Franz Graf. Rez.: Karoline Riebler
Karoline Riebler
VISUELLE WORTFRAGMENTE UND BLEISTIFTMARKIERUNGEN
FRANZ GRAF


SCHWARZ HEUTE JETZT HABE DASS SCHON FAST VERGESSEN
Kunsthalle Krems
Ausstellungsdauer: 28.03. – 27.06.2010
Katalog zur gleichnamigen Ausstellung:
FRANZ GRAF
SCHWARZ HEUTE JETZT HABE DASS SCHON FAST VERGESSEN
Hg. Hans-Peter Wipplinger, Kunsthalle Krems
Nürnberg: Verlag für moderne Kunst, 1. Auflage, 2010. 288 S.
ISBN 978-3-86984-025-3
Der österreichische Künstler Franz Graf, welcher 1954 in Tulln geboren wurde und in Wien sowohl lebt als auch arbeitet (eine ausführliche Monografie wäre hier längst fällig), wird in dem ihm gewidmeten und von ihm mitgestalteten Ausstellungskatalog zu Recht als großes „Allround-Talent“ anerkannt – bewegt sich dieser doch in den unterschiedlichsten künstlerischen Medien wie der Zeichnung, der neo-konzeptuellen Malerei, der Fotografie, der Objektinstallation, der Performance und der Musik.
Die Ausstellung bestand in der oberen Halle aus den unterschiedlichsten, von ca. 14 verschiedenen Sammlungen zusammengetragenen und neu positionierten Werken der letzten 30 Jahre im Schaffen Franz Grafs. Für die zentrale Halle im Erdgeschoss der Kunsthalle wurde von Graf mit Unterstützung Franz Pomassls eine in situ Rauminstallation vorbereitet, welche auch als Bühne für mehrere Sound-Performances isländischer KünstlerInnen des Donaufestivals in Krems diente.
Grafs eigenwillige Arbeitsweise hätte meiner Meinung nach im Katalog noch etwas in den Vordergrund gerückt werden können: Schon der etwas merkwürdig anmutende Ausstellungstitel „Franz Graf. SCHWARZ HEUTE JETZT HABE DASS SCHON FAST VERGESSEN“ entspricht Grafs unkonventionellem Konzept. Auch der Katalog beginnt auf der ersten Seite nicht wie gewohnt mit einem übersichtlichen Inhaltsverzeichnis, der Leser/die Leserin wird am Beginn bereits mit Abbildungen von Werken Franz Grafs konfrontiert, damit wird es einem möglich gemacht, seine eigene „Leserichtung“ durch den elegant gestalteten Katalog zu nehmen.
Darüber hinaus, und das war allein den Ausstellungsbesuchern vorbehalten, verzichtete der Künstler beispielsweise auf für Museen übliche Beschilderungen. Er bricht hier mit für KünstlerInnen üblichen musealen Vorgaben und Konventionen zumindest einen Titel für das jeweilige Werk zu nennen. Laut Franz Graf ist ein Objekttitel überflüssig, da der Betrachter, welcher sich visuell an den überall im Schaffen Grafs vorkommenden Wortfragmenten orientiert, automatisch einen persönlichen Werktitel vor Augen hat. Als Pionier der Ausstellung beschäftigte sich Graf zu allererst mit der ihm vorgegebenen Ausstellungsarchitektur der Kunsthalle – mit Bleistift zeichnete er die Markierungen für die vorgesehene Hängung seiner Werke ein, welche auch während der Ausstellungsdauer zu sehen waren und damit nicht wie sonst wieder entfernt wurden. Mit Hilfe dieser Bleistiftstriche an den Wänden konnte der Besucher den Arbeitsprozess Franz Grafs nachvollziehen. Interessant ist auch, dass ein ungewollter Durchgang einfach vom Künstler mit jeweils einem großen Bild auf beiden Seiten verschlossen wurde, womit in Folge intime Räumlichkeiten entstanden.
Abschließend bleibt eine kleine Frage meinerseits, welche den Ausstellungskatalog betrifft, unbeantwortet: Warum wurden einige leere Seiten im Katalog eingegliedert? Die eigene Phantasie wurde mit diesem gelungenem Ausstellungskatalog jedenfalls bestmöglich angeregt.