63/Alles Theater: Eva Riebler-Übleis im Gespräch mit der Intendantin Bettina Hering
Im Landestheater führte Eva Riebler-Übleis mit der Intendantin Bettina Hering, die am Ende der Spielzeit2016 im Sommer als Festspielintendantin nach Salzburg gehen wird. Sie wurde 1960 in Zürich geboren, studierte dort Dramaturgie und Germanistik. Ist als Regisseurin und Intendantin, hier am LandestheaterNÖ seit 2012, tätig.
Seit einem Jahr ist bekannt, dass Sie mit Beginn der Intendanz von Markus Hinterhäuser ab 2017 Schauspielchefin der Salzburger Festspiele werden. Waren die Jahre Ihre Intendanz im Landestheater die richtige Spielwiese vorweg?
Jeder Einstieg ist in unterschiedlicher, diese 4 Jahre stellen eine gewisse Wegmarke dar und ich hab unglaublich viele Erfahrungen gesammelt und fühle mich nach 30 Jahren in diesem Gewerbe gut vorbereitet.
Sind Sie gleichviel engagiert bei Produktionen im großen Haus, in der Werkstattbühne oder bei Kinderproduktionen?
Jede Produktion, die hier im Haus geprobt und geplant wird hat das gleiche Augenmerk. Da unterscheide ich überhaupt nicht zwischen Kinderproduktion oder Großem Haus!
Wo liegt Ihr Herz am meisten?
Die neuen Formate zu kreieren und diese zu entwickeln ist spannend gewesen. Da gehört dazu das Bürgertheater das Klassenzimmertheater und die Personalen, die wir im Rahmen des St. Pöltner Blätterwirbels machen. Ganz neu ist auch die Zusammenarbeit mit den Schauspielschulen.
Mit dem Rainhardseminar und dem Mozarteum Salzburg, die dann jeweils mit einer Produktion hier gastieren. Wir wollen sehen, was der Nachwuchs macht oder machen will. Eine Plattform dem Nachwuchs zu bieten ist wichtig. Und die Zuschauer können sehen, was nachfolgt.
Das Bürgertheater, das Sie vor drei Jahren mit einem äußerst modernen und interessanten Bahnhofsstück „aufgleisen!“, (ein Situationsstück mit Innenschau der am Gleis stehenden Personen) begannen, hatte sehr viel Inneres der Laienspieler hervorgebracht. Bei der Bürgerproduktion im folgenden Jahr suchten sich die Laien ebenfalls selber ihre Text. Und zwar aus 700 Seiten Horvath.
War das Ihre Idee der Regieführung?
Ja, das Bürgertheater war ein neues Format. Durch die Erfahrungen dreier Jahre stehen wir nun auf einem anderen Punkt als damals. Es hat sehr viel Resonanz erfahren, hier in der Stadt, dank renate Aichinger, die das wunderbar machte und macht.
Gemeinsam setzten wir auf, überlegen den Stoff, dann ist es die Sache von Renate, dann diskutieren wir weiter … vor allem bei den Endproben bin ich immer auf dem Laufenden.
Der Kern kommt wieder! Neue und bewährte Kräfte mischen die Gruppe!
Beides ist schön!
Wie überrascht waren Sie als der Nestroypreis für die dritte Bürgertheaterproduktion „Glanzstoff“ spruchreif wurde?
Wir waren schon öfter nominiert und zwar mit verschiedenen Produktionen. Dies war eine ganz besondere Produktion für und in der Stadt. Ich habe mich wahnsinnig gefreut. Vor allem dass eine Bürgertheaterproduktion gewonnen hat!
Ich hab immer die österreichischen Schriftsteller wie Nestroy, Raimund, Josef Roth, Mayröcker, Jandl usw. gekannt und gelesen, schon bevor ich in Zürich studierte und bevor ich in Österreich lebte… Nun bin ich 20 Jahre in Wien!
Robert Schindel schätze ich sehr. Er war bei unseren Jungliteraten-Bewerben, denen wir alle zwei Jahre unter dem Titel LitArena ein eigenes Heft widmen, ein willkommener Juror. Wie war für Sie die Zusammenarbeit mit Robert Schindel?
Ich arbeite immer noch mit ihm, ich mache immer noch die Dramaturgie für „Literatur im Nebel“, seit 10 Jahren! Da lernt man sich gut kennen und tauscht sich über Autoren und Werke aus. Wir integrieren immer jüngere zu arrivierten Autoren. Es ist uns wichtig, dass junge Autoren mitlesen, z. B. Ewald Palmetshofer, Ferdinand Schmalz und Gerhild Steinbuch u.a.
Ich glaube dass mehrere Ingredienzien gibt, das eine ist ein interessanter Spielplan, dann natürlich eine sehr genaue Auswahl der Teams, sprich Regie und Ausstattung, die das jeweilige Stück umsetzen sollen und ein gutes Ensemble. Vor allem ein engagiertes und konstruktiv denkendes Team, mit dam man zusammenarbeiten kann. Jede Woche haben wir jour-fixe mit den Abteilungsleitern. Und dann brauchts ein offenes Publikum, das neugierig ist und Lust hat, sich auf Neues einzulassen!
Wie finden Sie das Publikum hier in St.P.?
Offen und neugierig und interessiert! Und das ist die tollste Voraussetzung! Es lässt sich auf vieles ein. Die Leute goutieren, dass wir genau in der Vorbereitung sind, wir uns etwas überlegen und auf höchstem Niveau produzieren.
Ja und durch die Gastspiele, die für St. Pölten ungewöhnlich waren und die ein Fenster nach außen aufgemacht haben. Das Publikum hat hier keinen Dünkel!
Sie haben ein so tolles Theaterensemble aufgebaut. Wenn ich nur an Swintha Gersthofer, Pascal Groß, Jan Walter, Mario Reiser etc. denke, muss ich sagen, dass ich in jedes unbekannte oder auch ungeliebte Stück gehe, wenn diese Schauspieler am Plan stehen. Ich schätze ihre Authentizität und ihr Engagement. Sehen Sie dies mit als Erfolg des Landestheaters?
Ja. Auch Lisa Weidenmüller, Tobias Vogt ist neu gekommen und auch in diesem Jahr sind Magdalena Helmiig und Lukas Spisser.
Außerdem bemühe ich mich etwas für das Publikum zu machen. Wir haben außer dem Klassenzimmertheater, das sofort ausverkauft war, auch ein Jugendabo und ein After Work Abo eingeführt.
In diesem Haus ist ein Ensemble, das prägt und gibt ihm ein Gesicht, während man in Salzburg ohne Ensemble, weil es ein Festival ist, arbeiten wird.
Das „Stationentheater“ erlebte ich so richtig bewusst in ihrem ersten Jahr hier beim Faust, der gleichzeitig auf der Werkstattbühne und dann im großen Haus spielte. Das Publikum wanderte…
Ja, das war eine meiner ersten Produktionen hier in St.P. Noch mal ein neuer Schritt für das Bürger- und Landestheater war die Glanzstoffproduktion, für die wir andere Spielstätten, und zwar außer Haus suchten. Und bei der heurigen Bürgerproduktion 4,0 mit dem Titel „Stadtgeschichten“ gehen wir in die Stadt hinein.
An mehrer Orten in der Altstadt. Wir müssen gerade die technischen Bewilligungen einholen, dann wissen wir definitiv, wo wir spielen können!
Können Sie ohne Theater leben?
Finanziell nein, ideell gesehn` möchte ich nicht ohne Theater leben!
Ja, das ist wichtig! Schauspieler wie Regisseure guck ich mir in Wien an. Seit letztem Jahr bin ich mehr in Salzburg unterwegs und werde die Reisetätigkeit verstärken und dann zwei Wohnsitze haben müssen…
Haben Sie einen Wunsch für heuer?
Dass wir noch eine anregende und aufregende Restspielzeit vor uns haben und uns auf die zwei Gastspiele und uns gemeinsam freuen auf die weiteren fünf Premieren!