32/ Lyrik: Regeneration, Eszter Váci
REGENERATION
Eszter Váci
der Frühling regnet sich in den Herbst hinüber
ohne die Amseln Sonne trinken zu lassen
wie noch in Zeilen des Wortklangmalers
bei ihm wurden die Herzen zu Gärten
hier liegen sie brach im Stadtsumpf nieder
überzogen von Armeen nacktbrauner Schnecken
die sich nur vermehren
um hausierend in Keller einzufallen
aus allen Gärten strahlen statt der Lieder
feucht ausgekrächzte Lärme von Brütern
denen es ihre Melodie verhagelt hat
zwischen Huschen signalisiert eine Rauchfahne
die Kapitulation des letzten Grillgutsherrn
der mit der Opferung von Tierstücken
die große Glut herunter beschwören wollte
während sein Ableger bleich und aufgeschwemmt
von zu wenig Wärme und zu viel Berieselung
in der Laube matt vor Scheiben einsitzt
anstatt im Leben zu glänzen
ich bin heute vom Rauschen am Fenster erwacht
mit einem Altweiberschmerz im Fingerknoten
der mich daran erinnert
auch ohne Amsel zur Feder zu greifen
bevor der Regen verstummt
und alle heitergrün zurück lässt
Kurzbiografie: Eszter Váci
Geb. 1971, Hamburgerin. Schreibt Kurzprosa und Lyrik.
Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien.
Gestaltung von Veranstaltungen, Moderation.
www.esztervaci.de