Ludwig Laher: Schauplatzwunden.

Eva Riebler

Ludwig Laher: Schauplatzwunden. Über 12 ungewollt verknüpfte Leben.

Wien Czernin 2020, 190 S.

ISBN 978-3-7076-0707-9

 

Wieso lesen wir Krimis, verfolgen im TV Mörder oder sehen uns Action-Filme an? Hat es doch am Schauplatz Österreich in den 40er Jahren genügend KZs und Arbeitslager gegeben, in denen es grausamer war, mit wenig raffinierter Technik aber brachialer Muskelkraft jemand vom Diesseits ins Jenseits befördert worden ist, und vorher wehrlos ausgebeutet, erniedrigt und missbraucht worden sind! Ach! Stimmt schon, das waren ja Arbeitsscheue, Asoziale, Wehrkraftzersetzer, Zigeuner oder Juden – Untermenschen  - die keinen James Bond oder Inspektor brauchten um ins Rampenlicht gezehrt zu werden!

Ludwig Lahner, Germanist, klassischer Philologe und Anglist, geb. 1955 in Linz nimmt sich nach seinem Roman „Herzfleischentartung“ (einer so bez. Todesursache) wiederum rechercheartig der Schicksale von Lagerinsassen und deren Peiniger an. Er stellt 12 historische Personen aus dem Arbeitserziehungslager /Zigeuneranhaltelager 1941-1942 Weyer-St. Pantaleon OÖ, nahe der bairischen Grenze in den Kontext ihrer Verfehlungen. Bis zum Jahre 2000 dauerte es, dass Gedenksäulen mit Inschriften am Gemeindegebiet errichtet werden konnten. Eine Benennung einer Straße stellvertretend für viele Lagerinsassen, nach dem Jüngsten, einem im Lager geborenen Baby namens Rudolf Haas, konnte 2008!! noch immer nicht durchgesetzt werden!

Lahner beleuchtet nicht nur die perfide Brutalität der Lagerverwaltung, er erforscht akribisch die Unterschlagung der sechsstelligen Summe der Entlohnung für den Arbeitseinsatz der Insassen, und auch die Tätigkeit des Oberstaatsanwaltes, NSDAP- Mitgliedes Josef Neuwirth, der bereits 1941 versucht die Tötungen im Lager (unterstellt dem Gauleiter Eigruber) an den Justizminister im Altreich aktenkundig zu machen und die darauf aus dem Lager Weyer nach Mauthausen deponierten Lagerinsassen zu vernehmen.

Ein mehr als spannendes Werk, dem es nicht um Schuld – Unschuld, Böse- Gut-Zuweisungen, sondern um die undurchsichtige Gemengelage zur Zeit der Schreckensherrschaft geht!   Eva Riebler

 

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