39 / Lyrik: O Leib voll Blut und Säften! Richard Weihs

 

 

 

 

 

Richard Weihs
O LEIB VOLL BLUT UND SÄFTEN!

 

O Leib voll Blut und Säften
voll schändlichem Begehr’n
Beherrscht von dunklen Kräften
die finst’re Triebe nähr’n
O Leib, der immer wieder
mich hinterrücks versucht
Ihr unkeusch prallen Glieder
seid tausendmal verflucht!

 

Die höllisch geile Wollust
in meinen Adern pocht
Satanisch heiß und voll Lust
das böse Blut mir kocht
Statt dass ich bitter büßte
bin ich von Gier entflammt
Ihr fleischlichen Gelüste –
seid tausendmal verdammt!

 

Ihr grundverderbten Weiber
habt schamlos mich verführt
Befleckt sind eure Leiber
die meine Lust geschürt
Ach Gott, es ist mein Leben
verwerflich und verrucht
Oh weltlich sünd’ges Streben –
sei tausendmal verflucht!

 

Den lasterhaften Trieben
mach ich jetzt den Garaus
Es steht im Buch geschrieben:
Ein böses Glied reiß aus!

 

Ach, steht mir bei, ihr Engel!
Dann nehm ich schnell ein Beil
und opf’re meinen Schwengel
fürs ew’ge Seelenheil!

 

(Singbar zur Melodie:
O Haupt voll Blut und Wunden)


{C}

Richard Weihs:

Geboren 1956 in Wels. Lebt seit 1964 in Wien, seit 2004 auch in NÖ. Kabarettist, Autor, Musiker von vielen LPs, CDs und Büchern, u.a. „Der Blues Gustl – Eine Wiener Legende“ (Edition Aramo), „Wiener Wut – Das Schimpfwörterbuch“ und „Wiener Witz – Der Schmähführer“ (beide Uhudla Edition). Die Gedichte stammen aus dem Buch „Kleine Freiheiten“, das im Frühjahr 2010 im Arovell Verlag erscheinen wird.

http://members.aon.at/richard.weihs

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37/ Lyrik: Attacke. Martin Dragosits

Martin Dragosits
ATTACKE

 

komm blöder tod
ich hacke dir die hände ab
splittere deine knochen
trete ehrgeiz
konsequenz aus deinem leib
spucke nebenhöhlen
schleim dir ins gesicht
bevor du aufstehst notwehr
schreist und mich erschlägst

 

Martin Dragosits: Geb. 1965 in Wien, dort lebend. Berufliche Erfahrung als Software-Entwickler, Projektmanager und Teamleiter. Lyriker. Zuletzt: „Der teufel hat den Blues verkauft“, Arovell, 2007. mehr...

37/ Lyrik: Trinker. Marc Canal

Marc Canal
TRINKER

 

Ich hab pro Woche sieben Räusche,
deshalb macht mein Bauch Geräusche
wie gerade eben dieses.
Du gibst mir eine Broschüre,
potentielle Klolektüre
über chronische Gastritis
und sagst: Lies es!

 

Ich habe einen Fetisch
für Konfekt.
Das finden viele ethisch
nicht korrekt.
Mit zuckersüß verklebten Händen
edle Früchte zu verschwenden,
finden viele Leute schade,
weil die teure Marmelade
so gut schmeckt.
Beischlaf ohne Konfitüre
find ich fade.
Erst mit meiner Jam-Allüre
wird der Koitus perfekt.
Oh, wie gerne ich es spüre,
wenn man mir von meiner Wade
süße Marmelade
leckt.

 

 

 

Literweise braune Brühe
droht mir mein Gedärm zu sprengen.
Verdauungsbrei in rauen Mengen
schon in aller Herrgottsfrühe.
Böser Schmerz – ich schreie, winde
mich in meinen Laken,
bis ich unter furchtbar starken
Schmerzen dann im Klo verschwinde.
Doch mein Schließmuskel verschließt sich
mein Bauch beginnt, sich aufzublähen
und unter qualverzerrtem Krähen
platze ich, mein Kot ergießt sich
auf die Fliesen meines Klos.
Dunkelgrünlich-braune Wände -
nein, es ist noch nicht zu Ende,
geht vielmehr erst richtig los.
Meterhohe Kotfontänen
zerfetzen meinen Leib von innen,
und von meinen Wangen rinnen
große, dicke, heiße Tränen
die sich mit dem Sud vermengen.
Fäkale Salven, dicke, steile,
reißen mich in tausend Teile,
drohen, den Abort zu sprengen.
Kleine Pause. Und dann bläht sich
einmal noch mein Ranzen auf
und entlädt sich. Kurz darauf
falle ich und alles dreht sich.
Ich sehe nichts mehr und versinke
langsam in dem zähen Pfuhl,
bis ich dann von meinem Stuhl
ganz bedeckt bin und ertrinke.

 

Marc Carnal: Geb. 1986 in Zürich, Journalist ua. für FM4, INDIE, chalk, Radiomoderator (Radiofabrik Salzburg), Fernsehmacher (OKTO, Puls4) und Musiker (Being Markovic). mehr...