31/ Lyrik: Hahnrei Wolf Käfer
Hahnrei Wolf Käfer
das salz der zirkuslebens
die werbung hat
uns abgerichtet
zeig die zuckerseite
allez hopp
spring durch
den feuerring
meines witzes
allez hopp
greif nach dem
trapez meines
tiefen ausschnittes
gestylte dompteure
sind wir
wohldressiert
aufs peitschenknallen
der werbung
reingefallen
deine figur
bussi!
deine stimme
champagner!
deine küsse
hochprozentig!
deine beine
klasse!
deine brüste
butter!
deine augen
zucker!
deine hände
brot
(nebst miete
schnaps
spielschulden
alimenten
und was der herr
halt sonst noch
so braucht)
weit hergeholt
nicht nur cotton fields
auch die zuckerrohr
plantagen
schimmerndes gold
für die siedler
und schimmelndes brot
für die sklaven
öko-esotherische kindheit
totales zuckerverbot
war unser tägliches brot
lange zähne
aber gesunde
auf süßigkeiten
das lohnversprechen
‘ewige gesundheit’
unüberprüfbar und
jenseitig
frankls rezept
so hart kann das brot
gar nicht sein
wenn man lang genug
darauf herumkaut
und die zähne
das aushalten
fügt das speicheln
als zugabe
süßigkeit in den brei
Biografie: Hahnrei Wolf Käfer
Dem Jahrgang gemäß (1948) mehr mit Peitsche als Zuckerbrot erzogen. Nach bewegter Erwerbslaufbahn (Hilfsarbeiter, Universitätslektor in Japan, Reitlehrer, Jazzmusiker…) heute freischaffend. Zuletzt erschienen ‚VorUrTeil’ (Krimi), ‚kultur nach gärtnerinnenart’ ‚Sicher kein Wunder, Senryu von einem, der Vater wurde’ (beides Lyrikzyklen)