Zeichnungen: Anselm Glück. Rez.: Ingrid Reichel

 

 

 

 

Ingrid Reichel
DIE NUR SCHEINBARE LEICHTIGKEIT DES ANSELM GLÜCK

 

 

 

 

 

 

 

 

„to ride out the nightmare alone“ [kathy watson]
ZEICHNUNGEN
Anselm Glück

Galerie Splitter Art
Eröffnung: 20.04.09
Ausstellung: 21.04. – 01.06.2009
Öffnungszeiten: Mo – Fr 11 - 13 Uhr, 15 – 17 Uhr und nach Voranmeldung
Salvatorgasse 10, Ecke Fischerstiege 1-7, 1010 Wien

Der Schriftsteller und Grafiker Anselm Glück, eigentlich Friedrich Anselm Glück, wurde 1950 in Linz, Oberösterreich geboren und lebt seit 1978 in Wien. Das Experimentelle und die Performance stehen im Vordergrund seines Schaffens, selten sind Ausstellungen seiner Illustrationen zu besuchen. Nur ein eindringliches Bitten und ein vehementes Nichtlockerlassen von der Verlegerin Batya Horn machte es möglich kurzfristig eine kleine Ausstellung von 21 auserwählten Werken Anselm Glücks, in der Galerie Splitter Art zu sehen. Papierarbeiten aus dem Jahr 2007, an denen teilweise wie zufällig der Abriss des Ringblocks nicht beschnitten wurde, in Graphit und Buntstiften, zeigen den Menschen als Haus oder das Haus als Menschen, mit Engelsflügeln vielleicht, jedenfalls nie mehr als eine Person pro Blatt. Glück führt konkrete und visuelle Poesie zusammen, die Schrift wird zu einem Bild.

Glück bleibt mit seinen kindlich gehaltenen Zeichnungen minimalistisch und sorgt trotz tiefem Inhalt für Heiterkeit. Der Rechtshänder nützt auch seine linkische (sic!) Hand, alle Mittel sind ihm recht. Glück selbst spricht von einer „instinktiven Raffinesse“. Drei Semester Sinologie genügten, um ihn zu einem Meister der Schriftzeichen ohne Absetzen zu machen. Sonst zeichnet er eher in Phasen. Der Titel „to ride out the nightmare alone“ [kathy watson] ist ein Zitat aus der englischen Literatur und stammt von dem Geschwisterpaar Mary Ann und Charles Lamb (18./ 19. Jh.). Es gilt also den Angsttraum alleine heil zu überstehen …

Der Philosoph und Experte in Fragen Sprache und Ästhetik Burghart Schmidt wies bei seinen einleitenden Worten zur Ausstellungseröffnung darauf hin, dass „Bild und Text“ ein tatsächlich beunruhigendes Thema seien. Texte könnten, nach Plato, zur Vernichtung unseres Gedächtnisses beitragen. Und in der Tat, wie oft haben wir selbst schon erlebt, dass wörtlich Gespeichertes eher einer Überinformation gleichkam, die man nicht mehr in der Lage war zu verarbeiten …

Es geht dennoch nichts verloren, sondern bleibt in unserem Unterbewusstsein haften. Wir befinden uns in Wien, in der „Stadt der Psychoanalyse“ und Glück erinnert uns daran. Der Mensch in seiner Einheit seines ICH, ÜBER ICH und ES haust in seinem Körper. Manchmal ist es aus der Haut zu fahren: das Erkennen der scheinbaren Leichtigkeit, in diesem Fall des Anselm Glück!

 

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