60/Unentwegt/Interview: Ona B.
Ona B.
Interview anlässlich der Ausstellung in der Artothek Krems „Das Heu, der Traum und die Berge“. Die Fragen stellte Eva Riebler-Übleis. Artothek Steiner Landstr. 3/2. Geöffnet, auch an Feiertagen, außer Mo – Mi, bis 30. Aug.
Bist du seit deiner Meisterklasse bei Adolf Frohner unentwegt künstlerisch tätig?
Seit meiner Kindheit bin ich künstlerisch tätig. Ich war sehr oft krank und meine Mutter hat mir schwere, dicke Kunstbände statt Bilderbüchern zum Zeitvertreib gegeben. So ist eine große Liebe zur Kunst entstanden, die mich nie mehr verlassen hat.
Was war dein absolutes Highlight?
Eines war 1991 der gemalte Raum, eine Installation, in der Sezession in Wien, allerdings damals noch in Blau. Und sehr wichtig für mich war 2006 die Ausstellung „Dream“ im Künstlerhaus Wien. Und am wichtigsten ist mir immer die aktuelle Arbeit.
In Deiner Ausstellung “Dream“ im Künstlerhaus Wien hast Du 2006 deine Installation „Dressed to Kill“ aus 130m Fahnenstoff gezeigt. Da hast du über die Empore der breiten Marmorstiege ein großes Kleid wie eine Cliviablüte dekoriert. Heute am Frauentag frage ich dich, ob ein weiblicher Hintergrund hierbei lauert?
Ja, das hat zum Teil mit weiblicher Macht zu tun. Meine Großmutter war sehr dominant aber auch sehr beschützend. Es gibt sehr kraftvolle Frauen! Ich denke dabei auch an Kaiserin Maria Theresia. Diese Arbeit hat aber noch einen anderen Hintergrund. Am Ende der samtenen Revolution in Prag, wurden die Armeelager der Sowjet-Armee aufgelöst und ich konnte eine große Menge Fahnenstoff, aus dem kommunistische Fahnen gemacht wurden, erwerben. Daraus habe ich das grosse Kleid „Dressed to Kill“ gemacht.
Die Farbe ROT ist DEINE Farbe. Du sagtest, SIE hat dich gefunden! Rot bedeutet Spiritualität in Tibet und Glück & Freude in China – das kümmert dich aber nicht besonders – oder?
Doch -Natürlich! Ich habe doch erst durch meine zweimalige Ausstellungstätigkeit in China (Einzelausstellungen Nationalmuseum Peking 2006- und Shanghai Art Museum- 2003, Teilnahme an der Biennale in Peking 2008) diesen Bezug der Chinesen zur Farbe Rot kennen und schätzen gelernt. In Tibet hat mich die große Spiritualität, die durch Rot ausgedrückt wird, sehr beeindruckt. Für mich bedeutet Rot: positive Gefühle, Wärme, Geborgenheit und Energie.
Ist Rot genauso wichtig für deine Performances?
Ja, Rot ist der verbindende Faden bei allen Techniken, die ich verwende.
Deine Wohnräume hast du ausschließlich in und mit Rot ausstaffiert und gestaltet. Ist das nicht zuviel Dynamik, kann man im roten Schlafzimmer überhaupt noch ruhig einschlafen?
Mein Sommeratelier ist innen und außen rot, und ich fühle mich damit sehr wohl und habe einen guten Schlaf, der mir viele Träume und dadurch auch viele Anregungen für meine Arbeit liefert.
Dein Kurator und Galerist Oliver Henn behauptet, dass deine Öl- und Acrylgemälde suggestiv meditativen Charakter haben und verwandte Seelenregungen hervorrufen. Wie siehst du das?
Ich meditiere oft und empfinde die intensive Malerei selbst auch meditativ.
Wenn alles ins Fließen kommt, ist es sehr befriedigend. Beim Betrachter kann das ähnliches hervorrufen.
Apropos, Frauentag: Dein Engagement Richtung Gleichberechtigung, Emanzipation oder Gender etc. ist Dir ein Anliegen?
Ich hatte in dieser Richtung schon immer Ambitionen. Man kann das auch in meiner Zusammenarbeit mit der Künstler/Innengruppe DIE DAMEN sehen.
Es wurde viel für die Gleichberechtigung gekämpft, viel erreicht und inzwischen leider auch schon wieder viel vergessen. Der Kampf ist noch nicht zu Ende. Siehe andere Länder - andere Sitten. Aber auch bei uns gilt heute vieles als Selbstverständlich und wird leichtfertig wieder aufs Spiel gesetzt. Davor möchte ich warnen!
Kämpfst du heute mehr als 1970/80?
Ich kämpfe heute anders. Ich habe mehr Erfahrung und finde mit ruhigen Aktionen auch Gehör. Es ist alles in Veränderung. Aber ich werde nie aufhören anderen Frauen Mut zu machen.
Seit wann bist du autark als weibliche Künstlerin?
Immer schon!
Was hältst du von der weiblichen Emanzipation?
Sie ist noch nicht erreicht, gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit ist noch immer nicht erreicht, gleiche Jobchancen ebenso wenig ! Was das betrifft arbeite ich jetzt mehr im Hintergrund und nachhaltig, das greift mehr, lautstarke Proteste führen eher zur Gegenbewegung. Dennoch sind starke Proteste wichtig, damit die Aufmerksamkeit nicht verloren geht. Und sie machen Frauen Mut!
Deine Träume, Visionen punkto zurück ins Paradies?
Darüber werde ich immer arbeiten- Das Paradies, der Traum und Visionen sind große Themen, die mich seit Jahren beschäftigen…. Es gibt mehrere Arbeitsgruppen unter dem Titel „Scandal in Paradise“. Dazu gehört auch ein Baumhaus inform einer roten Kugel in einem Apfelbaum, die 10 Personen Platz bietet. Es gibt viele Zeichnungen dazu.
Für die Serie der roten Holz-Heumandlstecken unter dem Titel „das Heu ist schon trocken in den Bergen“ in Lech beeinflusste dich der Gedanke, dass das Naturmaterial Holz in der traditionellen Landwirtschaft wieder vorhanden sein soll. Hast du ähnliche Retro-Anliegen?
Ich möchte mit dieser Land Art Installation den Wandel der kulturellen Praxis bewusst machen. Jeder kann sich seine eigenen Gedanken dazu machen. Die Idee dazu kam mir letzten Sommer in Finnland als Teilnehmerin eines Land-Art-Symposiums. Da habe ich meine erste Skulptur aus diesen landwirtschaftlichen Geräten realisiert. Ich kenne die Heumandln noch aus meiner Kindheit, als sie das Erscheinungsbild der Landschaft in weiten Teilen Europas dominierten. Heute sind sie bis auf wenige Ausnahmen durch maschinelle Systeme ersetzt. Ich möchte damit die Zusammenhänge zwischen Mensch-Landschaft-Tieren und Nahrung in den Blickpunkt rücken.
Ein Teil dieser Installation wird unter dem Titel "THE HAY IS ALREADY DRY IN THE MOUNTAINS" in der Ausstellung "Frederick Kiesler and Contemporary Art" gezeigt, die am 31 / 03 / 2015- im Austrian Forum in New York, eröffnet wird.
http://www.acfny.org/event/display-of-the-centuries/
Deine sozialkritischen Projekte?
Sozialkritik ist überall in meiner Arbeit immanent vorhanden. In meiner Ausstellung in der Artothek sind Bilder aus der Serie „Turkish Delight´s“ von 2010/11 zu sehen, die ich als Artist in Residence in Istanbul machen konnte.
Ich kombiniere in diesen Arbeiten (Mischtechnik auf Leinen, je 100 x 70 cm) Textfragmente aus der OCCUPY – WALL – STREET Bewegung mit aufreizenden Posen leicht bekleideter Damen, aufmüpfigen jungen Frauen, die ihren Weg von der Ware zum selbstbewussten Menschen hinter sich haben. Die ursprünglichen Plakate, Produkte einer Softpornoindustrie, zeigen Frauen in sexuell aufreizenden Posen, als Handelsware. Mit Farbe und Schriften wollte ich diesen Frauen ihre Würde zurück und eine neue Bedeutung geben.
Deine experimentellen Projekte? Welchen gibst du den Vorzug?
Immer den aktuellen. Im Moment interessiert mich am meisten DER TRAUM ! 2014 bei der Biennale in Sinop konnte ich das interaktive Projekt DREAM STORE realisieren. Da habe ich meine Traumsammlung begonnen, an der ich nun intensiv weiter arbeite. Mein Ziel ist eine grosse Installation mit Träumen, eigenen und jenen, die mir zur Überarbeitung überlassen werden.
Was hast du aus deiner KUNST gelernt?
Ich lerne ständig!
Was willst du noch besonders pointieren, umsetzten; bzw. was sind deine Anliegen? Pädagogisch Wertvolles?
Es ist wichtig authentisch zu sein, sein Inneres zu erforschen und einen eigenen Ausdruck zu finden. Das rate ich auch meinen Student/Innen und fördere Sie auf ihrem individuellenWeg.
Deine politische Vision, als verantwortungsvoller, politischer Mensch. Ist jeder Künstler Öffentlichkeitsarbeiter!?
Jeder bewußte Mensch ist politisch wirksam. Mir sind Inhalte wichtig - die formale Umsetzung richtet sich danach. Jeder tut das Seine in seinem Feld, das kann positiv zusammen wirken. Meine Vision: das Verschwinden der Gier.