Egyd Gstättner: Das Freudenhaus. Rez.: Eva Riebler-Übleis
Eva Riebler-Übleis
Alles Theater
Egyd Gstättner:
Das Freudenhaus.
Roman über das absurde
Theater.
Wien, Picus: 2015, 260 S.
ISBN 978-3-7117-2026-9
So wie unser Hefttitel könnte die Überschrift für Egyd Gstättners neuesten Roman sein. Natürlich kann man nicht sicher sein, ob nicht inzwischen bereits wieder ein Roman erschienen ist. Jedenfalls will uns der Autor alle Jahre ins Gewissen reden, ob der Titel nun „der Mensch kann nicht fliegen“, „Untergang des Morgenlandes“, „Absturz aus dem Himmel“, “Ein Endsommernachtsalbtraum“ oder „Das Geisterschiff“ und 2014 „Am Fuß des Wörthersees“ (alle bei Picus) heißt. Kritik und Untergang ist Titel und Programm! Zynismus gegenüber den und Entblättern der grotesk handelnden Personen aus dem österreichischen Leben bzw. der Erzählebene der Romane ist der Treibstoff, der Gstättner weiter treibt. In diesem Fall ist es ein überdimensioniertes neues Stadion, das aus dem Weltraum wie eine Silberschüssel blinkt und 32.000 leere Sitze aufweist. Die Sitzplätze ergeben die Assoziation zu Eugène Ionescos Werk „Die Stühle“ und dieser Autor des Absurden Theaters begleitet nun den Alter Ego, genannt Frauendorfer durch die leeren Sitzreihen und durch den Roman. Somit gibt es keine Leerstellen mehr! Die Philosophie des Daseins, die Selbstreflexion (in meiner Gymnasialzeit bin ich verstümmelt worden, die Welt erschien mir wie im Vorwort Ionescos steht: „ ... Wesen, die in ein Etwas hinausgestoßen sind, dem jeglicher Sinn fehlt, können nur grotesk erscheinen, und ihr Leiden ist nichts als tragischer Spott.“ Zitat S. 14. Ja, so ist – oder ganz anders! Das Leid Gstättners an der Welt ist nicht grotesk oder tragischer Spott, sondern er spottet über das Groteske unserer Welt! Wie immer legt er mit lakonisch durchsichtigem Spott in unprätentiöse Weise den Finger auf die absolut wunde Stelle! Es gilt allerdings: Sind die Kirchen oder Kabaretts voll, ist eine schlechte Zeit. Leere Kathedralen bedeuten gute Zeiten, allerdings sind dann die Menschen satt, dumm, gierig usw. Wie Sie sehen ein amüsant trauriges Werk, das für alle Reflektierenden die großartigste Unterhaltung darstellt! Die Menschheitstragödie ist schließlich immer eine Komödie – vielleicht auch umgekehrt!
