Sonja Gruber: Auf der Bank

Sonja Gruber
Auf der Bank


Sie sind aufgefädelt.
Aufrecht auf der Wartebank.
Es gibt keine.
Keine Bank mehr, keine rechte.

Sie zinsen nicht mehr, sie müssen.
Sie müssen doch dürfen.

Dürfen dürftig an Eisenlehnen lehnen.
Nur nicht liegen, nicht vergnügen.
Nicht wie früher.
Nicht trügen, nicht gleißen, nicht heißen.

Im reißenden Mantel die Peitschen
der namenlosen Treiber.

Geifrige Herren vor strammen Plakaten
schleichen sich ein mit handlangen Stangen.

Der Eid unterm Schreibtisch.
Der Kleindruck verzeiht nicht.

Der Lehntross, der schreit nicht.
Er leidet bescheiden,
er weint in den Wein,
er wartet auf Heim.

Auf einmal ein Schwapp.
Die Anzüge nass,
die Ratten barschwanz.
Das Plastik — bleibt hart.

Sie reiben sich heiter und kippen vornüber.
Der Tümpel der Leichen zu unseren Füßen.
Wir fischen darin nach hinkenden Ziffern.
Die Kette klimpert verspielt ins Genick.


Sonja Gruber
35, Lyrikerin aus Wien, Mutter einer Tochter (*2018), GAV-Mitglied, Veröffentlichung von Gedichten und Miniaturprosa in Zeitschriften und Anthologien, zweiter Gedichtband DICHTUNGEN II erschien im Frühjahr 2020 in der Edition fabrik.transit (Wien).