97/Verluste und Verloren geglaubtes/Prosa/Robert Höpfner: Die Weissagung des Käuzchens

Sich selbst überlassen war seit Kindertagen das Grundstück am Ende der Straße. Keiner konnte mich da finden.
Im Frühjahr umfing der blütenweiße Schlehdorn dieses Elysium und der Holunder präsentierte tellerweise seine weißen duftenden Sterne; später errichteten die Brombeeren einen undurchdringlichen Wall. Dahinter reiften die roten Früchte der Hagebutte und das Pfaffenhütchen zeigte seine natürliche Heiligkeit. Wilder Hopfen rankte sich... mehr...

Ros Hartmann: Eva kann nicht schlafen

Ros Hartmann
Eva kann nicht schlafen

Sie bauen unablässig. Die Fäden verbinden sich nicht. Verknotet, verbunden, fixiert wollen sie sein. Transparent und fragil, erinnern sie an ein Spinnengewebe und glitzern im Tau.
Das Bauen ist anstrengend. Die neun Türme sollen den Himmel erreichen, noch heute Nacht. Aber wenn Eva nicht schläft, zerstören ihre Tag-Gedanken dauernd die hauchdünnen Gebilde.
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97/Verluste und Verloren geglaubtes/Prosa/Silvia Hlavin: Die letzte Jahreszahl

„Szervusz anya“1

Vater telefonierte, auf Ungarisch – mit seiner Mutter. Sonja legte den Kajalstift zur Seite, erhob sich und schlich zur Tür, wo sie horchend innehielt. Er sprach von zwei Männern, die seine Gärtnerei kaufen wollten. ›Üvegház‹, Glashaus, und Sonja wusste, dass die Wörter ›Enteignung‹ und ›geringe Ablöse‹ fallen würden, hatte jedoch keine Ahnung, wie diese Begriffe auf Ungarisch klangen.... mehr...