SH/Lyrik: Hippolytos. Jennifer Erdelmeier

Jennifer Erdelmeier
HIPPOLYTOS

 

Bürgerrechte und Stadtrechte gingen
Hand in Hand spazieren
in der Stadt, an deren
Haaren gezogen und die verpfändet wurde.
Krieg wurde mit ihr gespielt,
als die Kinder keine Lust mehr hatten,
bauten sie eine Mauer
aus Sand und Stein spielten damit
und zeigten den Türken lange Nasen.
Viele kamen und gingen
doch der einsame Wolf blieb.

 

OHNE FRAGE

 

Damals war es wie ein Vorstellungsgespräch,
bevor man aufgenommen wurde,
Geld und Gold musste man haben,
Briefe wurden geschrieben
und dann war man mehr,
als der Nachbar,
nämlich braver Bürger.
Heute geht das automatisch.
Wir erinnern uns nicht
an den quälenden Ringkampf.
Doch was soll´s?
Wir haben besseres zu tun.

 

VORREITER

 

Eingebildet könnte sie sein,
doch dazu ist sie viel zu bescheiden,
obwohl sie sich gerne herausputzt,
und neue Kleider anzieht.
Stolz weht durch die steinernen Straßen
und plötzlich weiß es jedes Kind.
Ätsch!
Wir waren die ersten!

 

 

Jennifer Lynn Erdelmeier

Architektin, geboren 1975 in Köln, hat in Wien an der Akademie der Bildenden Künste studiert und lebt seit Jahren in Berlin. Zahlreiche Veröffentlichungen in Anthologien und Literaturzeitschriften, u.a. in: DUM, KuLi und Krautgarten. 2007/2008 erhielt sie für vier ihrer Kurzgeschichten Preise.