49/Teddy/Prosa: Fabelhafte Verhältnisse. Thomas Ballhausen

Thomas Ballhausen
Fabelhafte Verhältnisse

Aber eine Armee von Gespenstern beansprucht seine Schuhe.
(Jacques Derrida: Die Wahrheit in der Malerei)

Die eigentlich lähmende Ruhe eines Feiertags und eine auf einem grellbunten Plakat beworbene Attraktion treibt Dich aus Deinem gemütlichen Zimmer, es zieht Dich förmlich auf die Straße, weg von Deiner verlotterten Polizeistation, die Du vor weniger als einem Monat in desolatem Zustand vorgefunden und nach Durchführung der notwendigsten Reparaturen übernommen hast. Du machst einen kurzen Halt beim städtischen Postamt und gibst eine der gefälschten Ansichtskarten auf, die eigentlich eine chiffrierte Nachricht an Deine Dir übergeordnete Dienststelle ist. Adressiert ist das kleine, nachlässig bedruckte Kartonrechteck an Leute, die Du kaum kennst, wie könnte es auch anders sein. In einer Ecke des Amts, unweit des Schalters, lungern ein paar Einheimische, die sich wohl schon vor ihrem Besuch des sich angekündigten Jahrmarkts, ein selten zu sehendes Spektakel in dieser Gegend, das, neben anderen Dingen, eben auch Deine Hoffnung auf billige Ablenkung in diesen tristen Tagen unerfreulicher Ermittlungen geweckt hat, ein wenig mit Fusel betrinken wollen, wohl auch, um Zeit und Geld bei den später erhofften Vergnügungen einzusparen. Einer von ihnen stößt eine Flasche um und Du musst, ganz gegen Deinen eigentlich vorhandenen Vorsatz, Dich bei solchen Geräuschen nicht mehr ruckartig nach deren Quelle umzudrehen, aufschauen, Dir ein Bild machen, wie immer, wenn ein Glas, ein Teller zu Boden fällt oder ein morsch gewordener Stuhl unter dem Gewicht eines Gastes zu Bruch geht. Du betrachtest die sorglosen Gäste, ihre geröteten Nasen und suchst unter ihnen nach Gesichtern, die Dir zumindest entfernt vertraut erscheinen, horchst möglichst genau auf das Geraune ihrer leisen Stimmen.

Du musst Dich sehr konzentrieren um weder aufzufallen noch enttarnt zu werden. Auch das könntest Du  alles verlernen, alles kann wieder verlernt werden. Die einzige natürliche Fertigkeit, die man für Deine eigentliche, vor allen verheimlichte Arbeit je mitbringen musste, war und ist das Lügen. Zivilisatorische Normen kann man ablegen, Regel für Regel, der eigentliche Akt des Tötens geht schneller als erwartet wie von selbst von der sprichwörtlichen Hand. Du hast diese Gabe in Dir entdeckt, auch wenn Du es Dir vorerst kaum zugetraut hattest. Man gewöhnt sich im Laufe der Zeit daran, bis besagte Fähigkeit zum wesentlichsten Teil der eigenen Person geworden ist. Du hast zugesehen, wie es passiert ist. Du hast zugelassen, dass die anderen Teile Deiner Identität davon verdrängt oder gar aufgesaugt wurden. Die Dir immer noch innewohnende Unwilligkeit gegen Deine heimliche Tätigkeit, der sich immer seltener regende Widerstand gegen Dein tödliches Spezialistentum, verschwand unter einem Pflichtbewusstsein, das Du schon länger nicht mehr hinterfragt hast. Um ein Diener des Kombinats zu sein, insbesondere in Zeiten wie diesen, muss man kühl und bedacht sein. Es gilt, zwischen den notwendigen Taten und dem Einsatz der verfügbaren Mittel, zu balancieren, dem zu erhaltenden System, den Werten, für die es angeblich einsteht, und dem erzwungenen Frieden, den es angeblich bedeutet, zuzuarbeiten.

Dass dieses System immer mehr Risse bekommen hat, dass der vermeintliche Friede in offenen Krieg umgeschlagen war, hatte Dich erst zu interessieren begonnen, als es unvermeidlich geworden war. Doch auch dann hat Dein Engagement, hat es auch Dein Gewissen etwas erleichtert, Deine Situation nicht verbessert. Dein Aufenthalt in dieser elenden Kleinstadt in der östlichsten Provinz des Reichs hat nicht unwesentlich mit Deinen lange Zeit unwidersprochen durchgeführten Arbeiten und Deinem einzigen, kurzen Widerspruch zu einem besonders ungünstigen Moment zu tun. Davon wird an anderer Stelle mehr zu lesen sein, jetzt musst Du Dich auf den Jahrmarkt, diese von Dir eigentlich seit Kindertagen zutiefst verachtete und als minder eingestufte Unterhaltungsform, einstellen. Doch hier wird die Stadtbevölkerung versammelt sein, hier wirst Du etwas lernen können, schneller und effektiver. Hier wirst Du ihnen außerdem eine Lektion erteilen können, ganz nebenbei und Du wirst, wenn Du Glück hast und Dich geschickt anstellst, ein paar der Wölfe enttarnen, die unter diesen von Dir verabscheuten Schafen noch immer unbehelligt leben. Sie und Du, das wird Dir hier in der Enge des Postamts wieder deutlich, ihr seid nicht von der gleichen Art.

Die Buden und kleinen Hütten des Jahrmarkts sind auf einem weitläufigen Platz und einem angrenzenden, unbetonierten Feld, das am nahen Waldrand entlang verläuft, aufgebaut worden, ganz einer kleinen Stadt gleichend, die sich inmitten einer größeren entfaltet und ihre ungewöhnliche Belagerung gleich inmitten der Mauern der einzunehmenden Siedlung begonnen hat. Die papierenen Ankündigungen, die billigen Plakate mit ihrer Unausgewogenheit in Typografie und Bild haben nichts versprochen, was hier nicht geboten wird. Die durch das Kombinatsgebiet wandernden Schausteller haben flink ihr Reich aufgeschlagen, das nur eine Nacht währen soll und nichts zurücklassen wird außer Müll, schweren Köpfen und leeren Börsen. Die Stadtbewohner drängen sich an Dir vorbei, während Du zwischen den Buden scheinbar planlos herumläufst, getragen von einer oberflächlichen Begeisterung, die fast darüber hinwegtäuscht, dass sie nur hier sind, weil es eben nichts anderes zu tun gibt. Du beobachtest, wie sie kleine Münzen für billigen Tand und schlecht zubereitete Speisen ausgeben, wie sie aus der bunten Vielzahl exotischer alkoholischer Getränke wählen. Du spürst ihre Enttäuschung, die sie sich gegenseitig nicht eingestehen wollen, Du erhaschst einen Blick auf ihre Neugier, auf ihren unleugbar vorhandenen Wunsch nach etwas Echtem in all diesen Fälschungen und Repliken. Wie wenig sie das Tatsächliche aber erkennen könnten, wird Dir mit jedem gemachten Schritt und mit jeder registrierten Geste bewusster. Nicht nur, dass ihnen offensichtlich die Fähigkeiten zur Unterscheidung fehlen, wollen sie trotz ihres ihnen vielleicht selbst nicht ganz klaren Verlangens nach etwas Echtem, doch vor allem Neues oder Vertrautes in noch unvertrauter Gestalt sehen. So wie sie sonst zu den öffentlichen Hinrichtungen und Schauspielen der Macht des Kombinats strömen, vor allem, so musst Du annehmen, um sich selbst in ihren Rollen und Funktionen, in ihrer sich selbst zugeschriebenen Wichtigkeit bestätigt zu wissen, treiben sie sich nun auf dem Jahrmarktsgelände herum. Aus dem Gewirr ihrer Stimmen filterst Du die wichtigsten Sätze und Wörter heraus, hörst auf die hoffentlich wesentlichen Dinge.

Du blendest den dumpfen Rest aus, schiebst ihn im Geiste wie bei einer Turnübung beiseite, versetzt große akustische Blöcke an den Rand Deiner Gedankengänge, bis nur noch die zentralen Elemente übrig bleiben. Zwischen diesen rot visualisierten Linien musst Du navigieren, Du musst Dich bewegen und so agieren, dass man Dir Dein Geschick möglichst noch nicht ansieht. Du kannst darauf vertrauen, dass Deine Oberfläche durch und durch grau ist, so unlesbar und langweilig wie nur möglich. Die Bewohner lärmen zwischen den Ständen, prosten einander zu, wippen und tanzen zur Musik und wagen einen Blick in die exotischen Tanzvorstellungen. Eher hilflos versuchen sie sich an den mobilen Spielautomaten und Schießbuden. Das blecherne Knallen der billigen Scheibengewehre lässt Dich innehalten.

Hier, an einer der größeren Buden, steht eine Handvoll Väter, umringt von ihren schlecht gekleideten Kindern, hantieren hilflos und recht plump mit den luftdruckbetriebenen Waffen, die in ihren groben Händen erst recht wie Spielzeug wirken. Du näherst Dich langsam und möglichst lautlos weiter an, als müsstest Du Dich anpirschen, um Deine Beute nicht zu verschrecken. Die Erwachsenen erwerben, begleitet vom Gekreische der Kinder, die ihren Eltern kaum bis an die Hüfte reichen, Runde um Runde Munition und verfehlen, begleitet von den hämischen Blicken und Bemerkungen des Budenbesitzers, wieder und wieder die beweglichen Ziele. Die wenigen Glückstreffer die sie landen, reichen einfach nicht aus, um einen der ausgestellten Preise, selbst noch den kleinsten untern ihnen, zu gewinnen. Überraschend wohlgeordnet stehen die Kunststoffeisenbahnen und schlecht vernähten Stofftiere neben billigen Puppen in glitzernden Gewändern. Sie verharren unbeeindruckt von den zahllosen Kleinstgeschossen, die in die hölzerne Rückwand der Schießbude einschlagen. Nun stehst Du neben den Vätern, gibst Dich möglichst unbeteiligt, während die Kinder ringsum immer ungeduldiger werden oder sich bereits gelangweilt und enttäuscht abwenden. Die Männer mit ihren Gewehren agieren immer verzweifelter und ordern unter den tadelnden Blicken sich nähernder Frauen – unter ihnen vermutest Du richtigerweise auch einige der dazugehörigen Mütter – weitere Getränke und neue Munition. Dies scheint Dir eine gute Möglichkeit, etwas zu demonstrieren, Deine Überlegenheit deutlich und unübersehbar auszustellen.

Du möchtest die Stadtbewohner, denen Du trotz Deiner Einschränkungen immer noch weit überlegen bist, vor den Kopf stoßen. Ganz entgegen Deiner sonstigen Vorsicht willst Du für wenige Momente etwas von Deiner wahren Natur und Bestimmung erkennen lassen. Du möchtest den Anwesenden Angst einflößen, sie weniger beeindrucken als vielmehr einschüchtern, Du möchtest eine wirksame Geschichte über Dich stiften. Du weißt, wie das funktioniert, auch dafür wurdest Du hervorragend ausgebildet und vorbereitet. Du nickst dem Besitzer zu und legst ein großes Goldstück auf die abgegriffene Holzauflage. Damit hättest Du die Preise auch einfach kaufen können, aber Du wählst einen anderen Weg. Das Gewehr ist für Deinen Geschmack viel zu leicht und Du verschießt die beiden ersten Kugeln, dann aber triffst Du alle weiteren sich bietenden Ziele. Du denkst nicht, während Du das tust, Du agierst einfach. Aus den Preisen wählst Du einige gleich aussehende Stoffbären und verteilst sie an die Kinder. Die umherstehenden Leute nicken Dir zu, aber keiner sagt ein Wort des Dankes. Du hast es Dir nicht anders erwartet und dem Budenbesitzer ist die Szene offensichtlich vollkommen egal. Er ist mehr als nur gut bezahlt worden und wohl auch froh, einige der angestaubten Trophäen endlich losgeworden zu sein.

Dann gehst Du einfach weiter, passierst andere Attraktionen und schnappst weitere Gesprächsfetzen auf. Du gehst nun in einem größeren Bogen den Jahrmarkt ab und abseits der Menge, im äußersten Bereich findest Du zu Deiner großen Überraschung neben all den gefälschten Attraktionen einen echten Bären ausgestellt. Das Tier liegt ruhig in dem schmutzigen Käfig, dessen Boden mit Stroh ausgelegt ist. Du kannst immer noch deutlich die Anschlüsse und technischen Applikationen sehen, die an ihm angebracht wurden. Dieser Bär ist wirklich eine Besonderheit, eine Rarität. Du weißt, was das für ein Tier ist. Kurz bevor die Eisenmänner im Krieg gegen das Kombinat endgültig die Oberhand gewannen, hatte man versucht, aus den umfangreichen Menagerien wilder Tiere Teile der regulären Truppe zu machen. Mit Abscheu denkst Du daran, wie die Technikerkaste die Zoos in Labore verwandelten. Aus den Massenunterhalten und Schaukämpfen, bei denen Bären wie dieser häufig zu sehen waren, wurde der Ernst eines immer sinnloser werdenden, nicht enden wollenden Konflikts.

Du hast den Einsatz dieser Tiere miterlebt, warst, so wie alle anderen auch, erst skeptisch und dann doch sehr erstaunt über ihre Durchschlagskraft und Leistungsfähigkeit. Diese entfremdeten, programmierten Wesen schienen in ihrer erschreckenden Kombination aus Natürlichkeit und Künstlichkeit in der Lage zu sein, das Blatt zugunsten des Kombinats zu wenden. Doch dann begannen die Ausfälle, das Fehlverhalten und die unvorhergesehene Raserei. Du hast aus unmittelbarer Nähe erlebt, wie Bären oder Löwen plötzlich die eigenen Soldaten und Tierführerinnen anfielen, mitten im Kampf erstarrten oder ohne auf den ersten Blick ersichtlichen Grund leblos zu Boden sanken. Nach einer kurzen Phase der unberechtigten Hoffnung kostete dieses erbärmliche Experiment, dem Du niemals zugestimmt hättest, mehr Verluste eigener Einheiten als zu erwarten gewesen waren. Ganze Armeeteile verschwanden in den sich ausdehnenden Schlachtfeldern, Gerüchte und Schauergeschichten ersetzten Fakten und Aufstellungen. Als die Fertigung tierischer Soldaten schließlich auf direkte Weisung  der Tyranninnen eingestellt und die Kliniken abgebaut wurden, war es schon längst zu spät. In einer offiziellen Verlautbarung, die eigentlich von Stärke zeugen sollte und doch nur die Hilflosigkeit des Oberkommandos unterstrich, wurden die verbliebenen modifizierten Tiere, die man zuvor dem Gesetz unterstellt hatte, geächtet. Mit dem Gesetz und dem Verbrechen beginnt die Menschlichkeit, hier haben die Gesellschaft und ihre Spiele ihren Ursprung.

Mit den Gesetzen, die man nun wirksam werden ließ, sollte eine Grenze zu den Tieren gezogen werden, aber eben nicht zu den Bestien, derer man sich bedient hatte. In der Folge wurden manche der Tiere, die noch in den Einheiten zu finden waren, von den eigenen Leuten erschlagen oder in sinnlosen Gefechten geopfert. Man wollte sie, um dem Gesetz zu entsprechen, möglichst schnell loswerden.

Manche verschwanden gewiss in den Wirren zu Beginn der letzten, immer noch andauernden Kriegsphase und Du hattest bis zu diesem Augenblick einfach angenommen, dass sie schließlich alle umgekommen waren. Der Blick des Bären, der Deine Anwesenheit bemerkt hat, ist von beeindruckender Ruhe. Eines seiner Augen schimmert milchig und sein pelziger Körper ist von deutlich sichtbaren Narben überzogen. Der unweit des Käfigs auf dem Boden vor sich hindämmernde Besitzer, mit seinem am Gürtel befestigten, aufdringlich großen Schlüsselbund, hat das Tier offensichtlich sehr schlecht behandelt. Du empfindest Mitleid mit diesem Tier, diesem einzig authentischen Ausstellungsstück unter all den billigen Vergnügungen. Wie um dieses für Dich so ungewohnte Gefühl noch zu unterstreichen berührst Du beinahe unbewusst die Anschlüsse und Ersatzteile an Deinem eigenen Körper, die metallenen Schnittstellen an Deinen Unterarmen und Deinem Brustkorb.

Einem Impuls folgend trittst Du näher an den Käfig heran und ohne weiter auf den Besitzer zu achten, öffnest Du die Käfigtüre. In diesem wilden, geschundenen Körper lauert noch eine letzte Tat. Der Bär hebt ruckartig seinen Kopf, doch Du wartest noch kurz ab, bevor Du nach einem Moment stillen Einverständnisses zwischen euch schnell den Weg zur Polizeistation einschlägst. Du blickst Dich nur einmal nach dem Tier um, das sich wie ein Leichnam, der sich weigert, tot zu bleiben, erhebt. Noch bevor Du wieder an der Station eintriffst, kannst Du die Schreie hören. Ruhig und bedacht entriegelst Du mit Deiner Schlüsselkarte den Waffenschrank und entnimmst ihm eine große Handkanone und mehrere Projektile. Du stellst ohne Hast den Gurt auf Deine Körpermaße ein, es ist schon länger her, dass Du eine dieser großkalibrigen Waffen verwendet hast, doch Deine Hände wandern wie von selbst über die mattgraue stählerne Oberfläche des wenig eleganten Mechanismus, über die Riegel und Einstellungsregler für Feuerfrequenz und Reichweite. Du lädst die Waffe und trittst nach draußen, gehst ohne besondere Eile zurück zum Jahrmarkt und passierst ihn in Richtung des Waldes. Es ist bedrohlich still geworden, die Schausteller bauen flink und verbissen ihre Buden ab, ein paar menschliche Körper liegen wie zufällig herum, die Bewohner sind zwischenzeitlich zu ihren Häusern zurückgekehrt. Du wolltest nun ohnehin kein Publikum mehr. Du wirst den Bären, ganz wie Du es Dir erwartet hast, ruhig auf einer Lichtung, die Dir schon vertraut ist, sitzend vorfinden, seinen ehemaligen Besitzer zerfetzt neben sich auf dem Boden. Der unvermeidliche Rest wird sich wie Routine anfühlen, traurig und kaum den Akteneintrag wert, den Du später dazu schreiben und auf eine der Ansichtskarten übertragen wirst.

Thomas Ballhausen
Geb. 1975 in Wien, Autor, Film- und Literaturwissenschaftler. Studium der Vergleichenden Literaturwissenschaft und der Deutschen Philologie an der Universität Wien. Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Filmarchiv Austria, Lehrbeauftragter an der Universität Wien, Mitarbeiter zahlreicher internationaler Forschungsprojekte. Literarische, essayistische und wissenschaftliche Publikationen. Veröffentlichungen u.a.: „Delirium und Ekstase". „Die Aktualität des Monströsen", 2008 und „Bewegungsmelder", 2010.

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48 /Traum/ Prosa: Nachtschreck. Nicole Makarewicz

Nicole Makarewicz
Nachtschreck

Du hast einen Traum. Nacht für Nacht schreckst du hoch, schreiend, angsterfüllt, schweißgebadet. Dein Herz rast, du ringst keuchend nach Luft, krallst dich ins Bettzeug, versuchst den Kontakt zur Wirklichkeit wieder herzustellen. Der Traum ist immer derselbe. Das weißt du, doch mehr weißt du nicht. Du kannst dich nicht erinnern, wovon du träumst, und deine Versuche, es herauszufinden, sind nur halbherzig. Du hast Angst vor deinem Traum. Angst vor dem, was er über dich verraten könnte.

Ich schlafe schlecht, bin in ständiger Alarmbereitschaft, denn dein Traum ist auch mein Alptraum. Jede Nacht reißt du mich aus dem Schlaf, unterbrichst ihn mit deinem Entsetzen. Wenn du dich aus deinem Traum befreit hast, wieder zu dir gekommen bist, musst du reden. Und du brauchst jemanden, der dir zuhört, weil die beruhigenden Belanglosigkeiten, die du von dir gibst, für dich nur dann ihre Wirkung entfalten können. Ich lausche den Banalitäten, die zu deinem allnächtlichen Beschwichtigungsritual gehören. Kämpfe mit Langeweile und Schlafbedürfnis. Krampfhaft halte ich mich wach, um mit leisen Lauten meine Anteilnahme zu bekunden, dir zu zeigen, dass ich da bin für dich.

Wenn du irgendwann, viel später, wieder eingeschlafen bist, liege ich neben dir, unfähig, wieder zur Ruhe zu kommen. Ich habe mich für dich so lange gegen das Wegdriften gewehrt, dass mir das Einschlafen unmöglich geworden ist. Ich lausche dem Sekundenzeiger, der quälend langsam, aber trotzdem zu schnell das Verstreichen kostbarer Nachtstunden intoniert. Klack um Klick nähert sich unbarmherzig der Morgen. Die Schatten verlieren an Tiefe, die Dämmerung ebnet dem Tageslicht den Weg. Ich liege wach.

Meine Beine wetzen unruhig über das Leintuch. Rastlos wälze ich mich von Seite zu Seite, zerknülle den Polster, ziehe die Decke zurecht, die sich ständig verheddert, um meine Füße schlingt, kalte Luft an meinen überreizten Körper lässt. Meine Augen, die nicht geschlossen bleiben, die sich scheinbar von selbst öffnen, tränen. Mein Kopf pocht, mein Körper schmerzt. Ich bin hellwach und todmüde zugleich. Alle paar Stunden zwingt mich ein dringendes Bedürfnis, auf bloßen Füßen ins Dunkel zu tappen. Die Kälte des Fliesenbodens auf der Toilette lässt mich schaudern. Zurück in der Wärme des Bettes lausche ich deinem Atem und warte auf Erlösung. Das Läuten des Weckers beendet meinen erfolglosen Versuch, weiterzuschlafen.

Die Müdigkeit macht mich mürrisch. Kleinigkeiten werfen mich aus der Bahn. Ich bin reizbar und wehleidig, kaum in der Lage, mich dem Alltag zu stellen. Du behandelst mich mit zärtlicher Dankbarkeit, versuchst meine Gedanken zu erraten, mir meine Wünsche von den Augen abzulesen. Deine übertriebene Aufmerksamkeit macht mich aggressiv. Ich will nicht behütet und verzärtelt werden. Ich brauche Schlaf. Und den bekomme ich nicht. Nicht, bevor du dich deinem Traum gestellt hast.

Die Ringe unter meinen Augen sind schwarz. Manchmal laufen mir vor Müdigkeit die Tränen über die Wangen, gähne ich so heftig, dass meine Kiefergelenke knacken. Oft zittern meine Hände, sind meine Bewegungen fahrig, engt sich mein Gesichtsfeld ein. Ich bin geschwächt, der Schlafentzug macht mich krank. Du machst mich krank. »Du brauchst Hilfe«, sage ich. Wieder einmal. Aber diesmal reagierst du anders als sonst. Du nickst. Das verschlägt mir die Sprache.

Drei Nächte verbringst du im Schlaflabor. In der ersten Nacht schrecke ich mehrmals auf, angespannt, immer in Erwartung deiner Angst. Die zweite und dritte Nacht schlafe ich durch. Ausgeruht erwache ich erst als der Wecker läutet. Ein ungewohntes Gefühl. Luxuriös. Ich nehme Farben, Gerüche, Geräusche intensiver wahr, kann mich konzentrieren, fühle mich stark und unbesiegbar. Schlaf ist zu meiner Droge geworden. Dann kommst du zurück und ich bin wieder auf Entzug.

Die Überwachung deines Schlafes hat nichts ergeben. Dir wird nahegelegt, dich in psychologische Behandlung zu begeben. Du lächelst spöttisch als du davon erzählst. »Es ist nur ein Traum«, sagst du, »deswegen brauche ich noch lange keinen Seelenklempner.« Ich beiße mir auf die Zunge, um nicht frustriert aufzustöhnen. Aber ich sage nichts, denn jedes Wort von mir würde dich in deiner abwehrenden Haltung bestärken. Du bist stur. Unfassbar stur. Ich bleibe also stumm und hoffe, dass du nachgibst. Mir graut vor der nächsten Nacht.

Die Müdigkeit hat mich schnell wieder im Griff. Je schwerer meine Lider werden, desto wütender werde ich auf dich. Deine Weigerung, dich dem Traum zu stellen, beginnt meine Liebe abzutöten. Das will ich nicht zulassen. Du schreckst hoch, aber ich bin nicht da. Ich liege auf der Couch im Wohnzimmer, angespannt lauschend, dein Entsetzen mitlebend. Ich kann dir nicht beistehen. Ich muss dich quälen, weil es unsere einzige Chance auf eine gemeinsame Zukunft ist. Du redest halblaut vor dich hin. Belanglosigkeiten als Beschwörungsformeln, um den Traum in Schach zu halten. Ohne mich sind es sinnlose Worthülsen, die deine Angst nicht vertreiben können. Nacht für Nacht habe ich dir zugehört, beigestanden. Auch heute ist es mir nicht möglich wegzuhören. Verkrampft liege ich auf der Couch und sehne mich nach unserem Bett, Schlaf und dem Ende dieses Alptraums. Du schläfst nicht wieder ein. Es ist die längste Nacht meines Lebens. Fast eine Woche dauert mein Kampf gegen den Traum. Dann gibst du auf. Die Schlaflosigkeit hat dich mürbe gemacht.

Die Therapie reibt dich auf, treibt dich bis an deine Grenzen. Du weinst heimlich. Isst und trinkst und rauchst zu viel. Du bist aggressiv, schlägst mit Worten um dich, willst verletzen und tust es auch. Ich versuche, es dir nicht übel zu nehmen, obwohl es mir schwer fällt und ich zurückschlagen will. Ich kann nur erahnen, was in dir vorgeht, wie schlimm es für dich sein muss. Doch du hältst durch. Das hilft mir durch die Nächte, in denen du hochschreckst, mich aus dem Schlaf reißt, und ich für dich da bin, Beschwichtigendes murmelnd, abwartend. Nacht für Nacht. Woche für Woche.

Erschöpft, aber erleichtert kommst du nach Hause. Ich sehe dir in die Augen, sehe das Leuchten, das ich so lange vermisst habe. Du hast den Traum besiegt. Wovon er handelt, erzählst du mir nicht. Ich schlafe ungestört. Mehr muss ich nicht wissen.

Nicole Makarewicz
Geb. 1976 in Wien, Journalistin und Autorin, studierte Kommunikationswissenschaft, Soziologie und Psychologie. Veröffentlichungen: „Tropfenweise“. Roman. Seifert Verlag, 2009; „Jede Nacht“ Erzählband, 2010. Gewinnerin des „Forum Land Literaturpreises 2009“, der „12. Münchner Menülesung“ und des Krimistipendiums „Tatort Töwerland“ 2012. Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien.

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48 /Traum/ Prosa: Bekleidungsphobie. Margit Heumann

Margit Heumann
Bekleidungsphobie

Die Zellentür war noch nicht ganz ins Schloss gefallen, als ich mir Jacke, Hose, Hemd vom Leib riss, und so jedes weitere Kleidungsstück, eins nach dem anderen, bis ich splitternackt war und – obwohl eingesperrt – wie befreit. Tief atmete ich durch. Nach und nach begriff ich, dass ich genau deswegen hier war, wegen nackt, und während ich das Wort nackt dachte, das einen Zustand beschrieb, den ich kannte wie kein anderer, fiel mir ein, Wörter sind wie Menschen, sie haben Form und Umriss, Figur und Gestalt, sind schmal oder rundlich, behäbig oder verloren, aufgebauscht oder spärlich, Teile davon ragen scharfzackig in die Höhe oder reichen tiefgründig in den Untergrund. Über kein Wort habe ich so viel nachgedacht wie über nackt. Nackt klingt nach dem, was es ist: nackt. Hinter nackt kann sich keiner verstecken, auch nicht darunter, darin oder damit. Nackt ist ohne Hintergedanken, schließt jeden Hinterhalt aus, es bedeutet von nichts umgeben zu sein, nur nackt erlaubt den maximalen Kontakt zur Umgebung und damit zum All, zum Universum. Nackt ist jeglicher Bemäntelung entkleidet, entblößt, pure Reinheit also, nichts als die Wahrheit.

Mein Traum war, diese Wahrheit in Person zu sein. Wie zaghaft und dilettantisch war ich bisher mit Nacktheit umgegangen! Nackt unter der Dusche umrieselte mich Warmwasser wie eine zweite Haut, und gleich danach hüllte ich mich ins Badetuch, als wäre Luft schädlich oder gefährlich. Sommers schlief ich nackt, aber nie ohne Decke und sei sie noch so dünn. Wenn ich nackte Wahrheit durch wahre Nacktheit leben wollte, musste ich diese Abhängigkeit von Körperbedeckung loswerden, ein für allemal. Schluss mit halbherziger Nacktheit!

Doch die alten Gewohnheiten klebten wie Harz an mir, ließen sich nicht einfach über Bord werfen. Ich entschied mich für eine schrittweise Anpassung unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Jeden Tag ließ ich ein Kleidungsstück mehr weg, eins nach dem anderen. Je mehr ich mich frei machte, desto sorgfältiger zog ich die Vorhänge zu, bis ich mich endlich des letzten Stücks Stoff entledigte. Aber dann – was für ein Gefühl!

Meine gesamte Hautoberfläche kam in den Genuss der Luft, Körperstellen, die immer eingemummt waren, nippten von jedem Hauch, eingeklemmte Bereiche schwelgten im Luftzug der Bewegung, die Schweißdrüsen atmeten befreit auf, die Poren reinigten sich von selbst, meine Haut wurde gleichmäßig glatt, ja sogar mein Gang wurde leicht und tänzerisch. Es war die natürlichste Art des Daseins, eine wahre Befreiung. Knappe Hosen, einschnürende Unterwäsche, zugezogene Gürtel ertrug ich nicht mehr. Jede Art von beengender Kleidung verschwand auf Nimmerwiedersehen in den Untiefen meiner Schränke. Schon der Kaftan, den ich außer Haus trug, war ein ärgerlicher Kompromiss und verursachte mir Beklemmung.

Bald bewirkte meine ständige Nacktheit nicht nur prickelnde Sinnesreize sondern auch positiven Augenschein. Ich stattete meine Räume mit mannshohen Spiegeln aus und genoss den Anblick meines von luftiger Freimut geadelten Körpers. Ich bewunderte ihn bei Ballettschritten und Yogaübungen, beim Bodenturnen und beim autogenen Training. Das Muskelspiel faszinierte mich, die Elastizität von Sehnen und Bändern, Anspannung und Entspannung – ich war schön. Immer öfter vergaß ich das Zuziehen der Vorhänge, mein neues Körperbewusstsein ging mir in Fleisch und Blut über, was scherten mich die Nachbarn. Bald hielt ich mich selbstverständlich auch auf der Terrasse auf, sie war schließlich mein Terrain, und dieser frischluftumhüllte Freikörperzustand war ein neuer Höhepunkt. Mit Hingabe ließ ich jede Körperstelle vom Wind streicheln oder vom Sturm zausen, von der Sonne bescheinen und von Mond und Sternen auch.

Je länger ich dieses Nacktsein in meinen vier Wänden praktizierte, desto weniger genügte es mir. Ich träumte einen neuen Traum. Der Park lockte mich, noch mehr der Wald dahinter, wo ich einen Bach wusste, eine weite Lichtung und einen Hügel mit Blick auf die Berge. Die Natur nackt zu spüren, musste der Gipfel der Lust sein, Zehen in die Erde vergraben, längelang auf dem Waldboden liegen oder im Gras. Die Sehnsucht wurde übermächtig. Meinen ersten Ausflug machte ich in einer lauen Sommernacht. Bis zum Waldrand tarnte ich meine Nacktheit mit dem ungeliebten Kaftan, dann hängte ich ihn an einen Ast. Da stand ich nun in meiner ganzen Blöße, ging wie verzaubert zwischen den Bäumen, bot meinen Körper der würzigen Waldluft dar, umarmte die Stämme, wie unterschiedlich sich die Rinde auf Brust, Bauch, Schenkeln anfühlte, von glatt über kraus bis rissig und rau. Moospolster passten sich meinen Körperformen an und kitzelten mich wohlig mit haarigen Knospen, ich drehte mich vom Rücken auf die Seite auf den Bauch, um das Behagen auszukosten. Von da an war ich nicht mehr zu halten, bald gönnte ich mir das nackte Glück zu jeder Tages und Nachtzeit. Dass Spaziergänger erschrocken wegsahen, Liebespaare im Küssen innehielten und Mütter ihren Kindern die Augen zuhielten, registrierte ich nur am Rand. Was ging es mich an.

Sehr bald entdeckte ich, dass Laufen eine Steigerung der Naturerfahrung war. Der Fahrtwind, die durch eigene Muskelkraft produzierte Luftbewegung, war eine zusätzliche Körpersensation. Meine gesamte Hautoberfläche war so sensibilisiert, dass sie luftige Feinheiten registrierte, für die sie früher stumpf gewesen war. Ab sofort gehörte Nacktjoggen zu meinem persönlichen Fitnessprogramm.

An einem denkwürdigen Tag erlebte ich das Highlight eines krassen Wetterwechsels. Ich joggte wie immer meine Wald-Wiesen-Runde, nachdem ich meinen Kaftan an den Garderobenbaum gehängt hatte. In strahlendem Sonnenschein war ich losgelaufen, urplötzlich kamen Böen auf, eine packte mich von vorn und presste mir Sauerstoff in die Bronchien, dass mir der Atem stockte, eine andere erfasste mich wie ein Mini-Tornado und durchpustete die verstecktesten Körperwinkel, die nächsten schleuderten mich seitlich aus der Bahn oder schoben mich von hinten an. Mir war nach Jauchzen zumute über dieses Maximum an Luft, das meine Nacktheit beglückte. Als ich zu meinem Garderobenbaum zurückkam, waren schwarze Gewitterwolken aufgezogen und der Kaftan nicht mehr da, sicher hatte der Sturm ihn losgerissen und aufgebläht wie ein Ballon war er davongeflogen über alle Berge weit, ich gönnte es ihm. Damit ging mein geheimster Wunsch in Erfüllung, ganz ohne Kaftan auszukommen. Zum ersten Mal verließ ich nackt den Wald, trabte durch den Park, über die Hauptstraße, auf dem Gehsteig entlang bis zu meinem Haus ohne Aufsehen zu erregen. Wegen des drohenden Unwetters war kaum jemand unterwegs, und die Wenigen eilten geduckt mit eingezogenem Kopf einem schützenden Dach entgegen. Ich stieg die Treppe zu meiner Wohnung hoch, ein bisschen außer Atem aber tief befriedigt: Ich war die nackte Wahrheit in Person. Am nächsten Vormittag klingelte es. Nicht der Briefträger war es, nein, zwei Polizisten mit gezücktem Dienstausweis.

„Wo waren sie gestern Nachmittag?“

„Joggen, im Wald“, antwortete ich wahrheitsgemäß.

„Nicht im Park?“

„Doch, da auch, der liegt am Weg.“

„Und nackt, das werden sie nicht abstreiten wollen, so wie sie hier stehen.“ Beide sahen missbilligend an mir hinauf und hinunter.

„Im Park war ich nackt, weil der Sturm …“

„Sparen Sie sich Ihre Ausreden. Sie werden sich wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses verantworten müssen.“

Das war der Moment, wo ich die Welt nicht mehr verstand. Es konnte doch nicht sein, dass Nacktheit, diese finale Wahrheit, als Verbrechen galt. Das lief allen meinen Erkenntnissen zuwider. Ich widersetzte mich der Zwangsbekleidung, die mir für den Gang aufs Präsidium aufoktroyiert wurde und wehrte mich nach Kräften. Man steckte mich dennoch in Klamotten, mit denen ich längst abgeschlossen hatte. Der Nacktheitsentzug brachte mich noch mehr in Rage, ich war vollkommen außer mir. Polizeiliche Übermacht überwältigte mich, eine Psychologin wurde hinzugezogen. Sie bezeichnete meinen Gemütszustand nicht als Nacktsucht sondern als Bekleidungsphobie, ein interessantes Phänomen, Stiefkind der Wissenschaft. Sie bat mich, meine Beweggründe schriftlich darzulegen. Das habe ich hiermit getan, und wenn wir, wie ich hoffe, in einem freien Land leben mit dem Recht auf freie Wahl der Lebensform, wird mir meine Nacktheit selbstverständlich zugestanden, und ich kann die Zelle als freier Mann verlassen.

Margit Heumann
Geb. 1949 in Vorarlberg, verheiratet, zwei Töchter; lebte zeitweise in England und der Schweiz, lange in Deutschland, seit 2009 in Wien und Bayern. Einzelpublikation: Ein Hobby mit Konsequenzen, 2007, Tierbuch Verlag. Literarische Texte in Anthologien, Literaturzeitschriften, auf Hörbüchern und Internetportalen.

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