96 / Erinnerung / Prosa / Cornelia Stahl: Die Erinnerung als Paradies

„Die Erinnerung ist das einzige Paradies, woraus wir nicht vertrieben werden können“, meinte der Schriftsteller der Klassik und Romantik Jean Paul (1763 – 1825).
Sein Leben bestand keineswegs nur aus Glücksmomenten. Vielmehr scheiterte sein Versuch, persönliche Lebenserinnerungen festzuhalten. Er brach die Aufzeichnungen kurzerhand ab und widmete sich dem Schreiben von Belletristik, in der er sich fiktiver Biografien bedienen konnte... mehr...

96 / Erinnerung / Prosa / Gabriele Müller: Bilder vom Weggehen

Die Mutter sitzt im Heim; sie strickt nicht mehr; ab und zu nimmt sie noch ein Knäuel zur Hand. Ich streiche Sätze von rechts nach links wieder weg. Ich stricke an einer Geschichte und trenne sie wieder auf. Solange, bis die Mutter nicht mehr im Heim sitzt, sondern neben dem Vater am Friedhof liegt.

1.
Das einzige Bahngleis verschwindet... mehr...

96 / Erinnerung / Prosa / Manfred Ach: Lieber Franz

Lieber Franz,
ich will Dir nicht zu nahe treten. Aber einige Deiner Intimitäten lassen mir keine Ruhe, deshalb dieser Brief. Mit einer Antwort rechne ich nicht. Aber ich hoffe auf wohlwollende Kenntnisnahme.

Was mich immer irritiert in Deinen Texten, ist die Unerreichbarkeit´des Ziels („Gibs auf!“, „Vor dem Gesetz“), verbunden mit den ins Leere laufenden, beunruhigenden oder rhetorischen, weil todesbewussten... mehr...