Kirchner Heckel Nolde: Die Sammlung Werner. Rez.: Eva Riebler

Eva Riebler
Sammlerleidenschaft

 
Otto Müller:
Mädchen im Wald, um 1920
Pastell auf Papier
Albertina, Wien
Dauerleihgabe
Sammlung Werner
 

Kirchner Heckel Nolde
Die Sammlung Werner

Albertina, Wien
Pressekonferenz 31.05.12 zur Ausstellungseröffnung
Ausstellungsdauer: 01.06. bis 26.08.2012

Der private Sammler, bzw. die Sammlerin hat das Atout gegenüber der Öffentlichkeit, sich nicht rechtfertigen zu müssen, was er bzw. sie sammelt. 50 Jahre sammelte Irmtraud Werner im Stillen und vermachte die Werke kurz vor ihrem Tod ihrer Tochter. Sie war Ende des 2. Weltkrieges Sekretärin in der Galerie Wilhelm Grosshenning, die in Chemnitz bombardiert und zerstört wurde. 1951 ging sie mit Grosshenning nach Westdeutschland, da in der DDR die Fortsetzung des Kunstgroßhandels nicht möglich war. Der Kunsthändler pflegte in Düsseldorfer Kontakte zu den einst entarteten Künstlern und brachte diese wieder in die Museen und Sammlungen, vor allem Münchens, Essens, Düsseldorfs oder Bremens. Irmtraud Werner stand dem Ehepaar Grosshenning sehr nahe und bekam viele Jahre lang Bilder aus seinen Beständen als Geschenke zu Anlässen wie Taufe, Weihnachten oder Geburtstagen. Sie erweiterte ihre Sammlung nach ihrer Hochzeit, dem Ende der Tätigkeit in der Galerie, weiter mit Werken der Gruppe Die Brücke, da die Gründer ebenfalls in Chemnitz ihre Wurzeln hatten. Zur Taufe ihrer Tochter hatte sie bereits eines der schönsten Aquarelle Ernst Ludwig Kirchners bekommen.

 
Karl Schmidt-Rotluff:
Schreitender Bauer, 1922
Bleistift und Aquarell auf Bütten
Albertina, Wien
Dauerleihgabe
Sammlung Werner
 

Die Albertina sieht die 46 Dauerleihgaben der Erbin der kürzlich verstorbenen Irmtraud Werner dankbar als Ergänzung zum Albertina-Bestand aus der Zeit des Im- und vor allem Expressionismus. Gerade die Zeit 1907-1915, die Brücke-Zeit, war in der Sammlung Albertina bisher gering bestückt. Nun weist sie außer den Stillleben und Blumen-Gemälden und Zeichnungen eines Oskar Kokoschkas, Alexej von Jawlenskys, Paul Klees, Christian Rohlfs oder Karl Schmidt-Rottluffs, Tierdarstellungen Franz Marcs, Mädchen und Frauendarstellungen Ernst Ludwig Kirchners oder Otto Muellers, ausgesuchte Werke von Jean-François Millet, Paul Cézanne, Amedeo Modigliani, Akte von Henri Matisse und Pablo Picasso u.a. auf.

Dass wertvolle Gemälde aus der Künstlergemeinschaft Der blaue Reiter nun in der Kapelle der Albertina zu besichtigen sind, verdanken wir der Freundschaft Irmtraud Werners mit der Frau von Franz Marc und dem Sohn von Alexej von Jawlensky, Andreij Jawlensky. Ihre Sammlerleidenschaft dient nun dankenswerter Weise dem Kunstgenuss der Allgemeinheit. Ihre Sammlung beinhaltet hochkarätige Werke, dient keiner Problemstellung und ist keinem schlüssigen Plan verpflichtet sondern stiftet zum Gedankenaustausch mit bekannten Werken an.

Eine Ausstellung, kuratiert von Marietta Mautner Markhof, von 50 Jahre lang unveröffentlichter und unbekannter Werke und ein hervorragend gestalteter Katalog von bisher noch nie vervielfältigten Bildern erwarten die Besucher der Albertina.

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