Bürgerrechte und Stadtrechte gingen
Hand in Hand spazieren
in der Stadt, an deren
Haaren gezogen und die verpfändet wurde.
Krieg wurde mit ihr gespielt,
als die Kinder keine Lust mehr hatten,
bauten sie eine Mauer
aus Sand und Stein spielten damit
und zeigten den Türken lange Nasen.
Viele kamen und gingen
doch der einsame Wolf blieb.
OHNE FRAGE
Damals war es wie ein Vorstellungsgespräch,
bevor man aufgenommen wurde,
Geld und Gold musste man haben,
Briefe wurden geschrieben
und dann war man mehr,
als der Nachbar,
nämlich braver Bürger.
Heute geht das automatisch.
Wir erinnern uns nicht
an den quälenden Ringkampf.
Doch was soll´s?
Wir haben besseres zu tun.
VORREITER
Eingebildet könnte sie sein,
doch dazu ist sie viel zu bescheiden,
obwohl sie sich gerne herausputzt,
und neue Kleider anzieht.
Stolz weht durch die steinernen Straßen
und plötzlich weiß es jedes Kind.
Ätsch!
Wir waren die ersten!
Jennifer Lynn Erdelmeier
Architektin, geboren 1975 in Köln, hat in Wien an der Akademie der Bildenden Künste studiert und lebt seit Jahren in Berlin. Zahlreiche Veröffentlichungen in Anthologien und Literaturzeitschriften, u.a. in: DUM, KuLi und Krautgarten. 2007/2008 erhielt sie für vier ihrer Kurzgeschichten Preise. mehr...
SH/Lyrik: St. Pölten - eine Versuchung. Doris Kloimstein
Doris Kloimstein ST. PÖLTEN – EINE VERSUCHUNG
Traisenwasser
ein Wasser
kein Wasser
ein Mühlbach
St. Pölten
ein Mühlbach
Gottes Mühlen
mahlen langsam
ein Bild
dieser Stadt
für die Zukunft
mit allen Wassern
gewaschen
farbenfroh
von Malern
gemalt
und Malerinnen
der Stadt
geschenkt
Doris Kloimstein
Geb. 1959 in Linz. Studium der Dramaturgie, Wien. Autorin und Pädagogin, zurzeit in St.Pölten in der Erwachsenenbildung tätig. Zahlreiche Veröffentlichungen, zuletzt: Theaterstück „Paganini oder die Überschwemmten von St. Etienne“, Auff. Theaterforum Schwechat 2004. „Blumenküsser“, Kurzgeschichten aus dem Atlantischen Urwald Brasiliens, Edition Innsalz 2007.
Doris Kloimstein ST. PÖLTEN – EINE VERSUCHUNG
Traisenwasser
ein Wasser
kein Wasser
ein Mühlbach
St. Pölten
ein Mühlbach
Gottes Mühlen
mahlen langsam
ein Bild
dieser Stadt
für die Zukunft
mit allen Wassern
gewaschen
farbenfroh
von Malern
gemalt
und Malerinnen
der Stadt
geschenkt
Doris Kloimstein
Geb. 1959 in Linz. Studium der Dramaturgie, Wien. Autorin und Pädagogin, zurzeit in St.Pölten in der Erwachsenenbildung tätig. Zahlreiche Veröffentlichungen, zuletzt: Theaterstück „Paganini oder die Überschwemmten von St. Etienne“, Auff. Theaterforum Schwechat 2004. „Blumenküsser“, Kurzgeschichten aus dem Atlantischen Urwald Brasiliens, Edition Innsalz 2007. mehr...
35/ Lyrik: Christoph Janacs
Christoph Janacs
Auszählreim
einer hat dich vergessen,
einer hört nicht mehr zu,
einer, fürcht ich, bin ich
und einer du
Märchenende
der Wolf
ist tot
es bleibt
die Angst
Tür
ganz nah und sehr fern
fiel eine Tür ins Schloß
Anfang oder Ende
läßt sich nicht sagen
der Klang jedenfalls folgt mir
seit meiner Geburt
Milch
da steht nun das Kind,
die Milchscherben betrachtend,
Blut an den Fingern,
kein Auge für den Himmel,
in dem sich spiegelt die Milch
ich kann nicht sagen,
was aus ihm geworden ist.
ich weiß nur eines:
der Himmel ist verschwunden,
geblieben sind die Scherben
Kurzbiografie: Christoph Janacs
Geb. 1955 in Linz/OÖ, lebt in Niederalm/Sbg.; Lyrik, Prosa, Essays und Übersetzungen. Viele Preise und Stipendien. Zahlreiche Publikationen von Romanen, zuletzt Schlüsselgeschichten (2007), Gedichtsammlungen Die Ungewissheit der Barke / la barca sin certidumbre (2008) und nachtwache (2008), die Aphorismensammlung Meteoriten (2004) sowie Herausgeber von Anthologien. www.janacs.at mehr...