35/ Lyrik: Christoph Janacs

Christoph Janacs

 

Auszählreim

 

 

einer hat dich vergessen,
einer hört nicht mehr zu,
einer, fürcht ich, bin ich
und einer du

 

 

Märchenende

 

 

der Wolf
ist tot

 

es bleibt
die Angst

 

 

Tür

 

 

ganz nah und sehr fern
fiel eine Tür ins Schloß

 

Anfang oder Ende
läßt sich nicht sagen

 

der Klang jedenfalls folgt mir
seit meiner Geburt

 

 

Milch

 

 

da steht nun das Kind,
die Milchscherben betrachtend,
Blut an den Fingern,
kein Auge für den Himmel,
in dem sich spiegelt die Milch

 

ich kann nicht sagen,
was aus ihm geworden ist.
ich weiß nur eines:
der Himmel ist verschwunden,
geblieben sind die Scherben

 

 

Kurzbiografie: Christoph Janacs

Geb. 1955 in Linz/OÖ, lebt in Niederalm/Sbg.; Lyrik, Prosa, Essays und Übersetzungen. Viele Preise und Stipendien. Zahlreiche Publikationen von Romanen, zuletzt Schlüsselgeschichten (2007), Gedichtsammlungen Die Ungewissheit der Barke / la barca sin certidumbre (2008) und nachtwache (2008), die Aphorismensammlung Meteoriten (2004) sowie Herausgeber von Anthologien. www.janacs.at