33/ Lyrik: Simon Konttas

Simon Konttas
EINE BEOBACHTUNG

 

Zebrastreifen über Pflasterstein.
Die Ampel auf Rot und Nieselregen.
Ich warte.
Dort, mir gegenüber, in
Hosen, die eng, in einer Kappe
Aus Regenbogenfarben (und anderen mehr)
Und beiger Jacke bis zur Hüfte; langes Haar,
Obligat, eine schöne Nase,
Steht er.
Der Anarchist. Der Vegetarier, der immer
Lächelnde, der mit der Stofftasche, ein
Gut aussehender Mann, ein junger (Bin
Ich jemals unansehnlichen Rebellen begenget?
Alles hübsche, schöne, schlanke,
Windige Geister, die nicht scheuen müssten,
Natürlicher sich zu geben)
Und wartet!
Ja, wie ich da stehe:
Erst der Neid auf diesen unstiefmütterlich
Benaturten, den Sprössling, diesen
Und dann: er wartet!
Und schon lache ich ihn aus, insgeheim.
Wärst du nur nach dem Lastwagen über
Die Strasse gelaufen.
Das hätte deinen Goldlöckchen besser gestanden
Und deinen Beinen, diesen Waldläuferläufen, du
Anarchist.

 

Biografie: Simon Konttas

Geboren 1984. Finnisch-serbischer Abstammung. Nach Matura in einem katholischen Gymnasium Beginn des Studiums der ev. Fachtheologie in Wien. Universitätsassistent, Lektor, Nachhilfelehrer. Nach Krankheit Aufenthalt in Finnland. Umzug nach Finnland. Einführung in Gesang und Kompositionslehre bei M. Slobodeniuok. Seit 2005 hin und wieder Predigttätigkeit und diakonische Aufgaben. Bis dato Veröffentlichung in Anthologien, Lyrik und Prosa.