32/ Prosa: Verweiger mal wieder!, Markus Köhle

VERWEIGER MAL WIEDER!
Markus Köhle

He Fugu, alles im Butter?
Du rufst mich Kugelfisch, du Ausgeburt einer Schrumpellorchel?
Komm mir nicht so, du gedrungener Wulstling du, sonst setzt es eine gastrointensinale Intoxikation, quasi Verdauungsstörung, ich bin nämlich ein Faltentintling mit Hang zu Missgunstleistungen.
Ach, Scheiblettenkäse, lass uns lieber über Verschmelzung reden.
In Ordnung, ist ja auch einer der angenehmeren Dienstleistungen.
Die Beckenbodengrundsatzdebatte muss aber noch geführt werden, dann.
Meinetwegen.
Schneewechteneinfälle sind nicht die besten Ideen.
Du sagst es und wer zu tief ins Gras schaut, hat zu lange Wein gebissen.
Was ich bisweilen nicht missen möchte, letzteres natürlich.
Letztendlich ist alles eine Frage der Betrachtungsweise.
Richtig, ob gut oder scheiße, ist eine Frage der Betrachtungsweise.
Das hat Lebensratgeberqualität, daraus muss was gemacht werden.
Was gemacht werden?
Eine Einrichtung, eine Anlaufstelle, ein Buch oder ein Bürgerservice.
Also Geld.

Njein, sei nicht so fixiert. Mir geht es schon auch um das Ding und den Dienst.
Wirklich wahr?
Ich bin kein Betonpoller, ich habe auch Herz.
Hohlwangigkeit und Grundversehrtheit gepaart mit gespielter Bleifreimütigkeit, das hat dezidiert einen Alternativanstrich.
Du verarschst mich.
Du verkapitalismusmüllst mich.

Zwiebelmaultaschen, ob das Gesinnungsderivat genug ist?
Vor unvorgänglicher Zeit betrieben Köche in Kombüsen strenge Gummiwurstselektion...
Ach was, Seemannsgarn, Schiffermär!
...schwenkten gigantische Kraken in der Pfanne...
...und im Pullauge näherten sich Freak-Waves, gegen die kein Schwappschutzdeckel der Welt ankam, mit Gischt am Kamm und Seebär Käptn Iglo im Gepäck.

Erst aß er Fischstäbchen, dann mit Stäbchen aus kleinen Schüsseln und nun isst er direkt aus dem Gemüsekistel.
Vom Erstsemestrigen über den Bettelstudent zum Bobo, auch eine Entwicklung.
Kalfater mal wieder!

Selbstbewusstseinsschnitzel paniert man am besten mit Mehrwertmehl, Freiheitseiern und Abstraktionsbrösel
Und das Bohnenkochwasser unbedingt nicht trinken! Ist so giftig wie rohe Bohnen. In den Abguss damit, sonst gibt’s Karussellerie im Magen.
Ist ein Schriftsteller eine Mischung aus Zurschau- und Bittsteller?
Ein Schriftsteller ist auch eine Art Dienstleister.
Kunst ist Dienst?
Kunst ist Leistung.
Kunst ist Dienst an der Gesellschaft?
Kunst ist Dienst an der Gesellschaft und an Förderungseinrichtungen.
Deine Beckmesserei nervt.
Ich beckmessere nicht.

Unerheblichkeitsanhäufungen und Permanentbercircerei bringen uns auch nicht weiter.
Er ein Verklemmthemdträger
Sie eine Hosenanzüglichkeitsexekutiererin
Er ein prollig aufgegelter Lackaffe
Sie eine billig aufgetuschte Halbschönheit
Beide breit und so weiter keine Zeit für Zärtlichkeit...
...und deshalb gleich direkt zur Sache...
...hopp-hopp-hopp-hopp-hopp-hopp, Hiobsbotschaft im Galopp...
Ojeh, Dienstleistenbruch!
Unter Satire verstand man ursprünglich eine mit verschiedenen Früchten gefüllte Schale, eine bunte Mischung...
...aus Obstobskuritäten und einer Gemüsegemengelage...
...also satiren wir gerade.
Gewissermaßen ja, wir dienstleisten aber auch. Wir belesen Zuhörwillige, Aufnahmebereite, Unterhaltungsgeneigte.
Und wir schweifen ab und zu gehörig rum...
...um den Brei...
...und die Brotlaibhaftigkeit eines Billa-Männerbrots unterscheidet sich von der des Billa-Frauenbrots vor allem durch die Grobschrötigkeit.
Die Erkenntnis des Jahres und ein Produkt Jahrzehntelanger Trendforschungen.
Womöglich.
Der neueste Trend in der Körperschmucksektion ist im Übrigen die Magenberingerei.
Und welcher Zusammenschluss verbirgt sich hinter der Abkürzung AVA?
Der Augenauswisch-Verein-Allgemeinamputation?
Nein, die Anus-Vulva-Achse.
Darum dreht sich vieles.
Wie auch um den Ball.

Fußball: Eine Querpassposse. Aber noch nicht der Rede wert.
Trix und Flix werden uns noch früh genug eine Dornenkrone im Auge sein...
...und uns ans Fernsehkreuz nageln...
und die Kommentatorenlanzenstiche der Fußball-Übertragungen werden uns den letzten Geist aushauchen lassen...
...und wir werden es nur durch Bier- und Chipszuspruch sowie Hirnbeurlaubung überstehen...
...und wir werden es, nein, wir werden verweigern.
Verweigern?
Ja, wir leisten den Organisationsteams diesen Frondienst der Totalmanipulation nicht. Wir bieten ein Alternativprogramm an. Wir nehmen uns der ebenfalls Verzweifelten an.
Wir nehmen die Fußballverweigerer aus?
Neinnein, ein Ausstiegsprogramm für Gleichgesinnte schwebt mir im Kopf herum, nichts Profitorientiertes. Ein Erfolgerichtigkeitskonzept mit grundguten Absichten.

Ein Öhr, zwei Ohren und Zwirn auf der Stirn, das Schneiderlein ist verwirrt. Wie soll das gehen?
Wart's ab.

(Einen Tag später.)

He Fugu, alles im Butter?
Ja, alles fett, begib dich auf einen Gaumensegeltörn mit mir, lass dich auf ein Zungensaltinbocca ein.
Meinetwegen
Exklusiv, erstmalig und nur für dich, mein Manifest „Der Verweigerwegbereiter“:
Ich höre.
Ich kann Regen riechen, ich kann Schnee sniefen, ich bin Wetterfroschschenkelhaubenkoch
Ich kann Kreise quadrieren, ich kann Zeitabläufe minimieren, ich bin Wunderbarbaumann
Ich kann Blumen bestäuben, ich kann Honig kotzen, ich bin Translebewesenszug
Ich kann Weine kaltern, ich kann Beine altern, ich bin Veredelmagenbitter
Ich kann Häuser stürzen, ich kann Koteletts würzen, ich bin Plattenbaugrillmeister
Ich kann Schiffe knoten, ich kann Chilischoten  mit den Fingern zer- und mir danach die Augen reiben, ich bin Sekretflusskapitän
Ich kann Hosen tragen, ich kann Mäuse jagen, ich bin Schmeichelmuskelkater
Ich kann Strom erzeugen, ich kann die Raumzeit beugen, ich bin Relativitätsenergiesparer
Ich kann Sünden vergeben, ich kann Partys beleben, ich bin Lasterlässlichkeitsanwalt
Ich kann Lappen jammern, ich kann mit Hämmern hammern, ich bin Wischwegwünschelrute
Ich kann Stammbäume stürzen, ich kann die Paradiesapfelzeit kürzen, ich bin Heiratsschwindelschlangenschwanz
Ich kann Dienste leisten, ich kann dienstags leischen, ich bin Vogelfreiberuf-Lichtschalter
Aus
Okay, ich bin mit dabei.
Gut, dann sind wir schon zwei.

(Zu zweit)

Wir können Regen riechen, wir können Schnee sniefen, wir sind Wetterfroschschenkelhaubenköche
Wir können  Kreise quadrieren, wir können Zeitabläufe minimieren, wir sind Wunderbarbaumannfrau
Wir können  Blumen bestäuben, wir können Honig kotzen, wir sind Translebewesenszüge
Wir können  Weine kaltern, wir können Beine altern, wir sind Veredelmagenbitter
Wir können  Häuser stürzen, wir können Koteletts würzen, wir sind PlattenbaugrillmeisterInnen
Wir können  Schiffe knoten, wir können Chilischoten  mit den Fingern zer- und uns danach die Augen reiben, wir sind SekretflusskapitänInnen
Wir können Hosen tragen, wir können Mäuse jagen, wir sind Schmeichelmuskelkatermiezen
Wir können  Strom erzeugen, wir können die Raumzeit beugen, wir sind RelativitätsenergiesparerInnen
Wir können Sünden vergeben, wir können Partys beleben, wir sind LasterlässlichkeitsanwältInnen
Wir können  Lappen jammern, wir können mit Hämmern hammern, wir sind Wischwegwünschelruten
Wir können Stammbäume stürzen, wir können die Paradiesapfelzeit kürzen, wir sind Heiratsschwindelschlangenschwänze
Wir können Dienste leisten, wir können dienstags leischen, wir sind Vogelfreiberuf-Lichtschalter
Aus
Fortsetzung und -pflanzung folgt hoffentlich. Schließt euch uns an. Bis dann.

(Abspann)

Kurzbiografie: Markus Köhle
Geb. 1975, lebt und arbeitet in Innsbruck und Wien. Schreibt seit geraumer Zeit um sein Leben - www.autohr.at