallery - Kopenhagen - Dänemark Art Felicitas Singer - Mauren - Liechtenstein

Presse spricht:
"Roman Träxler konnte sich in den letzten Jahren als einer der innovativsten Künstler des Landes etablieren. Es ist an der Zeit, dass auch der internationale Kunstmarkt diesen Künstler wahrnimmt. Seine Arbeiten sind intensiv und mit einem tiefen Verständnis für die Portraitierten angefertigt. Die Gemälde zeichnen sich durch seinen unverkennbaren Strich aus und erzählen Geschichten mit Tiefgang in einer sehr ästhetischen Bildsprache."

Künstler Statement:
"Für mich zeichnet sich ein gutes Bild dadurch aus, dass der Betrachter ihm noch etwas hinzufügt. Ein bereits ganz ausformuliertes macht für mich keinen Sinn mehr. Deshalb ist es entscheidend, dass man sich als Maler zurücknimmt und irgendwo, also genau da aufhört, wo noch etwas unformuliert bleibt. Genau an dem Punkt kommt der Hang zur Reduzierung ins Spiel. Diese Komponente ist mir bei der Malerei wichtig. Die Dauer der Aufmerksamkeit gegenüber einem Bild beträgt ja nur wenige Sekunden. Deshalb ist es nötig, ein Bild bis auf den Punkt zu reduzieren, wo es noch oder nicht mehr fassbar ist. Denn genau da befragt der Betrachter das Bild."