Cornelia Travnicek: junge hunde. Rez.: Eva Riebler-Übleis
Eva Riebler-Übleis
Kein Theater!
Cornelia Travnicek:
junge hunde
Mü: Dt. Verlagsanstalt,
2015. 238 S.
ISBN 978-3-421-04628-4
Das Leben ist zwar eines, aber so wie Cornelia Travnicek die Protagonisten ihres zweiten Romans ins Erwachsenenalter führt, ist alles echt zu nehmen, mag es auch bühnenreif sein. Dass der so gefürchtete zweite Roman ja gar keine Zweifel an seinem Erfolg vorweg lässt, ist klar; schreibt doch Travnicek stets weiter, nebeneinander und nebenher, so wie sie auch zwei absolut verschiedene Fächer (Sinologie/ Informatik) auf der Uni Wien belegt hat und vollendet. Bereits vor der Matura in der HTL STP, vor 20 Jahren, präsentierte sie von der Bühne bei HAK-ART (Kulturevent der HAK STP) ihre Texte und gewann den LitGes Poetry- Slam … und …und … nun bekam sie 2012 für einen Auszug aus diesem Werk den Publikumspreis bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt. Travnicek erzählt Schritt für Schritt die Schicksale zweier Jugendlichen, die mit einem neuen Lebensabschnitt beginnen. Nun spricht sie indirekt über das Entpuppen und Verlassen des Nestes ihrer Protagonisten Johanna und Ernst. Ernst bewegt sich im Flugzeug Richtung China und reist zurück in seine Heimat auf der Suche nach seiner leiblichen Mutter und meint … wie gerne würde ich den Flug als Larve im Kokon verbringen, um entpuppt am Ziel aus dem Flugzeug zu steigen.“ Bei Johanna, der zuhause Gebliebenen klingt es ähnlich, wenn in einem Traum Arbeiter alle Schwalbennester einsammeln und die Schwalben, die kein Heim mehr vorfinden, klagen, bis die Müdigkeit sie überkommt und sie einander Trost spenden durch Nähe. Träume sollen die Wirklichkeit erklären. Darum geht es inhaltlich wohl in diesem Roman: um Zusammenbruch der Familie (Johanna muss den elterlichen Haushalt auflösen, da die stets eifrige Mutter nach Peru ging, um ein soziales Projekt für Kinder zu verwirklichen und der Vater, der nicht der echte ist, in Demenz versinkt) Entfernung (ihr Schulfreund Ernst – der Icherzähler) Sehnsucht und als Happy End: Trost durch Nähe.
