Materialobjekte: Eva Bakalar. Rez.: Ingrid Reichel
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Ingrid Reichel
Anfangs waren es die vielseitigen Werkstoffe aus der Industrie, die es Eva Bakalar angetan haben. Sie verarbeitete Gewebe wie Gitter und Netze aus Industrieabfällen zu eigenwilligen ästhetischen und femininen Gebilden, zum Teil zu lebensgroßen Figuren, zu Skulpturen der zeitgenössischen Art. So brachte sie uns das Industriedesign ins Bewusstsein. Die 1959 in Gmünd (NÖ) geborene und in Wien lebende Eva Bakalar ist seit 1984 künstlerisch tätig. Seither haben sich ihre Materialen verändert. Von der Produktionsschiene fokussiert Bakalar nun auf das Endprodukt. Viele Alltagsgegenstände werden zerpflückt und zu Kunstwerken arrangiert. Teilweise bedient sie sich auch der Verpackunsgsmaterialien wie z.B. den Kunststoffnetzen, in denen Orangen und Zitronen abgefüllt und so in den Supermärkten dem Konsumenten angeboten werden. 2010 entstand „PLOB“, in dem sie verschiedenfarbige Netzschläuche mit Draht umhäkelte und auf einem aufgespannten Polyamidgewebe anordnete. Jeder kennt sie: die kleinen bunten Küchenschwämme in allerlei Formen. In Kunstharz gegossen und quadratische assembliert ergeben sie „Mother’s little helper“. Bakalar beruft sich hierbei auf den 1965 erschienen Schlager der Rolling Stones, die hier auf den Valiumkonsum der 60er Jahre anspielten. Heute gilt der Songtitel noch als Umschreibung von Tranquilizern und Barbituraten. Wie einst unsere Großmütter noch ihren Frust mit Germteigschlagen auslebten, dienen nun die kleinen Küchenschwämme zur Erinnerung der gesellschaftlich noch immer desavouierten geplagten Hausfrau. Auch wenn Bakalar mit traditionellen objets trouvés arbeitet, und mit der Konzept- und Objektkunst Marcel Duchamps liebäugelt, so vertritt sie doch eine ganz eigene Vorstellung von Ready-mades. 2009 startete Bakalar ein Projekt mit Jugendlichen: „Zeichen setzen!“. Damit hoffte sie einen Prozess in Gang zu setzen, der eine Brücke zwischen Kunst und Internet schlägt. Hierbei ging es um eine Form-Inhalt-Dialektik, die Wort- und Zeichenspenden nachspürte. 15 Objekte hat sie damit umgesetzt. Entstanden sind, wie man aus dem neuen Katalog entnehmen kann, u.a. bis zu drei Meter hohe Säulen: eine Frauensäule, eine Litfasssäule, eine Orakelsäule, die rote Säule, Säulen, die aus Polyamidgewebe mit Zeichenspenden versehen aus Transparentpapier und Schlaufen und Seitentaschen bestehen. Mehr unter: www.zeichensetzen.org Die neuesten Werke sind Magnetbilder, die ähnlich einem Kaleidoskop individuell verdrehbar sind. Die kleinen quadratischen Holzkästen sind mit „Faden-Spielen“ ähnlich einem Spinnennetz gefüllt und sind zusätzlich unterschiedlich kombinierbar. Kunst zum angreifen, Kunst die veränderte Perspektiven zulässt, den Betrachter zu spielen einlädt. Die Schau könnte man als eine gelungene Retrospektive der Arbeiten von Eva Bakalar benennen.
Zu sehen bis 31.01.2011 in der Galerie am Lieglweg, Lieglweg 23, 3040 Neulengbach. LitGes, Dezember 2010 |

