Thomas Sautner: Die Erfindung der Welt

Eva Riebler

Thomas Sautner:
Die Erfindung der Welt

Roman Picus Wien
2021, 406 Seiten
ISBN 978-3-7117-2103-7

Ein Rezept: Wie schreibe ich einen Roman! Die neuralgischen Momente in diesem Roman sind dicht gesät, zu dicht. Der Autor führt uns oder seinen Schreibwerkstätte- Teilnehmern eindrücklich, pädagogisch wertvoll vor: Wie man einen Roman macht. Motto: Man nehme … stets Gegensatzpaare, sei es eine unbedarfte, neugierige Schriftstellerin aus der Stadt, die emsig recherchiert und eine lebensweise, kautzige Alte aus dem tiefen Wald. Dazu füge man Überraschungen, Weisheiten, Rätsel zum allgemeinen Lebenssinn oder gar gleich zur Entstehung der Welt. Man vergesse nicht die Glaubwürdigkeit und Ernsthaftigkeit z.B. in diesem Werk durch die ernsthafte, ehrliche Elli von Hohensinn, die am besten aristokratisch – also Gräfin zu Litstein ist. Man vergesse nicht die belebte Tierwelt, z.B. mittels eines beobachtenden Seeadlers einzubringen und wenn es spannend wird, mit detaillierten Naturschilderungen den Gang der Handlung aufzuhalten oder aufzufetten.
Die Natur ist natürlich belebt und in diesem Fall sogar wichtigtuerisch: s. S. 37 die Schilderung bei der Ankunft im Schlosshof: „Der kreisrunde Wehrturm der Burg blickte nachlässig wachend auf mich herab. Um etwas wichtiger zu erscheinen und auch etwas höher, trug er über seinen Zinnen ein kegelförmiges Schindeldach samt ….“. Nun kommt das Gegensatzpaar: „ samt
Fahnenmast. An dem hing, schlapp, ein Fetzen Stoff.“ . (Man beachte die sechs!! Adjektive in nur 3 Sätzen!)
Den Spannungsbogen kann man auch auf die Bogenspitze treiben, in dem man eine Querverbindung zum Autor oder zum Leser legt. Z.B. S. 45: Der Autor mischt sich direkt in die Handlung ein: „das fand ich gut: Sie überlegte …“. Und die persönliche Anrede, die Brücke zum Leser sieht dann so aus: S. 45 … Wäre die Satzstellung anders, hätten Sie bedenkenlos weitergelesen …Lesen Sie Ihr Leben auch so flüchtig …“. (Vielleicht hätte es „Leben“ statt „lesen“ heißen sollen?)
Fazit. Eine große Enttäuschung nach den fünf vorherigen nicht so überfrachteten Romanen!

Mehr Kritiken aus der Kategorie: