28/ Lyrik: Weltallrocker, Christian Schreibmüller
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etcetera 28/ SCHUND/ April 07
Er lebte in einem eisigen Saal
So schlimm der Saal auch aussah:
Er glaubte, er sei Gott. Doch sagte er
„Meine Mutter war eine hässliche Hure
Er stützte sein Kinn auf beiden Händen ab,
bevor er leise noch weiter ihren Marktwert
„Sie hatte einen Leberfleck –
In mancher verlassenen, endlosen Nacht
Das Rücken der riesigen Kästen und Tische
Wenn er dann um sechs Uhr Früh
Die Partie gegen die Hyäne der Tablettensucht.
Die Biester bissen sich blutig
Wenn er nachmittags erwachte, wusste er, das Grauen
Er wusste nicht mehr, ob die Ruine existierte
Er wusste auch nicht, ob nicht die ganze Welt
„Doch irgendwann“, so delirierte er,
Auch in den nächsten Nächten hörten wir
Sie waren nun immer in seiner Nähe.
Es knirschte so laut, dass wir wussten,
Die Hölle der Baracken,
Einer von uns sagte lächelnd und leise:
Irgendeiner musste Meldung machen
Heute aber, Jan, der du dein Leben
Vor allem auch wir waren
In deiner Welt des einen Saales, |
Biografie: Christian Schreibmüller
Geb. 1949; Autor, Fotograf, Journalist und Regisseur von Fernsehdokumentationen wie „Elektronische Affären“ (ARTE), „Fetisch“, „Trauermärsche“, „Das massakrierte Christkind“, „Geheime Gärten“, „Phettberg - ein schwerer Fall“ (ORF); Mitwirkender beim Ersten Wiener Lesetheater; Theaterschauspieler (u.a. bei Kurt Palm sowie am Burgtheater). Zahlreiche Fotoausstellungen im In- und Ausland. Fotos, Lyrik und Erzählungen u. a. in „Abenteuer Lust“, „Mein heimliches Auge“. Lyrikband „Phantasiedehitze“. Veröffentlichung von Gedichten und Erzählungen in Literaturzeitschriften wie Wespennest und Wienzeile; Reportagen in den Zeitschriften Wiener, Wienerin, Stern, Profil u.a. Bereitet derzeit den Lyrikband „Kannibalenromanze“ vor und arbeitet an dem Roman „Los(t) Angel(e)s“, einer Art literarischem Road Movie.