Susanne Felicitas Wolf: Geburtshelferin. Eva Riebler

Susanne Felicitas Wolf
Geburtshelferin

 
Susanne Felicitas Wolf, Donna W. Cross, Bundesministerin Dr. Claudia Schmied: Foto © Wachau Kultur Melk  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Am 21.06.12 fand bei den Sommerspielen Melk die Uraufführung der Bühnenfassung des Romans „Die Päpstin“ statt. Dabei handelt es sich um die Legende des Mädchens Johanna, geboren 814 in der Nähe von Fulda, das im 9. Jahrhundert, ausgebildet als Ärztin, Päpstin wurde. Entgegen dem Willen ihres Vaters, der Dorfpriester war, erlernte sie von ihrem Bruder Matthias Latein und nahm nach dessen Tod seine Stelle im Seminar, natürlich verkleidet als Mann, ein. Rezensent Ernst Punz und Eva Riebler waren vor Ort und sprachen mit der Drehbuchautorin des Stücks. Die Fragen stellte Eva Riebler.

Unsere etcetera Jubiläumsausgabe Nr. 50 trägt den Titel: Wozu Literatur? Sie schreiben Textbücher fürs Theater, schreiben Sie auch herkömmliche Literatur oder Bücher?

Ich habe bisher bei drei Autobiografien geholfen, hauptsächlich schreibe ich Theaterstücke.

Haben Sie ein großes Bedürfnis das Publikum zu beeinflussen? Was ist für Sie das Wichtigste an der Literatur?

Die Herzen zu berühren, was mich so antreibt ist Menschen und Themen auf die Bühne zu bringen, die uns alle angehen. Auch wenn es alte Stoffe sind, bleiben Berührungspunkte zum heute. Z.B bei Tolstoi ist dies so. Seine unendlich tiefen und weiten Ideen verblüffen. Die Thematik in Krieg und Frieden sehe ich als zeitgemäß.

Haben Sie Donna W. Cross, die Autorin des Romans Die Päpstin, vorher gekannt?

Ich hab sie im Februar dieses Jahres kennen gelernt und die Begegnung hat mich unendlich inspiriert.

Die Autorin ist Amerikanerin. Dieses historische Bewusstsein über den Vatikan hat mich fasziniert und überrascht.

Für das Buch hat sie intensivst recherchiert.

Dass eine Amerikanerin Interesse am historischen Stoff hat verblüfft.

Ernst Punz: Sie hat nur eine Zeile irgendwo über die Päpstin Johanna gelesen.

Und war interessiert. Ja, und freut sich nun über die bühnenwirksamen Umsetzung. Und es war ihre Freude, dass eine Frau diese Fassung geschrieben hat, da das Musical und der Film jeweils von einem Mann umgesetzt wurden. Ich habe für Melk eine besonders filmische Schreibweise benutzt, wie bereits für die Theaterfassung von Krieg und Frieden, die ich ebenfalls für Alexander Hauer geschrieben habe.

Wie sehr haben Sie sich an die Romanvorlage gebunden gefühlt?

Ich habe sehr viele Motive aus dem Roman übernommen, mit eigenen Ideen und spirituellen Fragen verschmolzen.

Es waren 127 Szenen und viele Originalzitate wie: „In einigen Monaten wird der Heilige Vater Mutter.“ Mit diesen Worten befundet sich die Päpstin selbst.

Ja, ich übernahm einige Textstellen aus dem Roman und einige Handlungsstränge, daher auch die Dauer von drei Stunden.

Die Schwierigkeit ist, etwas wegzulassen und zu kürzen.

Ja. Zur Verwunderung der Autorin wurde sehr viel aus dem Original Vorhandenes übernommen.

In Amerika würde die Fassung zu intellektuell sein, meinte Donna W. Cross.

Das kann ich nicht einschätzen.

Wie finden Sie die Bühne, statt wie die Jahre davor im Barockgarten platziert, nun hier unter dem Stift Melk und die beleuchtete Fassade des Stiftes als Kulisse? Ist es der Welt schönstes Bühnenbild?

Ja, wunderbar, großartig!

Danke für das Interview, der Pressefotograf wartet.

 

Susanne Felicitas Wolf
Geb. 1964 in Mainz. Sie studierte Theaterwissenschaft/Fächerkombination (Mag. phil.) in Wien, wo sie seit 1982 lebt. Nach Regieassistenzen war sie als Gastdramaturgin bzw. Hausdramaturgin tätig u. a. am/für: Schauspiel Frankfurt, Volkstheater Wien, Niederösterreichisches Donaufestival, Schauspielhaus Wien. Seit 1990 schreibt sie Texte und Stücke. Von 1990-2000 realisierte sie eigene, freie Theaterproduktionen in Wien und Deutschland, oft auch als Regisseurin. Seit 2000 ist sie spezialisiert auf „Wiener Komödien“ und entwickelte eine eigene Kunstsprache. 2003 bis 2006 Gastdozentur an der Universität Wien, Institut für Theater-Film- und Medienwissenschaft: Schwerpunkt Dramaturgie & Schreibworkshops. 2004 bis 2007/08 arbeitete sie in Wien als stellvertretende künstlerische Leiterin und Hausautorin des neu gegründeten Wiener Lustspielhauses. 2006 erhielt sie das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich.
www.susannewolf.at

LitGes, etcetera Nr 50/ Wozu Literatur?/ November 2012