Max Weiler: Die Natur der Malerei. Rez.: E. Riebler
Eva Riebler
BEFLÜGELNDE FLÜGELBILDER
MAX WEILER (1910 – 2001) – DIE NATUR DER MALEREI


Essl Museum Klosterneuburg, Galerien
Eröffnung: 18.03.10
Ausstellungsdauer: 19.03. – 29.08.2010
Kurator: Edelbert Köb
Ausstellungsorganisation: Günther Oberhollenzer
Ausstellungskatalog:
MAX WEILER
Die Natur der Malerei
Essl Museum
Redaktion: Günther Oberhollenzer
München: Hirmer Verlag, 2010
c.a. 200 S., 120 Farbabbildungen
ISBN 978-3-7774-2671-6
27,90.- [D]
Anlässlich des 100. Geburtstages des Tirolers Max Weiler kuratierte Edelbert Köb die 5. große Max Weiler Ausstellung (z.B. auch 2004 im MUMOK Stiftung Ludwig, dessen Direktor er seit 2002 ist) und beleuchtet das Schaffen und die Positionierung dessen in seinem Essay im Katalog. Er beschränkte sich in der Ausstellung diesmal auf die Kunstwerke der 60er Jahre, genauer gesagt auf die Malerei von 1962 bis 67 und auf die Flügelbilder 1965 bis 68, auf eine Zeit, in der der Künstler vielleicht moderner und wegweisender war, als er selber wusste – so Köb. Max Weiler wollte jedoch immer ein Sonderfall sein und trotzdem nicht unzeitgemäß, sondern zeitgemäß, meinte der Kurator in seiner Ansprache anlässlich der Ausstellungseröffnung. Die 60er Jahre waren der Höhepunkt seines Schaffens, er fand die Natur der Malerei, war am Null-Punkte der Malerei angelangt und schuf originäre Kunstwerke im unendlich-mythischen Kontext. Daher werden seine Bilder, vor allem die Tuschezeichnungen, den überzeitlichen chinesischen Gelehrtensteinen gegenüber gestellt.
Wie eine Landschaft, rostroter Berg, 1963
Über die Symbolik der bizarren Gartenfelsen enthält der Katalog den interessanten Beitrag Adele Schlombs (Direktorin des Museums für Ostasiatische Kunst Köln), die von der Han-Dynastie (206 v. bis 221 n. Chr.) über die daoistische Vorstellung des Universums bis zur Mao-Ära mit Bezug auf den Künstler Zhu Qizhan (gest. 1996) referiert.

Eitempera auf Leinwand
96 x 195 cm
Sammlung Essl Inv. Nr. 2769
Foto: Franz Schachinger
© Yvonne Weiler
Margret Boehm liefert einen Beitrag über die Farb- und Schmierpapiere aus dem Nachlass, die fast dem Ateliermüll anheim gefallen wären, ohne als weitere Dimension seines Schaffensspektrums erkannt und analysiert zu werden. Sie erläutert, wie man mit Intuition und trotzdem präzise an die Aufarbeitung hunderter Schmierpapiere geht. Ihrer Meinung nach sind diese Probier-Papiere der Schlüssel zum Verständnis seiner radikalsten Abstraktionen des Zyklus „Wie eine Landschaft“.
Roland Wäspe (stud. Kunst- und Architekturgeschichte und Ostasiatische Kunst, seit 1989 Direktor des Kunstmuseums St. Gallen) setzt sich mit der Farbe und dem Bildraum in den Bildern Max Weilers auseinander und führt das Prozesshafte und Inhalstbetonte und daher stets Aktuelle seiner Werke an.
Der Katalog bietet außer dem Vorwort Karlheinz Essls noch eine umfangreiche, gut gegliederte Biografie mit zahlreichen anschaulichen Schwarz-Weißfotos vor allem aus seinem Atelier in Innsbruck und aus seiner Zeit auf der Akademie der bildenden Künste in den 60er Jahren und eine Bibliografie-Auswahl sowie natürlich die Farblithografien der in der Essl Galerie präsentierten Werke mit dem dazugehörigen Werkverzeichnis. Präsentiert werden immerhin 48 Abbildungen seiner Malereien, 4 Flügelbilder und 10 Papierarbeiten.
Ein umfangreicher Katalog, der durch seine Gegenüberstellung mit den chinesischen Philosophensteinen und den gelungenen Beiträgen ein weiteres Dokument den seit 1975 (Max Weiler 1932 – 1974. Residenz-Verlag Salzburg) entstandenen Bibliografien hinzufügt.
LitGes, März 2010