37/ Lyrik: Trinker. Marc Canal
Marc Canal
TRINKER
Ich hab pro Woche sieben Räusche,
deshalb macht mein Bauch Geräusche
wie gerade eben dieses.
Du gibst mir eine Broschüre,
potentielle Klolektüre
über chronische Gastritis
und sagst: Lies es!
Ich habe einen Fetisch
für Konfekt.
Das finden viele ethisch
nicht korrekt.
Mit zuckersüß verklebten Händen
edle Früchte zu verschwenden,
finden viele Leute schade,
weil die teure Marmelade
so gut schmeckt.
Beischlaf ohne Konfitüre
find ich fade.
Erst mit meiner Jam-Allüre
wird der Koitus perfekt.
Oh, wie gerne ich es spüre,
wenn man mir von meiner Wade
süße Marmelade
leckt.
Literweise braune Brühe
droht mir mein Gedärm zu sprengen.
Verdauungsbrei in rauen Mengen
schon in aller Herrgottsfrühe.
Böser Schmerz – ich schreie, winde
mich in meinen Laken,
bis ich unter furchtbar starken
Schmerzen dann im Klo verschwinde.
Doch mein Schließmuskel verschließt sich
mein Bauch beginnt, sich aufzublähen
und unter qualverzerrtem Krähen
platze ich, mein Kot ergießt sich
auf die Fliesen meines Klos.
Dunkelgrünlich-braune Wände -
nein, es ist noch nicht zu Ende,
geht vielmehr erst richtig los.
Meterhohe Kotfontänen
zerfetzen meinen Leib von innen,
und von meinen Wangen rinnen
große, dicke, heiße Tränen
die sich mit dem Sud vermengen.
Fäkale Salven, dicke, steile,
reißen mich in tausend Teile,
drohen, den Abort zu sprengen.
Kleine Pause. Und dann bläht sich
einmal noch mein Ranzen auf
und entlädt sich. Kurz darauf
falle ich und alles dreht sich.
Ich sehe nichts mehr und versinke
langsam in dem zähen Pfuhl,
bis ich dann von meinem Stuhl
ganz bedeckt bin und ertrinke.
Marc Carnal: Geb. 1986 in Zürich, Journalist ua. für FM4, INDIE, chalk, Radiomoderator (Radiofabrik Salzburg), Fernsehmacher (OKTO, Puls4) und Musiker (Being Markovic).