Valerie Zenatti: Im Bund der Lebenden

Cornelia Stahl

Valerie Zenatti:
Im Bund der Lebenden

Aus dem Französischen: Cordula Unewisse
Stuttgart: Verl. Freies Geistesleben
2021, 201 Seiten.
ISBN: :9783772530272

Das Prisma der Liebe. Wie Paul Celan ist Aharon Appelfeld in Czernowitz geboren (1932) und mit der deutschen Sprache aufgewachsen. In Israel fand er eine neue Heimat und Sprache. Valerie Zenatti, übersetzte die Texte des jüdischen Autors und Literaturwissenschaftler, vereint im vorliegenden Buch Biografisches und Literarisches, und kommt somit der Forderung Appelfelds nach: „Literatur müsse Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbinden“. . Als sie die Reise nach Israel antritt, liegt der Autor im Sterben. Sie erinnert sich an gemeinsame Momente.
Ihre melancholische und poetische Texte ergründen, wie angesichts durchlebter Schrecken, gegenwärtig über den Holocaust erzählt werden kann. Auffallend ist ihre Fokussierung auf die Liebe, die neben Hass und Gewalt eine prägende Rolle im Holocaust spielte.
Am Ende zitiert Zenatti Appelfeld: “Entscheidend für unsere Sicht auf die Welt ist, was unsere Eltern uns von ihr vermittelt haben. In meinem Fall … das Prisma der Liebe“ (S.69).
In den atmosphärisch aufgeladenen Texte Zenattis spüren die Lesenden die innige Verbundenheit zwischen Autor und Übersetzerin: „Ich weiß nicht, wie lange ich so verharrte... jeder Erinnerung entrissen, nur mit dem Bewusstsein, bewusstlos zu sein und dennoch lebendig,... bis ein Wort durch die Nacht stieß, Ukraine, es strahlte...“, S.164.
Viele Romane Appelfelds liegen nur in französischer, nicht in deutscher Übersetzung vor.
Aktuell: Erinnerungen an Czernowitz!
Valerie Zenatti, in Nizza geboren, übersiedelte mit den Eltern nach Israel. Nach der Rückkehr nach Frankreich konzentrierte sie sich auf Übersetzungen aus dem Hebräischen, speziell auf Aharon Appelfelds Werke. Zenatti lebt in Paris.

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