Allmen und die Dahlien: Martin Suter. Rez.: Ingrid Reichel

Ingrid Reichel
Kein Blumenstrauß vom Markt

 

Allmen und die Dahlien
Martin Suter

Roman
Zürich: Diogenes Verlag, 2013. 214 S.
ISBN 978-3-257-06860-3

Während ihres letzten Falles „Allmen und der rosa Diamant“ hat das ungleiche Detektivduo Johann Friedrich von Allmen, kurz Allmen genannt, und sein Butler Carlos eine Mitbewohnerin dazugewonnen: María Moreno. Sie unterhält eine feste Beziehung mit Carlos und hilft im Haushalt. Außerdem spricht sie neben Spanisch, fließend Deutsch und Englisch, das sie als begabte Telefonistin und Vorzimmerdame auszeichnet. Carlos arbeitet weiterhin als Gärtner und Hauswart für die Treuhandfirma, die Allmens Elternhaus gekauft und ihm das Gärtnerhaus auf Lebzeiten überlassen hat. Doch alle drei leben in Ungewissheit, Carlos und Maria fehlt nach wie vor die Aufenthaltsgenehmigung in der schönen Schweiz und Allmen das nötige Geld, um seine Extravaganzen zu finanzieren. Gerade zum richtigen Zeitpunkt bekommt Allmen einen vielversprechenden Anruf einer Frau Talfeld. Sie stellt sich als Hausdame einer steinreichen alten Dame heraus, Dalia Gutbauer, der ein Ölgemälde des bekannten französischen Malers des Realismus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Henri Fantin-Latour gestohlen wurde. Dabei handelt es sich um ein Dahlienbild, zu dem sie eine starke emotionale Bindung hat: „Es war der teuerste Blumenstrauß, den mir je ein Mann geschenkt hat.“

Gewohnt eloquent weiß Suter, den Leser in eine fast vergessen Welt einzuführen. Ein Schlosshotel am Seeufer im alten Stil, der den heutigen Ansprüchen längst nicht mehr gerecht wird, vermittelt den Glanz vergangener Tage. Unter einer Glocke der zarten Melancholie bietet es wenigen alten, aber noch wohlsituierten Herrschaften einen (scheinbar!) würdigen Altersrückzug. Im Buch liegt eine Karte bei, mit dem Abdruck des, so scheint es, schönsten Dahlienstraußes der Welt, auf den sich Allmen, Carlos und María auf die Suche machen. Diesmal hält Suter seine Leser besonders in Spannung, denn der Fall der Dahlien erweist sich als Anfang eines neuen Allmen-Abenteuers! Gediegene Atmosphäre, Kultur vom Feinsten, schmackhaftes Essen und erlesene Weine machen es einem nochmals schwerer, ein ganzes Jahr auf die Fortsetzung zu warten…

LitGes, August 2013